• 13.12.2020, 08:00:22
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Zoll: Illegale Zigarettenfabrik in Wien ausgehoben

Blümel: massiver Schlag gegen internationale Zigarettenmafia-Dank an Ermittler

Utl.: Blümel: massiver Schlag gegen internationale
Zigarettenmafia-Dank an Ermittler =

Wien (OTS) - Die Zollfahndung Wien stellte bei einer Hausdurchsuchung
mit Einheiten der Wiener Polizei in einer Lagerhalle im 21. Wiener
Gemeindebezirk am 12. November 2020 insgesamt 13 Tonnen Tabak und
zahlreiche Geräte sicher. Die Lagerhalle wurde offenbar als illegale
Produktionsstätte für Zigaretten verwendet, die sich gerade erst im
Aufbau befand und nur kurze Zeit in Betrieb war. Im Zuge der
Hausdurchsuchung wurde eine Person, die versuchte zu flüchten,
festgenommen.

„Das ist ein massiver Schlag gegen die international organisierte
Zigarettenmafia. Ich danke der Zollfahndung für die großartige
Arbeit, die in diesem Fall geleistet wurde, um Konsumentinnen und
Konsumenten sowie die redliche Wirtschaft zu schützen“, so
Finanzminister Gernot Blümel.

Produktion in Lagerhalle

Aufmerksam wurde man auf die illegale Zigarettenfabrik aufgrund
konkreter Informationen eines Hinweisgebers. Das verschlossene
Gebäude konnte nur mit Gewaltanwendung geöffnet werden. In der 1.300
m3 großen Halle befand sich eine komplette Produktionsanlage zum
Herstellen von Zigaretten sowie Schlaf- und Wohnräume der Arbeiter.
Die Zeit vom Öffnen bis zum Eindringen der Beamten in die Halle haben
die anwesenden Personen genützt, um durch eine Öffnung in einer
Gipskartonwand in ein Nebengebäude zu gelangen und zu fliehen.
Aufmerksamen Beamten ist es später gelungen, einen Flüchtigen mit
griechischer Nationalität festzunehmen.

Zahlreiche Geräte sichergestellt

Das Herzstück, die Zigarettenherstellungsmaschine, wurde nach Angeben
eines hinzugezogenen Experten von Philip Morris, für dessen
Unterstützung das BMF sehr dankbar ist, in der Tschechischen Republik
hergestellt. Die weiteren Geräte stammen aus der Türkei und aus dem
asiatischen Raum. Die Schließung von legalen Zigarettenfabriken in
Osteuropa führte dazu, dass diese Zigarettenherstellungsmaschine über
dunkle Kanäle in die Hände von Kriminellen gelangte. Arbeitslos
gewordene Arbeiter und Maschinisten werden von Kriminellen
angeworben, arbeiten für einen Hungerlohn in derartigen illegalen
Produktionsstätten und führen ein äußerst tristes Dasein. Persönliche
Gegenstände werden ihnen abgenommen und sie dürfen während ihres
mehrwöchigen oder -monatigen Aufenthaltes die Zigarettenfabrik nicht
verlassen.

Strom durch Dieselaggregat hergestellt, um keine Aufmerksamkeit zu
erregen

Die tägliche Fertigungsmenge der Zigarettenherstellungs- und
Verpackungsmaschine beträgt 2.000 bis 2.500 Stangen Zigaretten und
für deren Bedienung werden sieben Arbeitskräfte benötigt. Eine
Tabak-Schneidemaschine war ebenso vorhanden wie ein
Tabaktrocknungszylinder, ein Dieselaggregat und ein
Druckluftkompressor. Um durch den hohen Stromverbrauch der Maschinen
nicht die Aufmerksamkeit der Elektrizitätswerke zu erwecken, wurden
diese Gerätschaften nicht über das öffentliche Stromnetz, sondern von
einem unabhängigen Dieselaggregat betrieben. An den Wänden
angebrachte Dämmmatten schirmten den Lärm nach Außen ab.

Störsender sollte Ermittler behindern

Sämtliche Gegenstände wurden von den Zollfahndungsbeamen
beschlagnahmt und abtransportiert. Sichergestellt werden konnte auch
ein von den Kriminellen verwendeter Störsender. Dieser sollte etwaige
eingesetzte elektronische Geräte zum Orten von Handys oder
Funksignalen der Ermittler wirkungslos machen.

1,5 Mio Euro Umsatz binnen 10 Wochen

Der Experte schätzt, dass die Zigarettenproduktionsmaschine 10 Wochen
in Betrieb war und in diesem Zeitraum etwa 52.000 Stangen Zigaretten
produziert, weggebracht und veräußert wurden. Ein höchst
gewinnbringendes Geschäft, beträgt doch der bisherige Umsatz
mindestens 1,5 Millionen Euro auf dem Schwarzmarkt.

13 Tonnen Tabak sichergestellt

Weitere 13 Tonnen Tabak-Feinschnitt sowie zahlreiche Paletten mit
Zigarettenfilter, Papier, Kartons und Folien die sichergestellt
wurden hätten ausgereicht, um weitere 65.000 Stangen Zigaretten für
den Schwarzmarkt zu produzieren, wodurch die Kriminellen weitere 2
Millionen Euro lukriert hätten. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 wurden
insgesamt 25.000 Stangen Zigaretten sichergestellt sowie 5,9 Tonnen
Rauchtabak, was für weitere etwa 30.000 Stangen gereicht hätte.
Zuletzt wurde im Jahr 2018 eine ähnliche illegale Produktionsstätte
im Raum St. Pölten entdeckt, wo insgesamt 32,8 Mio Tonnen Tabak
beschlagnahmt wurden.

3,5 Mio Euro Tabaksteuer hinterzogen

Die Tabaksteuer für den sichergestellten und bereits verarbeiteten
Tabak beträgt in Österreich 3,5 Millionen Euro. Die Ermittler gehen
davon aus, dass die Kriminellen über ein Verteilernetz in ganz Europa
verfügen. Die Hauptverantwortlichen erwartet neben
Steuernachzahlungen in Millionenhöhe ein Gerichtsverfahren wegen
bandenmäßiger Abgabenhinterziehung und betreiben einer illegalen
Zigarettenfabrik. Das Strafhöchstmaß beträgt bis zu 10 Millionen Euro
Geldstrafe und bis zu 5 Jahren Haftstrafe. Die Fahndung nach den
Hintermännern läuft auf Hochtouren.

Fotos: https://bit.ly/zigarettenfabrik

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