• 15.04.2021, 10:25:33
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„Die Zerbrechlichkeit der Welt“

Paul-Watzlawick-Ehrenring 2021 geht an Stefan Thurner und Peter Klimek - Hommage an den großen österreichischen Kommunikationstheoretiker

Peter Klimek, "Paul-Watzlawick-Ehrenring
2021"-Preisträger der Ärztekammer für Wien

Utl.: Paul-Watzlawick-Ehrenring 2021 geht an Stefan Thurner und
Peter Klimek - Hommage an den großen österreichischen
Kommunikationstheoretiker =

Wien (OTS) - Durch die Corona-Pandemie sind Peter Klimek und Stefan
Thurner, Mitinitiator des Complexity Science Hub Vienna (CSH), auch
einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Sie waren und sind
diejenigen, die mithilfe von Big Data und Einbeziehung
unterschiedlicher Daten, die sie von Behörden und Institutionen
erhalten, Prognosen zur weiteren Entwicklung der Pandemie abgeben.
Dabei verknüpfen sie unterschiedliche Informationen und potenzielle
Einflussfaktoren miteinander. Unter anderem dafür wird den beiden
Komplexitätsforschern der von der Wiener Ärztekammer gestiftete
Paul-Watzlawick-Ehrenring verliehen. ****

„Jedes komplexe System hat Netzwerke in sich. Das Verständnis
dieser Netzwerke ist die Quintessenz, um komplexe Systeme zu
verstehen, wie sich diese dynamisch verhalten, wie sie auf Stress
reagieren, Robustheit zeigen oder kollabieren. Erst wenn man weiß,
wie die Bausteine miteinander in Beziehung stehen, kann man ein
System verstehen“, so Thurner, der erst vor wenigen Monaten das Buch
„Die Zerbrechlichkeit der Welt“ veröffentlicht hat.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Klimek arbeitete er an
komplexen Problemen aus den Segmenten Klimawandel, Migration,
gesellschaftliche Ungleichheit, Gesundheitspolitik und -versorgung
sowie Finanz- und Ökosystemen.

„Wir wollen wissen, wie Krankheiten entstehen“

Die Beschäftigung mit komplexen Systemen ist noch eine junge
Wissenschaft, eine indirekte Konsequenz der Informationsgesellschaft
und der Möglichkeiten, die Big Data bieten, um unterschiedliche
Systeme und deren Verwobenheit zu analysieren.

Stefan Thurner ist gebürtiger Tiroler, studierte theoretische
Physik an der Universität Wien sowie an der TU Wien, wo er sich –
nach Studienaufenthalt an der Columbia University, der
Humboldt-Universität und der Boston University – habilitierte. Seit
2009 ist Thurner, der auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften
absolvierte, Professor für die Wissenschaft komplexer Systeme an der
MedUni Wien. Seit 2015 leitet er den Complexity Science Hub Vienna,
eine europaweit einzigartige Forschungsinstitution.

Peter Klimek studierte bei Thurner theoretische Physik an der
Universität Wien, war anschließend in der privaten Forschung am
European Virtual Institut für Integrated Risk Management sowie am
Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse beschäftigt.
Seit 2011 ist er am Institut für die Wissenschaft komplexer Systeme
der MedUni Wien tätig, wo er sich in Computational Science
habilitierte und dann, gemeinsam mit Thurner, an den Complexity
Science Hub Vienna ging.

Beide Wissenschafter arbeiten seit Jahren eng zusammen, wobei
derzeit Krankheiten und Verbreitung von Krankheiten im Fokus ihrer
Tätigkeit entstehen: „Wir wollen wissen, wie Krankheiten entstehen
und wie sie sich ausbreiten können. Dabei gehen wir von mehreren
Netzwerken aus, die ihre Funktion nicht oder nur teilweise erfüllen.“

Beide appellieren an die Öffentlichkeit und Institutionen,
möglichst viele Daten – selbstverständlich verschlüsselt und
anonymisiert – zu sammeln und der Wissenschaft zur Verfügung zu
stellen. „Nur Big Data kann helfen, künftige Tipping-Points zu
erkennen und einen Beitrag leisten, sie umzusteuern.“

Komplexe Systeme miteinander in Beziehung setzen

„Es ist faszinierend, was die beiden leisten und wie sie, weit
über die Erforschung der Gründe für die Verbreitung von Krankheiten
hinaus, komplexe Systeme miteinander in Beziehung setzen und damit
wesentliche Probleme, auf die unsere Gesellschaft zusteuern,
frühzeitig erkennen können – gleichgültig, ob es Finanzsysteme,
Demokratiemodelle, Klimaherausforderungen oder gesellschaftliche
Ungleichheiten und deren bedrohliche Auseinanderentwicklung sind“,
kommentiert Elisabeth J. Nöstlinger, Vorsitzende der Jury des
Paul-Watzlawick-Ehrenringes, die wissenschaftliche Bedeutung des
Forschungsgebiets der beiden Ehrenring-Träger.

Der Paul-Watzlawick-Ehrenring der Ärztekammer für Wien ist eine
Hommage an den großen österreichischen Kommunikationstheoretiker,
Psychotherapeuten und Mitbegründer der Theorie des radikalen
Konstruktivismus, Paul Watzlawick, der heuer vor 100 Jahren geboren
wurde. Den Ehrenring erhalten Persönlichkeiten, die in ihrem Werk und
in ihrer Forschung jenen disziplinübergreifenden, humanistischen
Ansatz verfolgen, den Paul Watzlawick auszeichnete.

2021 wird der Ehrenring zum bereits 12-mal vergeben. Die
bisherigen Ringträger sind: Robert Pfaller, Ulrike Guérot, Hartmut
Rosa, Franz Schuh, Konrad Paul Liessmann, Ruth Klüger (†), Walter
Thirring (†), Friedrich Achleitner (†), Rüdiger Safranski, Aleida
Assmann und Peter L. Berger (†). Für sein Lebenswerk wird 2021 zudem
der Wiener Philosoph Wolfgang Burger mit dem Watzlawick-Ehrenpreis
ausgezeichnet, wie einige Jahre davor die ungarische Philosophin
Ágnes Heller (†).

Der Watzlawick Ehrenring wurde von der Meisterklasse Paolo Piva im
Rahmen eines Wettbewerbs designed und erinnert an eine
Möbius-Schleife.
„Wir sind stolz, dass wir heuer zwei Forscher auszeichnen, die
wesentlich dazu beitragen, aktuelle Probleme unserer Gesellschaft zu
erkennen und Lösungsansätze für diese Probleme zu finden. Das geht
weit über die Beschäftigung mit COVID-19 hinaus“, so
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. (hpp)

(S E R V I C E – Der Paul-Watzlawick-Ehrenring wird am 7. Oktober
2021 im Rahmen einer Wiener Vorlesung im RadioKulturhaus (Beginn:
19.00 Uhr) verliehen. Die Laudatio wird die Wissenschaftsforscherin
Helga Nowotny halten, die auch wesentlich dazu beigetragen hat, dass
der Complexity Science Hub Vienna gegründet und mit dementsprechenden
finanziellen Mitteln ausgestattet werden konnte.)

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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