Leitartikel "Mit Biden zurück in die Spur" vom 6. Februar 2021 von Christian Jentsch

Innsbruck (OTS) - Nachdem Donald Trump die westliche Welt aus der Bahn zu werfen drohte, soll der neue US-Präsident Joe Biden alte Bündnisse wieder kitten. Gegenüber Russland droht Biden mit einer schärferen Gangart.

Von Christian Jentsch
Unter US-Präsident Donald Trump stand die Welt kopf. Er polterte mit seiner Abrissbirne durch das Weltgeschehen, in der Außenpolitik agierte er wie eine unlenkbare Rakete. Bereits in seiner Antrittsrede am 20. Jänner 2017 erklärte Trump dem so genannten Establishment in Washington den Krieg und lehrte die verdutzten US-Verbündeten das Fürchten. Und Trump sollte weitgehend halten, was er versprach. Er untergrub die Fundamente der liberalen westlichen Weltordnung, er schwor dem Multilateralismus ab, er stieß Europa vor den Kopf und entsorgte international gültige Verträge im Papierkorb. Trump twitterte Weltpolitik – und verblüffte dabei immer wieder Freund und Feind. Einen neuen großen Krieg zettelte er dabei zum Glück aber nicht an, auch wenn er von den Falken in seiner Umgebung dazu immer wieder angestachelt wurde.
Nun ist Trump (vorerst) Geschichte. Als er nach monatelangem Leugnen seiner Wahlniederlage und dem Sturm seiner radikalen Anhänger auf das Kapitol das Weiße Haus mit der Angelobung Joe Bidens verließ, ging ein lautes Raunen durch die Welt. Besonders bei den Verbündeten in Europa – insbesondere in Deutschland – war die Erleichterung groß. Unter Joe Biden werden die USA in ihrer Rolle als Weltmacht wieder in die Spur finden und mit den Europäern gemeinsame Sache machen, lautete die Hoffnung. Und in seiner ersten großen außenpolitischen Rede vom Donnerstag enttäuschte Biden die Hoffnungen nicht. Nach „Jahren der Vernachlässigung“ werde er die Bande mit den Verbündeten wieder stärken, betonte er. Auch in anderen Bereichen leitete der demokratische Präsident eine radikale Kehrtwende zu Trumps Politik ein: Er wird die USA wieder ins Klimaabkommen zurückführen und generell wieder auf Multilateralismus setzen. Diplomatie, starke Bündnisse und der Einsatz für Menschenrechte und Demokratie in der ganzen Welt seien auch im „ureigenen Interesse“ Amerikas, erklärte er. Doch nicht alle freuen sich über den neuen Herr im Weißen Haus. Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau werden frostiger werden. Trump war für den Kreml zwar unberechenbar, aber auch nicht wirklich gefährlich. Auch wenn Biden der Verlängerung des atomaren Abrüstungsvertrags New Start mit Russland zustimmte, geht der neue US-Präsident deutlich mehr auf Konfrontationskurs mit Moskau. Im Fall Nawalny werden die Bruchlinien ersichtlich. Und nicht nur mit Russland sind Konflikte vorprogrammiert. Im Duell der USA mit der aufstrebenden Weltmacht China üben sich beide Seiten schon kräftig im Säbelrasseln.

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