• 23.10.2020, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Übrig bleibt die eigene Verantwortung", von Wolfgang Sablatnig

Ausgabe vom Samstag, 24. Oktober 2020

Utl.: Ausgabe vom Samstag, 24. Oktober 2020 =

Innsbruck (OTS) - Nach sieben Monaten Pandemie passieren der
Regierung noch immer zu viele Fehler. Das Vertrauen sinkt. Den
Menschen bleiben die simplen Vorsichtsmaßnahmen Hände waschen,
Abstand halten und Maske tragen.

Jetzt liegt die neue Corona-Verordnung also vor, gültig ab Sonntag
statt ab Freitag. Zynisch könnte man anmerken, dass jeder Chor und
jede Kapelle eingeladen sind, heute noch schnell in voller Besetzung
zu üben. Ab Sonntag sind nur mehr Besetzungen zu sechst erlaubt.
Für Zynismus ist die Lage zu ernst. Dennoch macht sich
Verunsicherung breit. Dies gilt im persönlichen Umfeld. Schon bald
wird niemand mehr jemanden kennen, der wirklich Bescheid weiß.
Es gibt aber auch handfeste Zahlen. Sozialforscher der Uni Wien
betreuen das „Austrian Corona Panel Project“: 1500 Menschen werden
allmonatlich zur Krise interviewt. Eine Frage betrifft die
Effektivität der Anti-Corona-Maßnahmen der Regierung. Im September
war jeder vierte Befragte der Meinung, dass die Maßnahmen überhaupt
nicht oder eher nicht effektiv sind. Im Oktober glaubte schon fast
jeder Dritte nicht an die Wirksamkeit.
Die Lage ist grimmig, umso mehr, als Winter und Skisaison
näherrücken. Und noch immer schaffen es Gesundheitsminis­ter Rudolf
Anschober und die Regierung nicht, so zu informieren, dass wir alle
bald nur noch Menschen kennen, die alles wissen. Da eine Ankündigung
Anschobers, er habe noch Maßnahmen in der Schublade. Dort eine
Mahnung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, man möge zu Allerheiligen
auf gemeinsame Friedhofsbesuche verzichten. Aber wo ist das
Gesamtbild?
Ein weiteres Beispiel: Nach sieben Monaten Pandemie schaffen es
Innen- und Gesundheitsministerium noch immer nicht, einheitliche
Zahlen zu veröffentlichen. Fachleute mögen den Grund für die
unterschiedlichen Blickwinkel kennen – die Durchschnittsbürger wollen
klare und verständliche Information.
Und die neue Verordnung: Es ist absurd, dass nur die türkis
regierten Länder diese vorab gesehen haben. Die Frage ist aber nicht
nur an die ÖVP zu richten, sondern auch ans Gesundheitsministerium.
Warum hat dieses den Entwurf nicht an die zuständigen Landesräte
geschickt?
Und noch einmal Gesundheitsministerium: Wenn sich schon abzeichnet,
dass ein angekündigter Termin nicht zu halten ist, sollte das
rechtzeitig so gesagt werden. Bei der neuen Verordnung war das
anders.
Den Menschen bleibt das Vertrauen in die eigene Verantwortung. Es
bleiben die simplen Vorsichtsmaßnahmen: Hände waschen, Abstand
halten, Maske tragen. Und es bleibt die Hoffnung, dass die Regierung
nach Monaten der Pandemie auch die richtige Kommunikation lernt.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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