• 04.12.2020, 10:06:53
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Totalausfall der Wintervorsaison bis Neujahr lässt ein Nächtigungsminus für das Gesamtjahr 2020 von 36 Prozent erwarten

Neue OeNB-Studie zu den Auswirkungen von COVID-19 auf den Tourismus

Utl.: Neue OeNB-Studie zu den Auswirkungen von COVID-19 auf den
Tourismus =

Wien (OTS) - Seit Mitte September belasten zahlreiche Reisewarnungen
für Österreich den heimischen Tourismus. Aufgrund der Anfang November
in Kraft getretenen Lockdown-Maßnahmen, welche für die Hotellerie von
der Bundesregierung am 2. Dezember bis in den Jänner 2021 verlängert
wurden, werden die Wintervorsaison und auch der Weihnachtstourismus
komplett ausfallen. Wöchentliche Echtzeitdaten zu
Zahlungskartenumsätzen zeigen gegenwärtig Rückgänge um beinahe 90
Prozent bei inländischen und um über 95 Prozent bei ausländischen
Touristen. Die Wintervorsaison bis Weihnachten zählt zu den
unterdurchschnittlichen Umsatzwochen, aber die Weihnachtswoche ist
traditionell der Auftakt für die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Laut
einer neuen Studie erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB)
auf Basis der von der Regierung angekündigten Hotelschließungen bis
über die Weihnachtsferien für den Dezember einen Nächtigungsrückgang
um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Für das
Gesamtjahr 2020 bedeutet der Ausfall der Wintervorsaison inklusive
der Weihnachtswoche, dass gegenüber dem Vorjahr mit einem
Nächtigungsminus im Ausmaß von 36 Prozent zu rechnen ist. Der weitere
Verlauf der Wintersaison ist mit sehr hoher Unsicherheit behaftet.
Die sieben umsatzstärksten Wochen des heimischen Tourismus fielen
2019 in den Zeitraum Anfang Jänner bis Mitte März. Die touristischen
Möglichkeiten Anfang 2021 werden daher das Gesamtergebnis des
Tourismusjahres 2021 wesentlich mitbestimmen.

Herbstferien linderten zunehmenden Umsatzausfall nur kurzfristig

Seit Mitte September sind die Umsätze in österreichischen
Beherbergungsunternehmen gemäß Daten von Zahlungsdiensteanbietern
zurückgegangen. Dieser Rückgang ist das Resultat steigender
Neuinfektionszahlen sowohl in Österreich als auch in unseren
Nachbarländern, die zunehmend zu Reisewarnungen wichtiger
Herkunftsländer, vor allem Deutschlands, führten. Die Herbstferien
unterbrachen diesen Trend kurzzeitig, in der Kalenderwoche 44 (26.10.
bis 1.11.) lagen die Ausgaben der Inländer im Vorjahresvergleich
sogar leicht im Plus. Durch die flächendeckende Sperre von Hotellerie
und Gastronomie seit dem 2. November gehen die Ausgaben der
Konsumenten in diesen Bereichen gegen null. Konkret liegen die
Ausgaben inländischer Gäste in Beherbergungsunternehmen beinahe um 90
Prozent, die Ausgaben ausländischer Gäste in Beherbergung und
Gastronomie um über 95 Prozent unter jenen des Vorjahres. Die
geringfügig bessere Entwicklung im Vergleich zum ersten Lockdown im
Frühjahr könnte durch die nun erlaubten Geschäftsreisen erklärt
werden.

Hotelschließungen bis in den Jänner führen zu großen Verlusten im
Weihnachtstourismus

Mit der Verlängerung der behördlichen Schließung von Gastronomie und
Hotellerie sowie den weiterhin aufrechten Reisewarnungen Deutschlands
und Italiens gegenüber Österreich verschiebt sich der Start der für
den österreichischen Tourismus wichtigen Wintersaison in das Jahr
2021. Für den Dezember erwartet die OeNB auf Basis der angekündigten
Einschränkungen einen Nächtigungsrückgang aller Touristen um 95
Prozent. Der nochmaligen Abschwächung bei Inlandstouristen im
Vergleich zum November liegt die Annahme zugrunde, dass ab Mitte
Dezember, feiertagsbedingt, auch die Nächtigungen von
Geschäftsreisenden zurückgehen werden. Für das Gesamtjahr 2020 ergibt
sich auf Basis der Nächtigungszahlen von Statistik Austria bis
einschließlich Oktober sowie der OeNB-Prognose für November und
Dezember ein Rückgang der Nächtigungen um insgesamt 36,5 Prozent.
Während der Nächtigungsrückgang ausländischer Touristen bei 41
Prozent liegt, gehen die Nächtigungen österreichischer Touristen im
Gesamtjahr um 23 Prozent zurück.

Hohe Bedeutung des Wintertourismus für Österreich

Der weitere Verlauf der Wintersaison ist mit sehr hohen
Unsicherheiten behaftet. Aufgrund der hohen Bedeutung des
Wintertourismus für den österreichischen Tourismus ergibt sich ein
wesentliches Risiko für die Wirtschaftsentwicklung in den kommenden
Wochen und Monaten.

Die gemessen an Zahlungskartenumsätzen sieben umsatzstärksten Wochen
des heimischen Tourismus fielen 2019 in den Zeitraum Anfang Jänner
bis Mitte März; die Woche mit dem höchsten Umsatz war die erste
Jännerwoche. Der Wintertourismus ist, gemessen am Umsatz, wichtiger
als der Sommertourismus. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Bei
einer stetig steigenden Anzahl an verfügbaren Gästebetten verzeichnen
die Beherbergungsunternehmen im Winter eine höhere Auslastung. Zudem
liegen die durchschnittlichen Ausgaben pro Person und Tag im Winter
um beinahe 20 Prozent über jenen im Sommer. Dahinter stehen höhere
Winterpreise für die Unterkunft, für Speisen und Getränke und die
„Mobilität vor Ort“ (v. a. Liftkarten). Sie werden daher das
Gesamtergebnis des Tourismusjahres 2021 wesentlich mitbestimmen.

OeNB-Schwerpunktpublikation zum Thema COVID-19 für Jahresbeginn 2021
geplant – Tourismus-Studie bereits online

Die OeNB publiziert Anfang Februar 2021 eine Schwerpunktausgabe ihrer
ökonomischen Quartalsschrift „Monetary Policy & the Economy“ mit
Beiträgen zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die
österreichische Wirtschaft. Die Themen reichen von der
Kurzfristprognose für die österreichische Wirtschaft über die
Auswirkungen auf die Preisentwicklung, die Betroffenheit
verschiedener Wirtschaftssektoren, die Fiskalmaßnahmen der
Bundesregierung bis hin zu den Maßnahmen der europäischen
Geldpolitik. Die Studie zu den Auswirkungen auf den österreichischen
Tourismus liegt bereits vorab als First View vor und ist auf der
OeNB-Website abrufbar. In dieser Studie finden sich Details und
Hintergründe zur Tourismusentwicklung im Jahr 2020 und eine
detaillierte Darstellung der Nächtigungs-Prognose für das Gesamtjahr
2020.

Aktuelle Ausarbeitung der OeNB zu den wirtschaftlichen Folgen der
COVID-19-Pandemie: www.oenb.at/Publikationen/corona
OeNB-Studie zu den Auswirkungen von COVID-19 auf den Tourismus:
www.oenb.at/Publikationen

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