Tag der Pflege: Arbeitgeber fordern Politik zum Handeln auf

Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) unterstützt Forderungen nach einer umfassenden Personaloffensive

Wien (OTS) - Der heutige Tag der Pflege erinnert an die Arbeit jener, die mit der Pflege und Betreuung anderer Menschen beschäftigt sind. Auch der größte Arbeitgeberverband im Sektor, die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ), meldet sich zu Wort: „In unseren 525 Mitgliedsorganisationen sind über 75.000 Beschäftigte im Dienst am Menschen tätig. Am Höhepunkt der Krise haben die MitarbeiterInnen im Pflege- und Sozialbereich viel öffentlichen Zuspruch und verbale Wertschätzung erfahren. Leider hat sich selbige für die Beschäftigten und Trägerorganisationen oft nicht hinreichend materialisiert“, meint Erich Fenninger, Vorsitzender SWÖ. Viele Organisationen würden immer noch auf die Rückerstattung von Kosten für Schutzausrüstungen und Tests warten. „Das hoffentlich bald nahende Ende der heißen Phase der Krise wäre eine gute Gelegenheit, den Dank an die Branche auch entsprechend abzugelten“, fordert Fenninger. Schon letzte Woche hat die Sozialwirtschaft gemeinsam mit den Gewerkschaften GPA und vida eine Entlastung durch Hilfspersonal sowie die Abgeltung der zusätzliche Belastungen während der Coronakrise für das Betreuungspersonal im Pflege- und Sozialbereich durch eine staatliche Zulage in Höhe von € 150 pro Monat gefordert.

Die größte perspektivische Herausforderung für die Branche sieht der Arbeitgeberverband in der Gewinnung und Bindung von ausreichend Personal. „Der Sozial- und Pflegebereich gehörte in den letzten Jahren zu den Branchen mit dem stärksten Zulauf am Arbeitsmarkt“, so der Geschäftsführer der SWÖ, Walter Marschitz. So sei die Zahl der Beschäftigten im Sozialbereich zwischen 2008 und 2020 um 50% gestiegen, bei den Alten- und Pflegeheimen um 70%. Trotzdem müssten laut Schätzungen des Sozialministeriums -vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung- in den nächsten 10 Jahren bis zu 100.000 neue Pflegekräfte gewonnen werden. „Das ist eine enorme Herausforderung , die uns noch mindestens 30 Jahre begleiten wird. Der demographische Wandel hat erst begonnen“, meint Marschitz. „Wir müssen an allen verfügbaren Schrauben drehen, seien dies neue Ausbildungswege, die Aufstockung von Ausbildungsplätzen, die Erleichterung der Anerkennung von bereits erworbenen Qualifikationen, gezielte Rekrutierungsmaßnahmen, die Förderung von Umschulungsmaßnahmen über das AMS sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen“, ist Marschitz überzeugt.

In diesem Zusammenhang fordert auch die Vorsitzende der Fachgruppe Gesundheits- und Sozialdienste in der Sozialwirtschaft Österreich, Elisabeth Anselm, die Politik auf, der Personalfrage im Zuge der Pflegereform höchste Priorität zuzumessen. „Wir haben manchmal den Eindruck, dass die Politik zwar die Zahlen kennt, aber die Dringlichkeit des Handelns immer noch unterschätzt. Es braucht angesichts der Herausforderung einen echten Masterplan. Wir müssen wegkommen von Pilotversuchen und Zukunftsmusik, wir brauchen Angebote in der Fläche, und zwar rasch. Bund und Länder sind gefordert, ein kraftvolles und überzeugendes Paket zu schnüren, das plausible Antworten auf den prognostizierten Bedarf liefert“, so Anselm. Dabei gehe es neben einer Adaption der Ausbildungslandschaft und arbeitsmarktpolitischen Programmen auch um verbesserte Rahmenbedingungen für die Arbeit. In diesen Anliegen sehe man sich auch mit Initiativen der Arbeitnehmerseite, wie etwa der „Offensive Gesundheit“ verbunden, sagt Anselm. „Wir brauchen ausreichend Personal, das gut ausgebildet ist, und seiner Arbeit mit Freude am Beruf und nachhaltig nachgehen kann. Nur so können wir Qualität und Versorgungssicherheit im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich auch künftig gewährleisten“, schließt Anselm.

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