TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Politisches Versagen", von Karin Leitner, Ausgabe vom Sonntag, 28. März 2021

„Zu spät wird auf die steigenden Infektionszahlen reagiert – wissend, dass Aktionen nach zwei Wochen wirken.“

Innsbruck (OTS) - Trotz der Warnungen von Wissenschaftern haben die hiesigen Machthaber mit Aktionen in Sachen Corona zugewartet. Das ist fahrlässig.

Die „Auferstehung“ nach der Pandemie hatten die Regierenden für die Zeit nach Ostern im Vorjahr verkündet. Es gab sie nicht. Auch ein Jahr danach ist nichts davon in Sicht. Die Lage ist dramatisch – trotz der Impfstoffe, die früher vorhanden waren, als anzunehmen gewesen war. „Es ist ernst“, sagen Mediziner des Wiener AKH – mit Blick auf die Intensivstation. Vor Überlastung – damit Triage – wird gewarnt. Was in Wien der Fall ist, wird es bald auch in den anderen Bundesländern sein. Die Situation kommt nicht überraschend. Schon zu Jahresbeginn haben Wissenschafter die Polit-Verantwortlichen alarmiert. Wegen der Mutation des Coronavirus, der britischen und anderer Varianten, die noch gefährlicher sind als das Ursprungsding. Getan wurde nichts. ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz verplemperte Tage mit Schuldzuweisungen in Sachen Vakzine – an Beamte des grün-geführten Gesundheitsressorts, an „die EU“, zu der Österreich gehört. Um seine Minderleistung zu kaschieren. Eine Zusammenkunft der Regierenden im Bund mit Vertretern der Länder endete mit Bekanntem – einem Kompromiss. Mit Minimum statt nötigem Maximum. Das ist im Normalbetrieb ärgerlich, ob immer mehr Toter ist es inakzeptabel. Zu spät wird auf steigende Infektionszahlen reagiert – wissend, dass Aktionen nach zwei Wochen wirken. Mit der „Osterruhe“ im Osten bis Gründonnerstag zuzuwarten, ist fahrlässig. Längst wäre zu handeln gewesen. Das Ergebnis des Missmanagements: Die einen scheren sich nicht mehr um Vorgaben, viele derer, die sich seit Monaten kasernieren, sind sauer. Sie sind, einer neuen Wortkreation entsprechend, „mütend“. Müde und wütend angesichts des Versagens der hiesigen Machthaber.

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