- 01.12.2020, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Ein Ritt auf der Rasierklinge", von Alois Vahrner
Ausgabe vom Mittwoch, 2. Dezember 2020
Utl.: Ausgabe vom Mittwoch, 2. Dezember 2020 =
Innsbruck (OTS) - Es sind zaghafte erste Schritte aus dem harten
Lockdown, die die Bundesregierung heute verkünden will – auch weil
die Infektionszahlen noch viel zu wenig gesunken sind. Gerade für den
Tourismus bleiben viele Fragezeichen.
Heute wird das so titulierte „Corona-Quartett“ mit Bundeskanzler
Kurz, Vizekanzler Kogler, Gesundheitsminister Anschober und
Innenminister Nehammer der Öffentlichkeit die weitere Vorgangsweise
nach dem bis 6. Dezember verhängten harten Lockdown verkünden. Von
einer „neuen Normalität“ wird man bis auf Weiteres weit entfernt
bleiben, es wird vorerst wohl nur erste kleine Öffnungen für den
Handel und die Schulen geben.
Nach zwei Wochen leichterem und mehr als zwei Wochen hartem
Lockdown wurde die zuvor fast explosionsartige Covid-Ausbreitung
eingebremst und die Neuinfektionskurve spürbar nach unten gedreht.
Die Einschränkungen wirkten zwar, aber bei Weitem noch nicht stark
genug, um so etwas wie Entwarnung geben zu können – das zeigt auch
der jüngste Alarmruf der österreichischen Klinik-Chefs.
Bis die Impfungen großflächig angelaufen sind, und da ist in
einigen Monaten tatsächlich „Licht am Ende des Tunnels“ sichtbar,
wird es in Österreich wie in vielen anderen Ländern ein Ritt auf der
Rasierklinge bleiben. Es geht darum, eine Überlastung der Spitäler
ebenso zu verhindern wie einen Kollaps der schwer getroffenen
Wirtschaft. Und wie man etwa am Beispiel Israel sieht: Es bleibt die
Gefahr einer neuerlichen Virus-Explosion und dann eines dritten
Lockdowns, wenn man zu rasch öffnet oder die Disziplin der
verständlicherweise vielfach Corona-müden Bevölkerung nachlässt.
Mit der Öffnung des Handels versucht die Politik, das für viele
Betriebe überlebensnotwendige Weihnachtsgeschäft in den verbleibenden
zweieinhalb Wochen noch halbwegs zu retten. Es wird aber etliche
Auflagen geben müssen, um auch wegen der nur kurzen verbleibenden
Zeit bis zum Fest Menschenaufläufe und dadurch drohende Cluster zu
verhindern.
Noch schwieriger ist die Situation für den Tourismus. Wegen der
vielen Reisewarnungen und -beschränkungen ist bis auf Weiteres völlig
unklar, wann und wie die Wintersaison anlaufen kann. Eine Öffnung von
Skigebieten knapp vor Weihnachten scheint möglich, das aber mit
geschlossenen Hotels und ohne Reiseerlaubnis für Urlauber.
Österreichs „Kampf“ gegen das etwa von Deutschland und Italien
geforderte Skiurlaubs-Verbot verkommt auch angesichts jetzt geplanter
eigener Einreise-Beschränkungen, die faktisch ein Urlaubs-Verbot
sind, zum schwachen Muskelspiel. Wie es aussieht, könnte die Saison
erst ab Mitte Jänner anlaufen – langsam und nur vielleicht, wenn bis
dahin die Infektionszahlen viel niedriger sind als derzeit. Und das
weiß leider niemand.
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