• 22.07.2021, 06:00:01
  • /
  • OTS0007

Greenpeace-Gutachten: Ungarisches Mega-Projekt am Neusiedler See verletzt internationale Naturschutzbestimmungen

Umweltschutzorganisation fordert sofortigen Baustopp des Tourismuskomplexes

Utl.: Umweltschutzorganisation fordert sofortigen Baustopp des
Tourismuskomplexes =

Wien (OTS) - Das von Greenpeace Österreich beauftragte Gutachten des
Biologen Dr. Helwig Brunner vom Grazer ÖKOTEAM stellt dem ungarischen
Megaprojekt am Neusiedler See bei Fertőrákos ein vernichtendes
Zeugnis aus. Denn das von der ungarischen Regierung unter Premier
Viktor Orbán vorangetriebene Projekt eines riesigen Freizeitresorts
wird mitten im mehrfach geschützten Nationalpark, Natura 2000-Gebiet
und international bedeutenden Ramsar-Feuchtgebiet erbaut. 60 Hektar
Natur, umgerechnet rund 80 Fußballfelder, sollen etwa für ein
Vier-Sterne-Hotel mit 100 Zimmern, ein Parkhaus mit 880 Stellplätzen
und einen Yachthafen mit 850 Bootsliegeplätze zerstört werden.
Dadurch wären mehrere bereits gefährdete und EU-rechtlich besonders
geschützte Vogelarten bedroht. Das Projekt verstößt damit gegen
mehrere Naturschutzbestimmungen, darunter die die
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie der EU.
Laut Gutachten wäre damit eine EU-Naturverträglichkeitsprüfung
erforderlich. Da auch die Bestände seltener Arten wie Stelzenläufer,
Seeregenpfeifer und Säbelschnäbler auf österreichischer Seite
indirekt mitbetroffen sind, ist eine grenzüberschreitende
Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig. Greenpeace fordert auf Basis
dieser naturschutzfachlichen Expertise einen sofortigen Stopp des
umweltzerstörenden Mega-Projekts.

“Das ungarische Mega-Projekt am Neusiedler See ist eine Katastrophe
für die Zukunft der Artenvielfalt. 80 Fußballfelder Natur werden
mitten in diesem Nationalpark unwiederbringlich zerstört. Mit dem
aktuellen Gutachten haben wir es schwarz auf weiß, dass der Bau auch
ganz klar mehrere Naturschutzbestimmungen verletzt. Der Neusiedler
See und seine Bewohner dürfen diesem Luxus-Projekt nicht zum Opfer
fallen”, sagt Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster. Für das Gutachten
wurden nicht nur aktuelle Fotodokumentationen und Luftbilder rund um
das Bauareal genutzt, sondern auch eine Bestandsaufnahme vor Ort
durchgeführt. Ziel war es, naturschutzrechtlich relevante Arten zu
dokumentieren. Insgesamt konnten acht verschiedene besonders
geschützte Vogelarten, darunter Stelzenläufer, Seeregenpfeifer,
Purpurreiher und Zwergscharbe gesichtet werden. “Das Bauprojekt am
Neusiedler See würde die Lebensqualität der dort lebenden und
brütenden Vogelarten deutlich verschlechtern. Zahlreiche Arten, die
im Natura-2000-Gebiet besonderen Schutz genießen müssen, sind durch
das Mega-Projekt bedroht. Das Projekt steht in Widerspruch zu den
rechtlich verbindlichen Zielsetzungen des Schutzgebietes. Dadurch
wird das Verschlechterungsverbot für Natura-2000-Gebiete klar
verletzt”, sagt Gutachter Brunner von ÖKOTEAM. Zudem weist er auf die
zerstörende Beeinträchtigung EU-rechtlich besonders geschützter
Lebensraumtypen durch das Bauprojekt hin.

Das 60 Hektar große Bauareal liegt nicht nur mitten im Nationalpark,
sondern ist auch Teil des Natura-2000-Gebiets. Dieses unterliegt
strengen EU-Richtlinien zum Schutz von Vögeln sowie Tieren, Pflanzen
und Lebensräumen. Auch ist das Seeufer durch die Ramsar-Konvention
geschützt. Dieses internationale Abkommen stellt Feuchtgebiete und
die dort lebende Artenvielfalt in den Fokus. Die Ufer am Neusiedler
See dienen 45.000 dokumentierten Rastvögeln als ein zu Hause. Bereits
die Baustelle stört die Vögel erheblich, denn diese fliehen vor den
Menschen auf bis zu 500 Meter Entfernung. Mit der Inbetriebnahme des
Tourismuskomplexes wird die Situation weiter verschärft. Nicht nur
werden deutlich mehr Autos in der Gegend unterwegs sein und damit für
mehr Lärm und Abgase sorgen. Der Verkehr auf dem See wird durch die
850 geplanten Bootsanlegestellen um rund 20 Prozent erhöht.

Zwar befindet sich das Bauprojekt auf der ungarischen Seite des Sees,
doch die Folgen auf seltene Vogelpopulationen könnten sich laut
Gutachten auch auf die Bestände auf österreichischer Seite nachteilig
auswirken. Greenpeace Österreich fordert gemeinsam mit Greenpeace
Ungarn einen sofortigen Baustopp des Projekts und die bestmögliche
Behebung der bereits entstandenen Schäden. „Durch den Mega-Bau
verwandelt sich dieses Naturparadies in eine karge Landschaft und
auch das bunte Vogelgezwitscher wird deutlich abnehmen. Sollte die
ungarische Regierung nicht einlenken und das zerstörerische Projekt
weiter vorantreiben, muss sich die österreichische Bundesregierung
für einen sofortigen Baustopp einsetzen. Auch die EU-Kommission muss
sich einschalten, da Ungarn hier einmal mehr EU-Recht mit Füßen
tritt“, sagt Greenpeace-Sprecher Schuster.

Das Gutachten von ÖKOTEAM finden Sie unter: https://bit.ly/3zqI471

Ein Factsheet zum Neusiedler See und dem Mega-Projekt finden Sie
unter: https://bit.ly/2UwlH11

Bildmaterial finden Sie unter: https://cutt.ly/EmBNkve
Fotomaterial steht unter Angabe der Credits für die redaktionelle
Nutzung kostenlos zur Verfügung: © Mitja Kobal / Greenpeace

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GRP

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel