- 08.07.2021, 15:42:49
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Tabubruch bei Penny: Eier erfüllen österreichische Standards nicht
Diskonter droht heimische Qualitätspolitik bei Eiern zu zerstören
Utl.: Diskonter droht heimische Qualitätspolitik bei Eiern zu
zerstören =
Wien (OTS) - Seit dem vorzeitigen Ausstieg Österreichs aus der
Käfighaltung im Jahr 2010 haben sich die österreichischen
Legehennenhalter eine Vielzahl an Mehrleistungen erarbeitet. Die
heimische Eierproduktion ist inzwischen nachweislich EU-weit führend
im Bereich einer nachhaltigen, tier- und umweltfreundlichen
Legehennenhaltung. Es war bislang ungeschriebenes Gesetz im
Lebensmitteleinzelhandel, dass keine Eier gelistet werden, die nicht
diesen hohen, nationalen Standards entsprechen. Penny bricht nun ein
Tabu und verkauft deutsche Billigeier, die den österreichischen
Branchenstandards nicht standhalten, und das zu einem Preis, zu dem
die vergleichsweise kleinen österreichischen Betriebe nicht mehr
produzieren können. Die österreichische Geflügelwirtschaft schlägt
Alarm.
Die von vielen gerühmte und oft zitierte Erfolgsgeschichte der
österreichischen Legehennenhaltung seit dem Ausstieg aus der
Käfighaltung 2010 könnte nun ein jähes Ende finden. In einer großen
Lebensmitteleinzelhandelskette, bei Penny, findet man erstmals Eier,
die nicht den in Österreich geltenden nationalen Mindeststandards
entsprechen. Die aus Norddeutschland stammenden Bodenhaltungseier
müssen über 1.000 km transportiert werden und belasten damit nicht
nur die Umwelt. Das Futter für die Tiere ist zwar gentechnikfrei, es
ist unklar, ob es nicht aus Regenwaldregionen in Übersee stammt.
Österreichische Legehennen werden hingegen mit gentechnikfreiem Soja
gefüttert, das aus nachhaltigem, regionalem Anbau aus dem Programm
"Donau Soja" stammt. Heimische Betriebe sind deutlich kleiner und
werden zudem regelmäßig im Rahmen des AMA-Gütesiegelprogrammes
kontrolliert, die Rückverfolgbarkeit der Eier wird über die
österreichische Eierdatenbank abgesichert. Ein Betreuungstierarzt
kümmert sich verpflichtend regelmäßig um die Gesundheit der Tiere.
Daraus ergibt sich ein sehr hohes Maß an Sicherheit, aber auch ein
faktischer Preisunterschied.
Abwärtsspirale im Bereich der Qualität droht
"Mit dem Verkauf von Eiern, die nicht dem österreichischen
Standard entsprechen, bricht Penny sein Versprechen und öffnet Tür
und Tor für eine Abwärtsspirale im Bereich der Qualität auch bei
österreichischen Eiern, denn wenn andere Handelsketten diesem
Beispiel folgen, dann können wir dem Preisdruck nicht mehr
standhalten und werden gezwungen, auf unsere hohen Tier- und
Umweltstandards zu verzichten. Das wollen wir mit allen Mitteln
verhindern", stellt der Obmann der ZAG - Zentrale Arbeitsgemeinschaft
der Österreichischen Geflügelwirtschaft, Franz Karlhuber, fest.
Die Aktion von Penny kommt auch zu einem denkbar ungünstigen
Zeitpunkt, denn die Eierproduzenten wurden von der Corona-Krise
schwer getroffenen. Die Gastronomie kauft seit über einem Jahr kaum
Eier, die Lager sind voll und die Preise für Eierübermengen auf einem
Tiefstand. Für 1 kg Eier, also 16 Stück, bekommt man zurzeit 70 Cent,
damit können kaum mehr die Futterkosten für die Tiere bezahlt werden.
Der Obmann der EZG Frischei, Franz Kirchweger, zeigt sich sehr
verärgert über den Tabubruch. "Wenn man im Handel nur dem Diktat der
Gewinnmaximierung folgt und die hohen Ansprüche der heimischen
Bevölkerung missachtet, dann leiden nicht nur die Tiere und die
Umwelt, auch die österreichischen Konsumenten bekommen nicht die
Qualität bei Eiern, die sie sich erwarten. Unsere Bäuerinnen und
Bauern wollen und können unter diesen Bedingungen nicht mehr
arbeiten. Es zeigt sich einmal mehr, wenn Eier zu billig sind, dann
leiden alle entlang der Wertschöpfungskette. Wollen wir eine
regionale Geflügelhaltung in Österreich und damit Wertschöpfung und
Arbeitsplätze am Land erhalten, dann muss es auch einen fairen
Wettbewerb auf Augenhöhe geben", unterstreicht Kirchweger. (Schluss)
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