• 08.10.2020, 20:16:38
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  • OTS0256

Corona-Krise: Aktuelle Aussprache über Herausforderungen für Tourismusbranche

Köstinger: Reisewarnungen sind Damoklesschwert für den Wintertourismus

Utl.: Köstinger: Reisewarnungen sind Damoklesschwert für den
Wintertourismus =

Wien (PK) - Die heutige Sitzung des Tourismusausschusses startete mit
einer Aktuellen Aussprache mit dem Geschäftsführer der
Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) Wolfgang Kleemann und
dem Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatungs GmbH Thomas
Reisenzahn. Angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Krise
reichte das Themenspektrum von bisherigen Entwicklungen und Prognosen
zur kommenden Wintersaison über Unterstützungshilfen und
Covid-19-Maßnahmen bis hin zur Testungsstrategie "Sichere
Gastfreundschaft", Sperrstundenregelungen und Reisewarnungen.
Bundesministerin Elisabeth Köstinger kündigte zur weiteren Entlastung
unter anderem eine Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung auf 5% an.
Nachdem die Testungsangebote bereits auf die Gastronomie ausgeweitet
worden seien, soll im Winter auch die Möglichkeit beispielsweise für
SkilehrerInnen und FremdenführerInnen dazukommen. Après-Ski werde es
heuer, bedingt durch die Auflagen zur Einnahme von Speisen und
Getränken im Sitzen in der früheren Form nicht geben können, so die
Ministerin.

Positiv hob Köstinger hervor, dass im August 2020 im Vergleich zum
Vorjahr bei den Nächtigungen österreichischer Gäste im Inland ein
Plus von 23% zu verzeichnen gewesen sei. Mit unterschiedlichen
Ausprägungen habe es in Österreich allerdings gesamt seit Mai im
Vorjahresvergleich einen Rückgang von 33% an Nächtigungen gegeben.
Vor allem Einschränkungen der Reisefreiheit beeinträchtigen den
Tourismus sehr, so Köstinger. Reisewarnungen seien ein
Damoklesschwert für den Wintertourismus, dem werde versucht, mit
bundesweiten Maßnahmen zur Senkung der Infektionszahlen
gegenzusteuern.

Während in der Debatte Thomas Reisenzahn von der Prodinger
Tourismusberatung in einem Worst-Case-Szenario anhand eines
Muster-Hotelbetriebes etwa warnte, dass ab März 2021 in dem Bereich
75% der Betriebe massive Liquiditätsprobleme bekommen könnten, sieht
Wolfgang Kleemann seitens der ÖHT Wirtschaft steigende Investitionen
in den Tourismusbetrieben, um sich auf eine Konjunktur nach Corona
vorzubereiten. Diese Investitionsbereitschaft gelte es massiv zu
unterstützen, auch im Hinblick darauf, dass Tourismusinvestitionen in
der "darniederliegenden Wirtschaft" enorme regionale Auswirken auf
die regionale Wirtschaft haben und diese wieder "anspringen" lassen,
so Kleemann.

Sommertourismus in Österreich 2020 bei einem Nächtigungsminus von 33
Prozent

Anhand eines Musterbetriebes - ein 4-Sterne-Ferienhotel im Westen
Österreichs - erörterte Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der
Prodinger Tourismusberatung, bisherige Entwicklungen im Tourismus im
Hinblick auf die Corona-Krise. Nach einer "Rekordsaison" bis Februar
2020, was die Bettenauslastung betrifft, seien April, Mai und Juni -
klarerwiese bedingt durch den Lock-down - negativ verlaufen. Nach
einer bereits im April erstellten Szenarienberechnung sei man aber
bei Nächtigungen im Sommer noch im Best-Case-Szenario, und zwar bei
einem Minus von 33 Prozent, gelandet.

Was die kommende Wintersaison betrifft, sprach er von starken
Verunsicherungen und einem Zittern im Hinblick auf Stornierungen und
rückläufige Buchungen. In einem Worst-Case-Szenario - mit
Reisewarnungen bis in den Februar bzw. wenn die Betriebe dann
schließen würden - geht Reisenzahn von einem Nächtigungsrückgang von
40% gegenüber der Wintersaison 2018/2019 aus. Das WIFO rechne noch
kritischer, nämlich mit 50% bis 60% Einbußen. Betriebswirtschaftlich
hätten ihm zufolge in diesem Worst-Case-Szenario 75% der von ihm
beleuchteten Betriebe ab März mit einem massiven Liquiditätsproblem
zu kämpfen. Reisenzahn sprach sich dafür aus, mit Maßnahmen schnell
zu agieren bzw. nachzubessern - so müsse etwa bei der Vergütung des
Verdienstentgangs über die Bezirkshauptmannschaften massiv daran
gearbeitet werden, dass es zu Lösungen kommt. Nachbesserungsbedarf
sieht er etwa auch bei der Kurzarbeit für die Stadthotellerie sowie
betreffend eine zeitliche Unabhängigkeit beim Fixkostenzuschuss und
dessen Verlängerung. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht
beurteilt er volkswirtschaftlich als heikel, während etwa die
Investitionsprämie bis 14% und der Verlustrücktrag positiv seien. An
Vorschlägen brachte Reisenzahn etwa eine Aufwertungsoption auf den
Verkehrswert der Liegenschaften, einen Entfall der Steuer bei
Betriebsübergaben nach sieben Jahren sowie steuerfreie
Betriebsaufgaben bis Ende 2022 vor.

Mittlerweile 7.700 bewilligte Anträge zur Überbrückungsfinanzierung

Wolfgang Kleemann hob seitens der ÖHT die Überbrückungsfinanzierung
hervor, die sehr schnell am Markt gewesen sei und mittlerweile 7.700
bewilligte Anträge umfasse. Der Großteil der Anträge komme bisher aus
der Gastronomie, gefolgt von Beherbergung. Zudem gehe es aber auch um
Kredite, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, so Kleemann, der
hervorhob, dass er trotz "darniederliegender Wirtschaft" im Tourismus
steigende Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
verzeichnet. Es brauche für die Betriebe allerdings dringend eine
Lösung mit den kommerziellen Banken, anstehende Tilgungen zu
sistieren bzw. einzufrieren, so Kleemann. Laufzeitenbeschränkungen
auf 2 Jahre seien "absurd", sagte er etwa gegenüber Josef Schellhorn
(NEOS). Auch an einer Lösung hinsichtlich Übernahme samt
Laufzeitverlängerung durch die ÖHT werde gearbeitet, um zu vermeiden,
dass die Branche in die Verlustecke gedrängt werde. Darüber hinaus
sollte ihm zufolge Crowd-Investing und Crowd-Funding in die
Förderwelt integriert werden und Eigenkapital durch die öffentliche
Hand gestützt werden.

Es brauche aus Sicht von Kleemann hinsichtlich Liquidität neben einem
sogenannten "Moratorium 2.0" auch einen Rettungsschirm, der
jedenfalls "nicht kleiner als 500 Mio. Euro" sein sollte, so der
ÖHT-Geschäftsführer. Als ergänzende Maßnahme in der
Eigenkapitalstärkung stelle für ihn eine Art Tourismusfonds eine
Möglichkeit dar, mit Haftungen der Republik, in den aber auch Banken
und Private eingebunden sein sollten. In Richtung Alois Kainz (FPÖ)
schloss er sich Thomas Reisenzahn etwa insofern an, als dass man von
weniger Geschäft ausgehen und einem strukturierten Ausstieg einzelner
Betriebe die Stange halten müsse. Gegenüber Gertraud Salzmann (ÖVP)
meinte Kleemann unter anderem, es gelte mit speziellen Fördermodellen
auch im kleineren und mittleren Investitionsbereich Anreize zu
setzen. Das Thema Zinsen für Eigenkapital steuerlich abzugsfähig zu
machen, sei ein "Gebot der Stunde", stimme er Gerhard Deimek (FPÖ)
zu.

Was eine geplante Neuaufstellung der ÖHT betrifft, die etwa Barbara
Neßler seitens der Grünen thematisierte, berichtete Bundesministerin
Köstinger, der Stakeholderprozess habe bereits begonnen. Im
Regierungsprogramm sei eine Anpassung der Förderrichtlinien im Sinne
von Nachhaltigkeit und Resilienz vorgesehen.

Köstinger: Infektionszahlen auch deshalb senken, damit Reisewarnungen
aufgehoben werden

Die Herausforderungen durch die Pandemie im "Jobmotor Tourismus" mit
seiner umfassenden Wertschöpfungskette habe Betriebe und
MitarbeiterInnen in allen Facetten getroffen, sagte Bundesministerin
Elisabeth Köstinger. Vor allem die Einschränkungen der Reisefreiheit
beeinträchtigen den Tourismus sehr. Mit entsprechenden
Corona-Maßnahmen werde auch das Ziel verfolgt, die Infektionszahlen
zu senken, damit Reisewarnungen aufgehoben werden. Gesamt sei es zwar
gut gelungen, angesichts der Krise über den Sommer zu kommen. Die
Stadthotellerie habe es aber mit einem Nächtigungsminus von 85% im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum "mit voller Wucht" getroffen.

Köstinger betonte, die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung würden
kontinuierlich angepasst und erweitert. Neben Kurzarbeit und
Neustartbonus werde es eine Verdoppelung der Laufzeit des
Härtefallfonds von bisher 6 auf 12 Monate Inanspruchnahme geben.
Wesentlich sei auch der "Fixkostenzuschuss 2", von dem sie hoffe,
dass er von der Europäischen Kommission angenommen werde.
Entscheidend sei hier, dass es zu keinen Anrechnungen von
Vorleistungen wie dem "Fixkostenzuschuss 1" komme.

Auf entsprechende Fragen von Petra Vorderwinkler (SPÖ) bekräftigte
Köstinger, dass auch Vereine in der Maßnahmenverordnung umfasst
seien, was Einschränkungen hinsichtlich Infektionsübertragung
betrifft. Betreffend Budget 2021 werde für Corona-Hilfsmaßnahmen die
Logik mit Mitteln außerhalb des regulären Budgets fortgesetzt.

Die Teststrategie im Rahmen von "Sichere Gastfreundschaft" sei auch
auf die Gastronomie ausgeweitet worden und wichtig, damit man
Infizierte schnell erkennen und isolieren kann, so die Ministerin auf
Fragen zu den Testungen, die etwa Rebecca Kirchbaumer (ÖVP), Josef
Schellhorn (NEOS), Peter Schmiedlechner (FPÖ) sowie Sabine Schatz und
Alois Schroll (beide SPÖ) aufwarfen. Es gebe Kapazitäten für 65.000
Tests pro Woche für diese Maßnahme, bisher seien 300.000 durchgeführt
worden, so Köstinger. Das System sei als Prävention gedacht - sobald
ein Cluster ausbreche, würden die Tests in dem Gebiet nicht mehr
durch dieses System, sondern von den Gesundheitsbehörden übernommen.
Es werde laufend an Ausweitungen gearbeitet, wie etwa für
Jugendherbergen und Campingplätze. Das könne allerdings nur Schritt
für Schritt erfolgen, da viele Daten händisch erfasst werden müssen.
Was Schnelltests betreffe, sei man in Kontakt mit den
Gesundheitsbehörden, diese gegebenenfalls auch nutzbar zu machen.
Diese könnten etwa auch bei Veranstaltungen eingesetzt werden, wenn
es entsprechend große Verfügbarkeiten gibt.

Zur Registrierungspflicht in der Gastronomie betonte die Ministerin,
jede Maßnahme, die helfe, die Infektionszahlen nach unten zu bringen
sei gut. Es soll hier auch eine App-Lösung geben, die gratis
angeboten werden soll.

"Worst Case" werde derzeit angesichts der Herausforderungen für 2020
ein Nächtigungseinbruch von 50% im Vergleich zum Vorjahr angenommen,
so Köstinger. Sie hoffe, dass sich die Situation besser entwickle.
Das setze aber voraus, dass die Infektionsketten durchbrochen werden.
Aktuell seien jedenfalls viele Buchungen noch aufrecht. (Schluss
Tourismusausschuss) mbu

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