• 12.10.2020, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 13. Oktober 2020, von Mario Zenhäusern: "Fehler ja, aber kein Versagen"

Innsbruck (OTS) - Die Expertenkommission zum Corona-Management in
Ischgl listet eine Reihe von folgenschweren Fehleinschätzungen auf.
Personelle Konsequenzen auf politischer Ebene wird der Bericht aber
wohl nicht nach sich ziehen.

Der Bericht der Expertenkommission zur Untersuchung des
Corona-Managements im Fall von Ischgl enthält viel Bekanntes. Er
listet detailliert Fehler auf, die auf allen Ebenen gemacht wurden.
Vor allem am Beginn der beispiellosen Krise. Ein völliges Versagen
der Behörden vermochte Kommissionspräsident Ronald Rohrer aber nicht
auszumachen. Fakt ist: Das Ausmaß der Pandemie hat viele
Entscheidungsträger überfordert.
Die Experten räumen zwar ein, dass die Behörden oft unter großem
Zeitdruck ein großes Arbeitspensum zu bewältigen hatten. Als
Entschuldigung für die folgenschweren Fehleinschätzungen, vor allem
im Bereich der zuständigen Bezirks­hauptmannschaft bzw. der
Landessanitätsdirektion, ist das aber nicht zu werten. Allerdings,
und hier entlastet der Bericht die Verantwortlichen, standen ihnen
auch untaugliche gesetzliche Bestimmungen zur Verfügung. Deren
Reparatur ist eine der dringenden Empfehlungen der Experten, die nun
rasch umzusetzen ist.
Lob von den Experten bekommt LH Günther Platter. Seine
Entscheidung, die Skisaison in Tirol vorzeitig zu beenden, sei
richtig und angemessen gewesen. Mit der Erklärung, keine
Anhaltspunkte für eine Beeinflussung Platters durch Vertreter der
Tourismuswirtschaft gefunden zu haben, entgegnete Ronald Rohrer zudem
Gerüchten, Platter hätte bewusst falsch oder zu spät entschieden, um
die Wintersaison zu retten. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg spielt
im Bericht lediglich eine Nebenrolle, wohingegen die falschen
Einschätzungen der Landessanitätsdirektion beanstandet werden. Fragen
wirft auch das Zögern des Ischgler Bürgermeisters Werner Kurz bei der
Bekanntmachung der Einstellung des Liftbetriebs auf.
Viele Kritikpunkte drehen sich um die mangelhafte Kommunikation
zwischen Bund – hier wird namentlich Bundeskanzler Sebastian Kurz
genannt –, Land, Bezirks­hauptmannschaft, Landessanitätsdirektion und
Gemeinde. Vieles hätte verhindert werden können, wenn die richtigen
Personen rechtzeitig die notwendigen Informationen erhalten hätten.
Genau das ist eine der Lehren aus der Krise: Kommunikation ist die
halbe Miete.
Der Bericht der Expertenkommission zum Fall Ischgl deckt viele
Schwächen auf und gibt Empfehlungen, wie im März gemachte Fehler
künftig vermieden werden können. Eine Aufforderung zu personellen
Konsequenzen auf politischer Ebene, wie von der Opposition gefordert,
ist aus den insgesamt 287 Seiten aber definitiv nicht abzulesen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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