- 17.03.2021, 10:02:13
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- OTS0068
Vermehrt negative Zinssätze bei Unternehmenseinlagen
Aktuelle OeNB-Zahlen zu Zinssätzen, Krediten und Einlagen von Unternehmen im Jahr 2020
Utl.: Aktuelle OeNB-Zahlen zu Zinssätzen, Krediten und Einlagen von
Unternehmen im Jahr 2020 =
Wien (OTS) - Die in Reaktion auf die Folgen der COVID-19-Pandemie
stark expansive Geldpolitik des Eurosystems führte im Jahr 2020 zu
sinkenden Geldmarktzinssätzen, was auch bei kurzfristigen
Unternehmenseinlagen in Österreich und im Euroraum für negative
Zinssätze sorgte. Dennoch stiegen Unternehmenseinlagen bei Banken im
Jahr 2020 sprunghaft an. Das Kreditwachstum nichtfinanzieller
Unternehmen stieg mit Ausbruch der Pandemie – nicht zuletzt aufgrund
von zahlreichen Hilfsmaßnahmen – auf bis zu 7,2 % im April 2020 und
sank im weiteren Jahresverlauf bis Dezember auf 5,0 % und damit auf
das Level vor der Pandemie. Zusätzlich unterstützte der
österreichische Bankensektor die inländischen Unternehmen mit
Kreditstundungen in Milliardenhöhe.
Im Jahr 2020 war sowohl in Österreich als auch im Euroraum ein
verstärktes Aufkommen negativer Zinssätze bei Unternehmenseinlagen zu
beobachten. Im Dezember 2020 lag der kapitalgewichtete
Durchschnittszinssatz für täglich fällige Unternehmenseinlagen
erstmals in Österreich mit –0,002 % im negativen Bereich. Der
Zinssatz für kurzfristig neu veranlagte Einlagen mit einer Laufzeit
von bis zu einem Jahr war bereits in der Vergangenheit negativ und
wies im Dezember 2020 –0,14 % auf. Das Phänomen negativer
Einlagenzinssätze war im Euroraum insgesamt sehr weit verbreitet. So
lag der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz täglich fälliger
Unternehmenseinlagen im gesamten Euroraum bei –0,01 %, jener von
Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bei –0,20 %. In Deutschland
schlugen sich negative Zinssätze bei kurzfristig neu vergebenen
Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr nicht nur
bei Unternehmen (–0,42 %), sondern erstmals auch bei privaten
Haushalten (–0,01 %) auf den kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz
in dieser Kategorie durch. Trotz stärkerer Verbreitung von negativen
Zinssätzen stiegen Unternehmenseinlagen bei Banken im Jahr 2020
sowohl in Österreich (19,7 %) als auch im Euroraum (19,4 %)
sprunghaft an, wofür nicht zuletzt aufgeschobene Investitionen ein
maßgeblicher Grund sein dürften.
In Österreich sind negative Einlagenzinssätze auf Spareinlagen
privater Haushalte aufgrund eines OGH-Urteils nicht möglich, der
Zinssatz für neue Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem
Jahr wies im Dezember 2020 einen Wert von 0,23 % auf, der
Euroraum-Vergleichswert lag bei 0,16%. Ob und in welchem Ausmaß sich
aktuelle Marktentwicklungen (Rückzug aus dem Privatkundengeschäft
einer großen Direktbank) in den Aggregaten niederschlagen, werden die
Daten für März zeigen.
Hilfsmaßnahmen unterstützen Kreditwachstum bei Unternehmen
Die Kreditentwicklung nichtfinanzieller Unternehmen wurde im Jahr
2020 deutlich vom Ausbruch der COVID-19-Pandemie und den daraus
folgenden Unterstützungsmaßnahmen beeinflusst. Sowohl in Österreich
als auch im Euroraum kam es dadurch zu einer deutlichen Ausweitung
des Kreditwachstums bei Unternehmen. Dieses erreichte in Österreich
im April 2020 7,2 %, nachdem es im Februar 2020 noch bei 5,4 %
gelegen war. In weiterer Folge sank das Kreditwachstum in Österreich
im Dezember 2020 auf 5,0 % und damit auf das Level vor der Pandemie.
Im Euroraum hingegen war die Dynamik, die das Kreditwachstum durch
die Pandemie bekommen hat, noch höher. Das entsprechende
Kreditwachstum stieg – getrieben vor allem durch die Entwicklungen in
Spanien, Italien und Frankreich – von 3,0 % (Februar 2020) auf 7,4 %
im Mai 2020 und blieb auch in den Folgemonaten auf diesem Niveau
bestehen (Dezember 2020: 7,1 %). Die Abschwächung des Kreditwachstums
in Österreich war insbesondere auf geringere Neukreditvergaben bei
kurzfristigen Großkrediten über 1 Mio EUR zurückzuführen.
Dass die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen bei den Unternehmen
angekommen sind, zeigte sich an den – im Vergleich zum Vorjahr –
deutlich höheren Neukreditvergaben bis 1 Mio EUR. Speziell in der
Kategorie mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren – in diese
Kategorie fallen Kredite mit staatlichen Überbrückungsgarantien bis
500 Tsd EUR, einer Laufzeit von maximal fünf Jahren und einem
Zinssatz von 0,0 % – waren die Neukreditvergaben mit fast 3 Mrd EUR
besonders hoch (2019: 1,4 Mrd EUR). In Summe wickelten
österreichische Banken im Jahr 2020 Kredite mit Garantien in Höhe von
6,8 Mrd EUR ab.
Neben der Mitwirkung an den staatlichen Garantieprogrammen stundete
der österreichische Bankensektor Unternehmen und Haushalten Kredite
in Milliardenhöhe. Der Anteil der im Zuge der Pandemie gestundeten
Kredite am gesamten aushaftenden Kreditvolumen privater Haushalte und
nichtfinanzieller Unternehmen erreichte im Juni 2020 seinen
Höchstwert bei rund 9 %. Dabei wurden rund 206.000 Kredite von
österreichischen Banken mit einem Kreditvolumen von rund 30,6 Mrd EUR
gestundet. Bis Jahresende ging das gestundete Kreditvolumen auf 14,1
Mrd EUR zurück, wobei 5,6 Mrd EUR auf Kredite an den
Unternehmenssektor und 8,5 Mrd EUR auf Kredite an private Haushalte
entfielen.
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