HV Konsumbarometer erreicht historischen Tiefststand. Sparneigung der Österreicher steigt massiv.

Neue Hilfen analog zu Deutschland durch Erhöhung der Obergrenzen und Beantragung von Katastrophenhilfe bei EU-Kommission alternativlos. Handel muss öffnen.

Wien (OTS) - Das Konsumbarometer des Handelsverbandes weist für das vierte Quartal 2020 historische Tiefststände aus. Besonders im Dezember 2020 zeigen sich die negativen Auswirkungen der Corona-Krise deutlich, 93,39 Punkte bedeuten den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebungen im März 2019 (Indexwert = 100).

Die Verbraucherstimmung ist damit aktuell noch schlechter als in den beiden großen Unsicherheitsphasen im Oktober 2020 (94,33), als ein potentieller Lockdown bevorstand, sowie zu Beginn der Pandemie Ende Februar 2020 (93,73), als Dauer und Intensität der Krise noch nicht abschätzbar waren.

Konjunktur- und Einkommenserwartung der Bevölkerung bricht ein. Sparneigung erreicht Rekordwert.

Hauptgründe für die massive Eintrübung sind die pessimistische Konjunktur- und Einkommenserwartung der Österreicher im Zuge der COVID-19 Pandemie. So lag die Einkommenserwartung hierzulande zuletzt um 9 Punkte unter dem Referenzwert. Die Konjunkturerwartung ist im Dezember sogar um fast 20 Punkte eingebrochen.

Gleichzeitig hat die Sparneigung der Österreicherinnen und Österreicher im vierten Quartal 2020 einen neuen Rekordwert von 113 Punkten erreicht. Ein deutliches Indiz dafür, dass auch die Sparquote am Jahresende weiter nach oben gegangen ist. Neben der allgemeinen Unsicherheit hängt das natürlich auch damit zusammen, dass den Verbrauchern während des Lockdowns schlicht die Möglichkeit fehlt, im stationären Non-Food Handel einzukaufen.

„Die Zeit läuft uns davon, die Kassen sind leer“ – Nachhaltige Schäden für Wirtschaft und Arbeitsplätze steigen mit Dauer des harten Lockdowns

"Konsum ist Psychologie und damit ein emotionales Thema. Nur wenn der eigene Arbeitsplatz abgesichert ist und man wirtschaftlich langfristig planen kann, geht man gerne einkaufen. Fast 40 Prozent der Konsumenten kaufen jetzt in der Krise deutlich weniger, jeder Zehnte beschränkt sich auf lebensnotwendige Güter. So wichtig die jüngsten Maßnahmen der Bundesregierung aus gesundheitsbehördlicher Sicht waren, so wichtig ist es jetzt, konjunkturelle Anreize zu setzen und den gesamten Handel am 8. Februar endlich wieder zu öffnen. Die Zeit läuft davon, die Kassen sind leer", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Studie der Standford-Universität zeigt: Zusperren der Geschäfte reduziert Corona-Fallzahlen nicht

Um eines klarzustellen: Die Gesundheit der Bevölkerung hat für alle Händler oberste Priorität. Doch der Handel ist kein Corona-Hotspot. Das beweist der Lebensmittelhandel, der die Nahversorgung der Bevölkerung sowie seit letzter Woche auch eine flächendeckende Ausstattung mit FFP2-Masken sicherstellt. Überdies hat eine Studie der kalifornischen Spitzenuniversität Stanford klar ergeben, dass behördliche Geschäftsschließungen im Zuge von Lockdowns keinen signifikanten Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben – also das Zusperren der Geschäfte die Corona-Fallzahlen nicht reduziert.

Die Zeit drängt. Jede weitere Verlängerung des dritten Lockdowns würde 10.000 stationäre Händler in die Insolvenz treiben und mehr als 100.000 Arbeitsplätze gefährden. Insbesondere Einpersonen-Unternehmer (EPU), kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) – das Rückgrat der österreichischen Volkswirtschaft – leiden ganz besonders unter den behördlich angeordneten Geschäftsschließungen.

Das Motto für 2021 muss lauten: „Leben und Wirtschaften mit dem Virus.“ Nur so können, unter Wahrung praxiserprobter Sicherheits- und Hygienekonzepte, die Milliardenschäden eingedämmt und soziale Härten vermieden werden.

Licht am Ende des Tunnels? Deutschland mit neuen Corona-Hilfen richtungsweisend. Österreich hat Nachholbedarf.

Doch es gibt auch Licht am Ende des Tunnels: Die EU-Kommission hat am Freitag die Beihilfe "November-/Dezemberhilfe Extra" in Deutschland als Sonderhilfe nach Artikel 107 Abs 2b (Katastrophenhilfe) genehmigt. Das heißt große, beschäftigungsintensive Unternehmen haben jetzt in der Bundesrepublik Anspruch auf eine Beihilfe, die über den bisherigen Deckel von 4 Mio. Euro hinaus geht. Die deutsche November- und Dezemberhilfe Extra sieht einen Ersatz von bis zu 75 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vor, wobei die Beihilfe nur für solche Schäden gewährt werden darf, die unmittelbar auf staatliche Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen sind. Diese bestehen ebenso in Österreich seit mehr als einem Monat durchgehend.

Der Schritt der deutschen Bundesregierung entspricht einer bereits vor Monaten platzierten Forderung des Handelsverbandes und weiterer freier Verbände zur Unterstützung österreichischer Handelsbetriebe, als die erneuten behördlichen Schließungen aufgrund der Infektionszahlen bereits anzunehmen waren. Details dazu

"Wir appellieren erneut an die österreichische Bundesregierung und die EU-Kommission, die Schwellenwerte für den Lockdown-Umsatzersatz bzw. des befristeten EU-Beihilferahmens anzuheben. Es braucht dringend eine entsprechende Sonderhilfe für unsere mittelständischen und großen Betriebe, damit auch sie diese historische Krise überstehen können", so Handelssprecher Rainer Will.

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