Studie: Migration nach Europa steigt bis 2030

Die Einwanderung wird im neuen Jahrzehnt zunehmen, insbesondere aus Afrika und dem Nahen Osten. Die EU sollte sie in enger Partnerschaft mit Afrika intelligent steuern.

  • Hauptgründe sind die enormen Einkommensunterschiede zu den Herkunftsländern, fragile staatliche Institutionen, Staatszerfall, der Klimawandel, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte
    Prof. Michael Landesmann, Co-Studienautor und Ökonom am wiiw
    1/4
  • Daraus allerdings abzuleiten, weiter an der Festung Europa zu bauen, wäre ein Trugschluss
    Prof. Michael Landesmann, Co-Studienautor und Ökonom am wiiw
    2/4
  • Und im Falle vermehrter politischer Instabilität und eines verschärften Klimawandels in den Herkunftsländern rechnen wir mit fast 4 Millionen Migranten – unabhängig davon, wie restriktiv wir die Zuwanderung bei uns gestalten
    Isilda Mara, Co-Studienautorin, Ökonomin am wiiw
    3/4
  • Die EU sollte mehr Geld für menschenwürdige Lebensbedingungen von Flüchtlingen in der Nähe von Konfliktgebieten zur Verfügung stellen und vor allem Kapazitäten aufbauen, die schnell eingesetzt werden können, um ärmere Länder zu unterstützen, die aufgrund von unvorhergesehenen Ereignissen einen schnellen Anstieg der Flüchtlingsankünfte erleben
    Richard Grieveson, Co-Studienautor, stv. Direktor des wiiw
    4/4

Wien (OTS) - Eine neue Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) kommt zum Schluss, dass die Migration nach Europa steigen wird. Im Basisszenario werden bis Ende des Jahrzehnts 3,4 Millionen Zuwanderer aus den Nachbarregionen in die EU sowie nach Großbritannien, Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein und Island strömen. Der Großteil von ihnen dürfte aus Afrika und dem Nahen Osten kommen. Hauptgründe sind die enormen Einkommensunterschiede zu den Herkunftsländern, fragile staatliche Institutionen, Staatszerfall, der Klimawandel, Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte, analysiert Professor Michael Landesmann, Co-Studienautor und Ökonom am wiiw. Aber auch die alternde Bevölkerung Europas wird weiterhin eine Nachfrage nach Arbeitskräften schaffen und damit junge Menschen anziehen, meint Landesmann.

Verschiedene Szenarien

Gemeinsam mit Isilda Mara, Richard Grieveson und Sandra Kovacevic hat Landesmann die Migrationsströme nach Europa zwischen 1995 und 2020 auf Ursachen und Muster hin untersucht. Auf Basis der Ergebnisse wurden verschiedene Szenarien bis 2030 errechnet. Fazit: Auch im Falle einer positiven Wirtschaftsentwicklung Afrikas und des Nahen Ostens werden rund 2,9 Millionen Menschen von dort innerhalb der nächsten zehn Jahre ihr Heil in Europa suchen. Bei einer Lockerung der Einwanderungspolitik könnten es 4,7 Millionen sein. „Daraus allerdings abzuleiten, weiter an der Festung Europa zu bauen, wäre ein Trugschluss“, sagt Landesmann mit Verweis auf die Studie.

Denn auch bei strengeren Zuwanderungsbestimmungen dürften sich immer noch 2,5 Millionen Menschen auf den Weg machen. Zudem würde sich das Problem der illegalen Migration verschärfen. Und im Falle vermehrter politischer Instabilität und eines verschärften Klimawandels in den Herkunftsländern rechnen wir mit fast 4 Millionen Migranten – unabhängig davon, wie restriktiv wir die Zuwanderung bei uns gestalten, konstatiert wiiw-Ökonomin Isilda Mara.

Steuerung der Zuwanderung gemeinsam mit Afrika

Auf diese Herausforderung sollte die EU mit einer umfassenden Strategie reagieren, die insbesondere auf eine enge Partnerschaft mit Afrika zur Steuerung der Migration setzt, empfiehlt die Studie. Die Volkswirtschaften der EU bekämen so die Arbeitskräfte, die sie brauchen, während ein kontrollierter Zuzug die Bevölkerung nicht überfordere. Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten müsse zudem die Möglichkeit gegeben werden, sich in Europa aus- und weiterzubilden, um nach einer bestimmten Zeit zurückzukehren und so die Wirtschaft in der Heimat anzukurbeln. Auch Geldüberweisungen sollten erleichtert werden.

Darüber hinaus plädieren die Autoren der Studie dafür, besser auf zukünftige Konflikte und Umweltkatastrophen in den Nachbarregionen der EU vorbereitet zu sein. Die EU sollte mehr Geld für menschenwürdige Lebensbedingungen von Flüchtlingen in der Nähe von Konfliktgebieten zur Verfügung stellen und vor allem Kapazitäten aufbauen, die schnell eingesetzt werden können, um ärmere Länder zu unterstützen, die aufgrund von unvorhergesehenen Ereignissen einen schnellen Anstieg der Flüchtlingsankünfte erleben, betont der stellvertretende Direktor des wiiw, Richard Grieveson.

Über das Forschungsprojekt

Die Studie “Migration from Africa, Middle East and EU Eastern Partnership countries towards the EU-27: Challenges and prospects ahead” stellt eine unabhängige Forschungsarbeit des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) dar und wurde vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert. Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Knapp
Communications Manager
Tel. +43 680 1342785
knapp@wiiw.ac.at

Michael Landesmann
Senior Research Associate
landesmann@wiiw.ac.at

Isilda Mara
Ökonomin
mara@wiiw.ac.at

Richard Grieveson
Stellvertretender Direktor wiiw
grieveson@wiiw.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | IIW0001