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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 26. April 20121. Von PETER NINDLER. "Alma Mater Corona".
Innsbruck (OTS) - Für die Universitäten benötigt es einen
langfristigen Öffnungsplan, keine Schnellschüsse am Ende des
Semesters. Und eine kritische Aufarbeitung der studentischen
Situation in Innsbruck sowie von drei Semestern Fernstudium – ohne
Tabus.
Das Corona-bedingte Dilemma an den heimischen Universitäten findet in
der aktuellen Öffnungsdebatte kaum Berücksichtigung. Es wird schlicht
in den Hintergrund gedrängt, weil die Studierenden nicht wie die
großteils minderjährigen Schüler betreut werden müssen und sich im
Bildungsbereich zuletzt fast alles auf die Schulen konzentriert hat.
Doch gerade an den Hoch- und Fachhochschulen werden die
Reibungspunkte und das gesamte Ausmaß der Corona-Krise durchgreifend
sichtbar: von einem holprigen Fernstudium, wenn Professoren das
„Home-Office“ einfach zu wörtlich nehmen, über die finanzielle
Dimension mit fehlenden Zuverdienstmöglichkeiten für die Studierenden
bis hin zu einem nicht mehr leistbaren Wohnungsmarkt in Innsbruck.
Darüber hinaus haben viele Studenten die Uni seit drei Semestern
nicht mehr von innen gesehen, die Lernbedingungen sind schwierig und
die sozialen Kontakte müssen ebenfalls unterbleiben.
Jetzt hat die ÖVP-Abgeordnete Sophia Kircher mit einem interessanten
Satz aufhorchen lassen: Es sei besonders wichtig, dass Universitäten
und Fachhochschulen wieder „fit“ für die Präsenzlehre werden, meint
sie. Da hat sie tatsächlich Recht. Doch der an der Universität
Innsbruck geplante „Hybrid“-Modus mit Präsenzlehre und virtuellem
Studium geht höchstwahrscheinlich an der Realität und der vorhandenen
Infrastruktur vorbei. Mit Testen alleine lässt sich nämlich die
Rückkehr zu einer „neuen Uni-Normalität“ nicht aus dem Boden
stampfen; vor allem nicht, wenn ein Teil der Studenten gar nicht in
Innsbruck präsent ist. Weil sie sich wegen der vielen Unsicherheiten
die Miete für ihre Unterkünfte sparen wollten. Nachvollziehbar, aber
ein Problem mit und ohne Corona. Die Pandemie hat es allerdings
deutlich verschärft.
Da passt einiges in den Überlegungen der Universitätsführung nicht
zusammen. Warum nicht – ohne zeitlichen Stress – fit werden für das
kommende Wintersemester? Zugleich benötigt es ein Aufarbeiten der
vergangenen eineinhalb Jahre. Wie hat das „Distanz-Studium“
funktioniert, waren Professoren und Studenten digital fit, welche
Notfallpläne gibt es für die Zukunft? Fragen, die zu beantworten
sind, wie auch das „Home-Office“ außerhalb der Professorenzimmer.
Gerade die Universitäten dürfen nicht tabuisieren, sondern müssen
sich vertiefend damit befassen.
Studenten benötigen eine Perspektive, dazu reicht aber die Rückkehr
in den Hörsaal alleine nicht aus. Schön wär’s. Wer jetzt noch das
Sommersemester retten möchte, verliert das Studienjahr 2021/2022 aus
den Augen.
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