• 05.02.2021, 22:00:01
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Leitartikel "Mit Biden zurück in die Spur" vom 6. Februar 2021 von Christian Jentsch

Innsbruck (OTS) - Nachdem Donald Trump die westliche Welt aus der
Bahn zu werfen drohte, soll der neue US-Präsident Joe Biden alte
Bündnisse wieder kitten. Gegenüber Russland droht Biden mit einer
schärferen Gangart.

Von Christian Jentsch
Unter US-Präsident Donald Trump stand die Welt kopf. Er polterte mit
seiner Abrissbirne durch das Weltgeschehen, in der Außenpolitik
agierte er wie eine unlenkbare Rakete. Bereits in seiner Antrittsrede
am 20. Jänner 2017 erklärte Trump dem so genannten Establishment in
Washington den Krieg und lehrte die verdutzten US-Verbündeten das
Fürchten. Und Trump sollte weitgehend halten, was er versprach. Er
untergrub die Fundamente der liberalen westlichen Weltordnung, er
schwor dem Multilateralismus ab, er stieß Europa vor den Kopf und
entsorgte international gültige Verträge im Papierkorb. Trump
twitterte Weltpolitik – und verblüffte dabei immer wieder Freund und
Feind. Einen neuen großen Krieg zettelte er dabei zum Glück aber
nicht an, auch wenn er von den Falken in seiner Umgebung dazu immer
wieder angestachelt wurde.
Nun ist Trump (vorerst) Geschichte. Als er nach monatelangem Leugnen
seiner Wahlniederlage und dem Sturm seiner radikalen Anhänger auf das
Kapitol das Weiße Haus mit der Angelobung Joe Bidens verließ, ging
ein lautes Raunen durch die Welt. Besonders bei den Verbündeten in
Europa – insbesondere in Deutschland – war die Erleichterung groß.
Unter Joe Biden werden die USA in ihrer Rolle als Weltmacht wieder in
die Spur finden und mit den Europäern gemeinsame Sache machen,
lautete die Hoffnung. Und in seiner ersten großen außenpolitischen
Rede vom Donnerstag enttäuschte Biden die Hoffnungen nicht. Nach
„Jahren der Vernachlässigung“ werde er die Bande mit den Verbündeten
wieder stärken, betonte er. Auch in anderen Bereichen leitete der
demokratische Präsident eine radikale Kehrtwende zu Trumps Politik
ein: Er wird die USA wieder ins Klimaabkommen zurückführen und
generell wieder auf Multilateralismus setzen. Diplomatie, starke
Bündnisse und der Einsatz für Menschenrechte und Demokratie in der
ganzen Welt seien auch im „ureigenen Interesse“ Amerikas, erklärte
er. Doch nicht alle freuen sich über den neuen Herr im Weißen Haus.
Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau werden frostiger
werden. Trump war für den Kreml zwar unberechenbar, aber auch nicht
wirklich gefährlich. Auch wenn Biden der Verlängerung des atomaren
Abrüstungsvertrags New Start mit Russland zustimmte, geht der neue
US-Präsident deutlich mehr auf Konfrontationskurs mit Moskau. Im Fall
Nawalny werden die Bruchlinien ersichtlich. Und nicht nur mit
Russland sind Konflikte vorprogrammiert. Im Duell der USA mit der
aufstrebenden Weltmacht China üben sich beide Seiten schon kräftig im
Säbelrasseln.

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