• 22.04.2021, 13:41:11
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Hohe Futterkosten bei tiefen Eierpreisen drängen Bauern aus der Produktion

ZAG: Kritische Marktsituation fordert dringend Solidarität von Handelspartnern

Utl.: ZAG: Kritische Marktsituation fordert dringend Solidarität von
Handelspartnern =

Wien (OTS) - Obwohl die heimischen Legehennenhalter nach den weltweit
höchsten Standards arbeiten und die tier- und umweltfreundliche
Eierproduktion in Österreich bereits seit Langem gelebte Realität
ist, schlägt sich das nicht bei den Verkaufspreisen nieder. Die
Eierpreise bewegen sich seit zehn Jahren auf demselben Niveau. Die
Rabatt- und Aktionspolitik einzelner Handelsketten führt zu einer
zunehmenden Entwertung von hochwertigen Qualitätseiern aus
Österreich. Die seit Herbst stark gestiegenen Futterkosten bringen
Eierproduzenten nun an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

"Sollte es nicht gelingen, am Markt kostendeckende Preise zu
erzielen, werden Bauern gezwungen sein, aus der Produktion
auszusteigen. Im Wettbewerb mit Eiern aus einer Tierhaltung mit
deutlich niedrigeren Tierwohlstandards und gentechnikverändertem
Futtersoja aus Südamerika können unsere Bauern nur dann
wirtschaftlich überleben, wenn die messbaren Mehrleistungen in
Österreich klar kommuniziert werden und heimische Eiervermarkter den
Preis erzielen, der ihren auch zusteht", mahnt der Obmann der
Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft
(ZAG), Franz Karlhuber.

Heimische Legehennen werden gentechnikfrei und klimafreundlich
gefüttert

Während Österreich als einziges Land in der EU die Käfighaltung
gänzlich abgeschafft hat, leben etwa 50% der Hennen in der Union noch
immer in ausgestalteten Käfigen. Im Rahmen des
AMA-Gütesiegel-Programms wurden die Haltungsbedingungen für die
Tiere, aber auch die Hygiene sowie die Lebensmittelsicherheit bei
Eiern laufend verbessert. In einem gemeinsamen Schulterschluss
zwischen Konsumenten, dem Handel und den Eierproduzenten wurde
vereinbart, dass österreichische Legehennen ab 2010 nur mehr mit
gentechnikfreiem Futter gefüttert werden. Seit 2014 stammt die
wichtigste Futterkomponente Soja sogar nur mehr aus den
Nachhaltigkeitsprogramm "Donau Soja".

"Soja aus den Regenwald-Regionen Südamerikas ist für die
österreichischen Legehennenhalter tabu, diesen Mehrwert möchten wir
auch weiterhin anbieten können, auch wenn man mit
gentechnikverändertem Futter deutlich Geld sparen könnte. Wir leisten
damit einen wichtigen Beitrag für die Gesunderhaltung der Natur und
ersparen der Umwelt damit jährlich 110.000 t CO2", hält Karlhuber
fest.

Futterpreise stark gestiegen

Durch die europaweit gestiegene Nachfrage nach GVO-freiem Soja und
andererseits einem gesunkenem Angebot, aber auch Corona-bedingten
Spekulationen an den Börsen hat sich der Preis für Sojabohnen im
letzten halben Jahr um 75% erhöht. Die Preise für Mais sind ebenfalls
deutlich angestiegen. Die Kostensteigerungen wirken sich auch bereits
in der Vorproduktion, der Bruteiproduktion und der Junghennenaufzucht
aus. Eine wesentliche Entspannung der Preissituation bei
Futtermitteln ist laut Experten auch ab Herbst 2021 nicht zu
erwarten. Berücksichtigt man die öffentlich notierten
Futterpreissteigerungen seit Herbst, dann ergibt sich hochgerechnet
ein Mehrpreis von 1 bis 2 Cent pro Ei.

Donau Soja rechtzeitig sichern

Deutlich mehr europäische Sojabohnen als in den
Nachhaltigkeitsprogrammen in der EU benötigt werden, wurden vom
Verein Donau Soja im Vorjahr zertifiziert. Zertifiziertes, GVO-freies
Donau Soja wurde aber nicht nur von Tierhaltern im Rahmen von Donau
Soja-Markenprogrammen aufgekauft. Der Verein Donau Soja empfiehlt
Mischfutterwerken und Futterselbstmischern, sich die bekannten
Bedarfsmengen rechtzeitig im Vorhinein vertraglich zu sichern. "Wir
haben großes Verständnis für die Notlage der österreichischen
Legehennenhalter und haben in Gesprächen mit der ZAG bereits
Hilfestellungen angeboten, die die Versorgungssituation verbessern
sollten", so der Obmann des Vereins Donau Soja, Matthias Krön.

Auf Errungenschaften nicht verzichten

Die österreichische Legehennenhaltung zeichnet sich durch ein
einzigartiges Paket an Mehrleistungen im Interesse der Menschen, der
Tiere, aber auch der Umwelt aus. Die Geflügelhalter möchten auf diese
Erkennungsmerkmale nicht verzichten. "Sollte es uns aber nicht
gelingen, für heimische Eier einen kostendeckenden Preis zu erzielen,
dann werden viele Tierhalter spätestens ab Herbst keine Junghennen
mehr einstallen", bringt der Obmann der EZG Frischei, Franz
Kirchweger, die kritische Situation auf den Punkt.

Verantwortung in Zeiten der Corona-Krise

Für Überschussmengen, die in der Ei-Verarbeitungsindustrie
verwertet werden, erzielt man in Zeiten der Corona-Krise und dem
inzwischen dritten Gastro-Lockdown in Folge Eierpreise, mit denen man
nicht einmal mehr die Futterkosten für die Tiere decken kann, stellt
ZAG-Obmann Karlhuber verärgert fest und meint, da laufe etwas
gravierend aus der Bahn. "Wir tragen tagtäglich Verantwortung für die
Tiere und für die Versorgung der Menschen in Österreich, auch in
Zeiten der Corona-Krise. Wir verdienen für unsere Arbeit mehr
Wertschätzung, die sich besonders auch in dieser Krisensituation im
Preis widerspiegeln muss", betont Karlhuber. (Schluss)

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