• 22.10.2020, 23:49:52
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  • OTS0258

Biografie über Baldur von Schirach im Parlament präsentiert

Bures: Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte - ein permanenter Prozess

Utl.: Bures: Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte - ein permanenter
Prozess =

Wien (PK) - Auf Einladung der Zweiten Präsidentin des Nationalrats
Doris Bures wurde heute im Parlament das neue Buch von Oliver
Rathkolb "Schirach - eine Generation zwischen Goethe und Hitler"
präsentiert. "Er indoktrinierte eine ganze Generation und führte eine
Herrschaft der Angst, aus der nur wenige auszubrechen wagten", sagte
Parlamentsvizedirektorin Susanne Janistyn-Novák in ihrer
Eröffnungsansprache. Sie vertrat Zweite Nationalratspräsidentin Doris
Bures, die zu Beginn der Veranstaltung wegen ihrer Aufgabe im
Ibiza-Untersuchungsausschuss verhindert war. Bures hob in ihrer
Abschlussrede hervor, wie wichtig die Präsentation des Buches im
Parlament gewesen sei und "dass die Auseinandersetzung mit
Zeitgeschichte ein permanenter Prozess ist, den es fortzusetzen
gilt".

Die Biografie von Historiker Oliver Rathkolb zeigt neue Aspekte des
Lebens und des Einflusses von Baldur von Schirach auf. Von Schirach
wurde als angehender Student der Germanistik und Kunstgeschichte von
den Nazis angeworben. 1930 wurde er "Reichsjugendführer" und schwor
die "Hitlerjugend" auf die "braune Revolution" ein. Als "Gauleiter"
von Wien ließ er die jüdische Bevölkerung in die Todeslager
deportieren. Von Schirach gehörte nach 1945 beim
Kriegsverbrechertribunal gemeinsam mit Albert von Speer zu den
Angeklagten, die sich vehement von Hitler distanzierten. Ebenso
distanzierte er sich von den Judendeportationen. Baldur von Schirach
wurde beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess nicht zum Tode
verurteilt und 20 Jahre nach Kriegsende aus der Haft entlassen.

Projektleiter des Verlags, Johannes Sachslehner, hob hervor, dass es
sich bei der vorliegenden Biografie 75 Jahre nach Kriegsende um das
erste Buch über von Schirach handle. Er bezeichnete es als
"Meilenstein in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus".
Im Gespräch mit Historiker und Journalist Philipp Blom sprach der
Autor und Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der
Universität Wien Oliver Rathkolb über die Persönlichkeit Baldur von
Schirachs und die Auswirkungen seines Handelns.

Von Schirach und Wien

Von Schirachs Aufgabe in Wien war es, die Wiener Nazis enger an das
"Reich" zu binden. Dafür bekam er ein stattliches Kulturbudget. So
gab es ein beachtliches Kulturleben bis 1944. Das Parlament - von den
Nazis in "Gauhaus" umbenannt - war der zentrale Ort von Schirachs
Selbstdarstellung. In seiner Zeit als "Gauleiter" wurden hier 270
Veranstaltungen abgehalten, etwa Verleihungen von Ehrenzeichen,
Geburtstags- und Weihnachtsfeiern und vieles mehr. "Die überbordende
Bedeutung der Hochkultur ist ein Erbe der NS-Zeit, das in der Zweiten
Republik fortgeschrieben wurde", sagte Oliver Rathkolb.

Rathkolb ist überzeugt, dass es wichtig ist, aus der deutschen
Geschichte zu lernen. Er sieht "erschreckende Parallelen zwischen der
Zerrüttung der Weimarer Republik und der aktuellen
Demokratieverdrossenheit der Jugendlichen in vielen Staaten". Diese
sei in Österreich laut neuesten Studien coronabedingt etwas
zurückgegangen. "Wenn das solidarische Band zerbricht, zerbricht
nicht nur die EU, sondern auch in vielen Staaten die Demokratie",
warnte Rathkolb. (Schluss) ibe

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website
des Parlaments.

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