- 13.08.2021, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Politik mit Überschriften", von Mario Zenhäusern
Ausgabe vom Samstag, 14. August 2021
Utl.: Ausgabe vom Samstag, 14. August 2021 =
Innsbruck (OTS) - Die geplante Verbannung des Individualverkehrs aus
der Innsbrucker Innenstadt ist ein richtiger und notwendiger Schritt.
Der Alleingang der Grünen aber wird der Brisanz des Themas nicht
gerecht.
Der am vergangenen Montag veröffentlichte Bericht des
Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) ist
dramatisch: Wenn die Umweltverschmutzung nicht sofort und massiv
reduziert wird, erwärmt sich die Erde schneller als befürchtet.
Österreich ist besonders betroffen: Statistiken der Zentralanstalt
für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) belegen, dass es zwischen
Boden- und Neusiedler See seit Beginn der Industrialisierung um zwei
Grad wärmer geworden ist. Ohne massive Gegenmaßnahmen droht bis zum
Jahr 2100 sogar eine Erwärmung um mindestens fünf Grad.
Die Folgen dieses seit Jahrzehnten andauernden Raubbaus an der
Natur sind bereits jetzt schmerzlich spürbar. So genannte
hundertjährliche Hochwasserereignisse, die alle zwei, drei Jahre
riesige Schäden verursachen, Waldbrände, Dürren, schmelzende
Gletscher, all das ist auf den Klimawandel zurückzuführen. Die
Schäden sind exorbitant – nicht nur die materiellen: Immer öfter sind
wie zuletzt in Deutschland oder aktuell in Griechenland und Italien
auch Menschenleben zu beklagen.
Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Baustein im Kampf gegen
den Klimawandel ist die Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen, die
zuletzt im europäischen Klimaschutzgesetz festgeschrieben wurde. Das
Erreichen der darin formulierten Ziele bedingt massive Eingriffe in
unser aller Leben. Unter anderem wird es notwendig sein, den
Individualverkehr, eine der größten CO²-Schleudern, einzuschränken.
Die von den Grünen geplante Verbannung der Autos aus der Innsbrucker
Innenstadt ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Die
Wirksamkeit einer derartigen Maßnahme potenziert sich mit der Anzahl
der Menschen, die sie akzeptieren und im täglichen Leben umsetzen.
Anders gesagt: Je stärker der Klimawandel als Bedrohung und die
Reduktion des Verkehrs als Mittel zur Abwehr oder Abschwächung
betrachtet wird, desto erfolgreicher ist der Kampf gegen die
Erderwärmung.
Eine Grundregel im (kommunal-)politischen Einmaleins lautet, dass
große Entscheidungen auch große Mehrheiten benötigen. Umso
unverständlicher ist vor diesem Hintergrund die Vorgangsweise der
Innsbrucker Grünen. Statt sich politische Mitstreiter zu suchen und
die betroffenen Wirtschaftstreibenden wie auch die Anrainer ins Boot
zu holen, haben Georg Willi und Uschi Schwarzl alle Beteiligten mit
ihrem Vorstoß überrumpelt. Das ist Politik mit Überschriften und wird
der Brisanz des Themas nicht gerecht.
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