• 12.01.2021, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Blamables Krisenmanagement", von Mario Zenhäusern

Ausgabe vom Mittwoch, 13. Jänner 2020

Utl.: Ausgabe vom Mittwoch, 13. Jänner 2020 =

Innsbruck (OTS) - Die plötzliche Hektik bei der Suche nach
impfwilligen über 80-Jährigen belegt das Versagen der Politik in Bund
und Land bei der Vorbereitung der Corona-Impfung. Dabei wäre genug
Zeit für eine ausgefeilte Strategie gewesen.

Mehr schlecht als recht haben nun auch in Österreich die heiß
ersehnten Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Allerdings mit
unterschiedlicher Intensität: Nachdem die Koordination der
Verabreichung des Impfstoffs nach heftiger Kritik von allen Seiten
vom Bund auf die Länder überging, liegt es nun an den
Landesregierungen, für eine rasche Durchimpfung zu sorgen. In Tirol
beschloss die schwarz-grüne Koalition gestern einen Impfplan.
Parallel zu den bereits angelaufenen Impfungen in den Alten- und
Pflegeheimen sollen die Gemeinden nun so schnell wie möglich erheben,
wie viele Personen über 80 Jahren in Privathaushalten leben und
geimpft werden wollen.
Diese plötzliche Hektik belegt einmal mehr das blamable
Krisenmanagement der zuständigen Stellen in Bund und Land. Es ist ja
nicht so, dass das Vorliegen von Impfstoffen jemanden überrascht hat.
Schon Wochen vor der ersten Zulassung durch die Europäische
Arzneimittel-Agentur (EMA) war klar, dass dies rund um den
Jahreswechsel der Fall sein wird. Es wäre also ein Leichtes gewesen,
die Bürgermeister mit der Erfassung der demografischen Daten in ihren
Gemeinden zu beauftragen und gleichzeitig die zügige Einholung von
Einverständniserklärungen der Impfwilligen anzuregen. Offenbar ist
nichts dergleichen passiert, weshalb sich die politisch
Verantwortlichen – in erster Linie Gesundheitsminister Rudolf
Anschober, aber auch Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg – jetzt
Vorwürfe gefallen lassen müssen. Es trifft beide nicht zum ersten
Mal: Auch von der herbstlichen Infektionswelle in den Alten- und
Pflegeheimen wurden sie überrascht, obwohl bereits im Frühjahr die
Notwendigkeit ausgedehnter Schutzmechanismen in diesem sensiblen
Bereich bekannt war.
Klar ist, dass eine Bewältigung der Krise nur dann möglich ist,
wenn so viele Menschen wie möglich so rasch wie möglich geimpft
werden. Die entsprechenden Vakzine sind sicher und in absehbarer Zeit
in ausreichender Menge vorhanden, versichern Bundesregierung und
Wissenschafter unisono. Allerdings gibt es bei der Impfbereitschaft
noch Luft nach oben, auch beim Personal in den Alten- und
Pflegeheimen. Endlich wird alles getan, um die für eine
Covid-19-Erkrankung anfälligen Bevölkerungsgruppen vor einer
Infektion zu schützen – nur macht ein Teil jener, die diese Menschen
pflegen und betreuen, davon nicht Gebrauch? Wen wundert’s da, dass
der Ruf nach einer Impfpflicht immer lauter wird?

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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