• 09.02.2021, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 10. Februar 2021. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Weitsicht statt Wortgewalt".

Innsbruck (OTS) - Die weitere Ausbreitung der südafrikanischen
Coronavirus-Mutation muss verhindert werden. Dazu braucht es weniger
Emotion und mehr Sachlichkeit. Das Image Tirols hat schon genug
gelitten, deshalb ist ein Erfolg Pflicht.

Seit einem Jahr ist die Corona-Pandemie das alles beherrschende
Thema. Beinahe ebenso lange steht Tirol in der Auslage. Auch die von
der Bundesregierung als sehr gefährlich eingestufte südafrikanische
Virus-Mutation rückt Tirol seit Tagen in den Fokus in- und
ausländischer Politiker und Medien. Besonders betroffen ist der
Bezirk Schwaz. Zwar liegen noch immer keine verlässlichen Daten vor.
Wie um das zu untermauern, sorgte die Agentur für Gesundheit und
Ernährungssicherheit (AGES) gestern mit der Reduktion der bestätigten
Fälle und dem Verweis auf „möglicherweise unvollständige Zahlen“ für
zusätzliche Verwirrung. Fest steht allerdings, dass sich die Mutation
in Teilen Tirols und vor allem im Bezirk Schwaz stärker verbreitet
hat als anderswo in Europa. Ab Freitag muss daher vorerst für zehn
Tage jeder, der Tirol verlässt, einen negativen Corona-Test
vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.
Diese Maßnahme ist zwar insofern zumindest fragwürdig, als Tirol
sinkende Infektionszahlen aufweist und mit Osttirol ausgerechnet
jener Bezirk ausgenommen ist, der aktuell die höchsten Werte
aufweist. Aber sie ist den Menschen zumutbar. Wer für den Gang zum
Friseur oder zur Fußpflege einen negativen Test vorweist, kann sich
auch für die Fahrt in ein anderes Bundesland freitesten. So gesehen
ist die zwischen Bundes- und Landesregierung akkordierte Regelung das
gelindeste aller möglichen Mittel im Kampf gegen die weitere
Ausbreitung.
Darüber hinaus dürfte die Einigung zur Abrüstung der Worte beitragen.
Die ist auch dringend nötig. Die Auseinandersetzung nahm zum Schluss
zu emotionale Züge an. Von Wien aus lancierte Vorwürfe und
Anschuldigungen lösten in Tirol zuletzt heftige Proteste und
Drohgebärden aus. Die logische, vielfach auch gewollte Konsequenz war
die Zuspitzung der Auseinandersetzung auf einen Kampf Tirol gegen
Wien beziehungsweise David gegen Goliath. Das aber verhindert schon
in normalen Zeiten und erst recht in einer Krise jeden
lösungsorientierten Ansatz.
Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie und der gefährlichen
Virus-Mutationen ist weniger patriotische Wortgewalt als Weitsicht
und Entscheidungskraft gefragt. Nicht nur, aber vor allem in Tirol.
Mittlerweile beobachtet nämlich ganz Europa, ob es gelingt, den
Tirol-Cluster der Südafrika-Mutante in den Griff zu bekommen. Ein
Erfolg ist Pflicht: Das Image ­des Landes im In- und Ausland hat im
Zuge der Corona-Krise schon genug gelitten.

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