- 16.08.2021, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Weit weg von einer Verdienstmedaille", Ausgabe vom 17. August 2021 von Peter Nindler.
Innsbruck (OTS) - Die Nachfolgeregelung für das Kindertherapiezentrum
Eule wirft weiter Fragen auf, finanziell ist noch nicht alles
geklärt. Trotzdem wurde sie am „Tiroler Feiertag“ verkündet. Gut für
die Betroffenen, aber kein Ruhmesblatt für die Landesregierung.
Symbolträchtig hat die schwarz-grüne Landesregierung am „Hohen
Frauentag“ die Nachfolgelösung für das Kindertherapiezentrum Eule
verkündet. Obwohl noch nicht einmal alle (finanziellen) Details
geklärt sind. Aber die Politik geriet zuletzt zusehends unter Druck,
schließlich schlingerte die therapeutische Versorgung von 1300
Kindern und Jugendlichen mit zum Teil komplexen Entwicklungsstörungen
oder Behinderungen. Außerdem standen bereits großflächige Kündigungen
bei der Eule bevor.
Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) wollte zuerst mit dem
Kopf durch die Wand, sie musste allerdings rasch erkennen, dass ihre
Zukunftsstruktur mit dezentralen Netzwerken sowie freiberuflichen
Therapeuten wenig bis gar nicht durchdacht und eigentlich nicht
umsetzbar ist. Aber Landeshauptmann Günther Platter (VP) ließ sie
vorerst erste Reihe fußfrei gewähren.
Nur: Es geht um junge Menschen, um ihre Familien, die vielfach
ohnehin schon am sozialen Rand und nicht in der gesellschaftlichen
Mitte leben und die auf ein niederschwelliges Behandlungskonzept mit
Therapiezentren in den Bezirken angewiesen sind. Deshalb wurde die
Luft für Schwarz-Grün politisch immer dünner, nicht nur weil die
Opposition Woche für Woche nachvollziehbare Lösungen forderte. Selbst
in der Österreichischen Gesundheitskasse hielt sich die Begeisterung
für die Vorgangsweise des Landes mehr als in Grenzen. Der
Soziallandesrätin entglitt das Problem immer mehr, auch in der
Tiroler Volkspartei begann es zu rumoren. Zumal Landeshauptmann
Platter keine Gelegenheit auslässt, Tirol als familienfreundlichstes
Bundesland zu positionieren. Mit der Lücke im Therapieangebot für
Kinder und Jugendliche ist das kaum möglich.
Dass am Sonntag die Landesregierung die endgültige Einigung mit der
Diakonie als künftigem Partner für die therapeutische Versorgung
abgesegnet hat, lässt die betroffenen Familien aufatmen. Doch das
alles bleibt nach wie vor amateurhaft: Weil die Regierung nur einen
Teil der Kosten von drei Millionen öffentlich gemacht hat, dazu
kommen nämlich noch mindestens 300.000 Euro für die klinische
Diagnose in den Tirol Kliniken bzw. den Bezirkskrankenhäusern sowie
der noch zu beziffernde Aufwand für das Betriebsübernahmerisiko durch
die Diakonie. Aber Hauptsache, alles wird am „Tiroler Feiertag“
verlautbart.
Eine Verdienstmedaille verdient die Landesregierung dafür nicht.
Vielmehr müssen Land Tirol, Gesundheitskasse und Diakonie jetzt
liefern, offene Fragen transparent klären und künftig koordinierter
vorgehen.
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