- 10.11.2020, 15:06:15
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NTÖ: Am Punkt-Netzwerktreffen für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung
Stakeholder loten Möglichkeiten in der Gemeinschaftsverpflegung aus
Utl.: Stakeholder loten Möglichkeiten in der
Gemeinschaftsverpflegung aus =
Wien (OTS) - Der Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) mit
den Dachverbänden der Rinder (ZAR, ARGE Rind), Schweine (VÖS),
Schafe, Ziegen (ÖBSZ), Geflügel (ZAG) und Pferde (ZAP) spricht sich
seit Jahren für eine verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung in der
Gemeinschaftsverpflegung aus. So sollen zukünftig die Konsumentinnen
und Konsumenten in Gasthäusern, Imbissen, Kantinen, Großküchen,
Einkaufszentren und von Lieferservices Transparenz über die
angebotenen Lebensmittel erhalten. Im österreichischen
Regierungsprogramm 2020 bis 2024 ist eine verpflichtende
Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier in
der Gemeinschaftsverpflegung und in verarbeiteten Lebensmitteln ab
2021 verankert.
Die heimischen kleinstrukturierten bäuerlichen Familienbetriebe
erzeugen tagtäglich qualitativ hochwertige Lebensmittel für die
Gesellschaft unter Einhaltung höchster Tierwohl-, Umwelt- und
Produktionsstandards. Die AMA-Gütesiegel- und Qualitätsprogramme für
Milch, Fleisch und Eier garantieren lückenlos nachvollziehbare
Lebensmittel. Der NTÖ möchte hier darauf hinweisen, dass die
heimische Ware von unseren Rinder-, Schweine-, Schaf-, Ziegen-,
Geflügel- und Pferdebauern jederzeit für die Gemeinschaftsverpflegung
abrufbar und lieferbar ist, dies hat die hervorragende
Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln gerade in Zeiten
von Corona gezeigt.
Für die Umsetzung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung
bedarf es der Abstimmung mit allen am Prozess beteiligten
Stakeholdern. Beim "Am Punkt-Netzwerktreffen Herkunftskennzeichnung"
des NTÖ am 10. November 2020 wurden alle diese Stakeholder
eingeladen. Dabei standen die Konsensfindung, die Definition der
konkreten ersten Schritte sowie die Auslotung der Möglichkeiten und
Grenzen im Mittelpunkt.
Dachverband der österreichischen Gemeinschaftsverpfleger
schlägt Modell vor
Die Mitglieder der Gemeinschaftsverpfleger (GV)-Austria setzen
bereits seit Jahrzehnten regionale Produkte ein und haben höchstes
Interesse, diese Regionalität weiterhin zu fördern. Eine
repräsentative Auswertung von Branchendaten innerhalb der
Mitgliedsunternehmen, welche die führenden Gemeinschaftsverpfleger
verkörpern und täglich mehr als 500.000 Tischgäste versorgen, hat
ergeben, dass in den österreichischen Großküchen rund 75% der
gesamten Frischwaren (Fleisch, Geflügel, Eier, Milch, Butter, Obst
und Gemüse) aus heimischer Produktion stammen.
Die GV-Austria hat einen Vorschlag nach dem Muster der
Bio-Zertifizierung ausgearbeitet, nach dem der Anteil der heimischen
Lebensmittel gekennzeichnet werden soll. Um dieses Konzept
flächendeckend umzusetzen, wäre jedoch die lückenlose Sicherstellung
des Nachweises in der Lieferkette erforderlich, und dieser muss in
elektronischer Form erfolgen. Die GV-Austria ist durchaus bereit, an
der Erstellung eines praxistauglichen Zertifizierungssystems
mitzuwirken. Zusätzlich ist ein Schulterschluss zwischen
produzierenden Betrieben und Abnehmern in Bezug auf Verpackung,
Kalibrierung, Nachweisen, Logistik etc. nötig.
Nicht wesentlich erscheint die Tatsache, dass die Anhebung des
Regionalanteils von 75 auf 100% eine Erhöhung des Verkaufspreises von
zirka 20 bis 25% bedeuten würde. Das ist deshalb so wichtig, weil
rund 60% der Gemeinschaftsverpfleger private Betreiber sind, die
überwiegend zu vertraglich festgelegten Preisen agieren. Zu klären
ist somit zusammenfassend die Frage, wer diesen Preisunterschied
trägt. Eine Veränderung des Verkaufspreises ist letztendlich eine
soziale Frage, da dies unter anderem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in Betrieben und Ministerien, Kindergärten und Schulen, Essen auf
Rädern etc. betreffen würde. Besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen
ernähren sich oftmals überwiegend aus Küchen der
Gemeinschaftsverpflegung, wodurch diese zu einer systemrelevanten
Branche wird. Um die Dienstleistungen der Gemeinschaftsverpfleger
auch weiterhin sozialverträglich anbieten zu können, wäre durchaus
auch eine öffentliche Stützung des Endpreises zu empfehlen.
Moosbrugger: Herkunftskennzeichnung für mehr Wertschöpfung und
Arbeitsplätze
"Gerade in der Krise wird die hohe Bedeutung regionaler Herkunft
bei Lebensmitteln spürbar. Die Menschen wollen bewusst zu heimischen
Produkten greifen, weil sie wissen, dass sie damit auch
Arbeitsplätze, Wertschöpfung und eine lebendige Landwirtschaft
sichern können. Doch damit sie diese Entscheidung auch jeden Tag
treffen können, brauchen wir in der Gemeinschaftsverpflegung, in
deren Einrichtungen täglich 2,5 Millionen Menschen essen, eine klare
Herkunftskennzeichnung, weil erst Transparenz volle Wahlfreiheit
ermöglicht. Aus diesem Grund hat die Landwirtschaftskammer (LK)
Österreich 2016 die Initiative 'Gut zu wissen' ins Leben gerufen, um
eine transparente Herkunftskennzeichnung von Fleisch und Eiern auf
freiwilliger Basis anzubieten. Mittlerweile nehmen schon mehr als 70
namhafte Betriebe aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie
beispielsweise das Catering in den Speisewägen der ÖBB oder Kantinen
im ORF, in Bundesministerien, Schulen, Pensionistenheimen oder
Spitälern, daran teil. Auf diese Weise wird derzeit bei jährlich über
14 Millionen Essensportionen die Herkunft der Ei- und Fleischspeisen
lückenlos und klar ersichtlich gekennzeichnet. Die Kontrolle wird
gemeinsam mit der AMA abgewickelt", erklärte LK Österreich-Präsident
Josef Moosbrugger.
Neben dem Dachverband der österreichischen Gemeinschaftsverpfleger
nahmen Vertreter der Bundesbeschaffung BBG, des
Gesundheitsministeriums, der NÖ Landesgesundheitsagentur, des
Landwirtschaftsministeriums und des Verkehrsministeriums teil. Dabei
wurden konstruktive Vorschläge und Rahmenbedingungen für eine
erfolgreiche Umsetzung der Herkunftskennzeichnung erarbeitet.
Die tierhaltende Landwirtschaft hofft nun auf eine Umsetzung in
Österreich, für die das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit,
Pflege und Konsumentenschutz zuständig ist, nach dem Schweizer
Modell. So haben die Konsumentinnen und Konsumenten im ersten Schritt
über die Speisekarte oder Anschlagtafel beim Kauf oder Verzehr
Transparenz über die Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier. Der Griff
zu heimischen Produkten sichert nachhaltig die Zukunft unserer
kleinen tierhaltenden Familienbetriebe sowie Arbeitsplätze entlang
der ganzen Wertschöpfungskette vom Erzeuger über den Verarbeiter bis
zum Verkäufer und den Beschäftigten in den vor- und nachgelagerten
Dienstleistungssektoren.
Über den NTÖ
Die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österreichischen
Rinderzüchter (ZAR), der Verband Österreichischer Schweinebauern
(VÖS), der Österreichische Bundesverband für Schafe und Ziegen
(ÖBSZ), die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österreichischen
Geflügelwirtschaft (ZAG) sowie die Arbeitsgemeinschaft Rind (ARGE
Rind) und die Zentrale Arbeitsgemeinschaft Österreichischer
Pferdezüchter (ZAP) haben 2016 den gemeinsamen Dachverein
"Nachhaltige Tierhaltung Österreich" gegründet. Damit sollen die
Interessen der Tierhalter/-innen aller Sparten gemeinsam vertreten
und agrarpolitische Themen koordiniert behandelt werden -
www.nutztier.at. (Schluss)
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