- 14.09.2020, 10:04:03
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- OTS0055
COVID-19-Pandemie stellt Wohnimmobilienmärkte europaweit vor neue Herausforderungen
Preisanstiege im zweiten Quartal in ganz Österreich deutlich beschleunigt
Utl.: Preisanstiege im zweiten Quartal in ganz Österreich deutlich
beschleunigt =
Wien (OTS) - Die aktuelle Immobilienmarktanalyse der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt für Wien und insbesondere
für Österreich ohne Wien im zweiten Quartal 2020 eine merkliche
Beschleunigung des Preisanstiegs für Wohnimmobilien auf 4,1 % bzw.
6,8 % (nach 3,9 % und 2,8 % im ersten Quartal, jeweils im
Vorjahresvergleich). Die nur bis zum ersten Quartal verfügbaren Daten
für Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) zeigen bei Preisen für
Wohnimmobilien dynamische Wachstumsraten über dem EU-Durchschnitt,
allerdings scheint sich COVID-19 gerade in CESEE-Ländern dämpfend auf
die Nachfrage auszuwirken. Eine ähnliche Entwicklung deutet sich auch
in den anderen EU-Mitgliedstaaten an.
Weiterhin stabile Nachfrage nach Wohnimmobilien in Österreich
Wien und insbesondere Österreich ohne Wien verzeichneten im zweiten
Quartal 2020 eine merkliche Beschleunigung des Preisanstiegs für
Wohnimmobilien. Nach einer Abschwächung der Preisdynamik seit
Jahresmitte 2019 erreichten die Preiszuwächse damit wieder die Werte
vom ersten Halbjahr 2019. In Wien betrug der Preisanstieg im zweiten
Quartal 2020 4,1 % im Vorjahresvergleich und 2,4 % gegenüber dem
Vorquartal. In Österreich ohne Wien war zu Jahresbeginn 2020 bei den
Immobilienpreisen ein Plus von 2,8 % verzeichnet worden, im zweiten
Quartal beschleunigte sich der Anstieg auf +6,8 % (jeweils im
Vorjahresvergleich) und auf +3,8 % gegenüber dem Vorquartal. Die
Nachfrage nach Wohnungen über die verschiedenen Preissegmente hinweg
gestaltete sich ähnlich wie vor der COVID-19-Pandemie: Sowohl
günstige als auch teure Wohnungen wurden auch im zweiten Quartal 2020
unverändert nachgefragt.
Für die Beschleunigung in Österreich ohne Wien war vor allem die
Preissteigerung bei Einfamilienhäusern verantwortlich – mit einer
Verdreifachung auf 10,6 % im zweiten Quartal (nach 3,3 % im ersten
Quartal). Auch in Wien blieben die Preise für Einfamilienhäuser auf
hohem Niveau – nach einer Zuwachsrate von 10,4 % im ersten Quartal
stiegen die Preise im zweiten Quartal um 11,7 %, jeweils im
Vorjahresvergleich. Möglicherweise ist dies auf den durch Effekte der
COVID-19-Pandemie (Trend zu Homeoffice, Erfahrungen im Lockdown,
Social Distancing) verstärkten Wunsch nach Wohnen im Grünen bzw. mit
Garten zurückzuführen. Es wird sich im weiteren Jahresverlauf zeigen,
ob sich dieser Trend fortsetzt.
Dynamische Entwicklung der CESEE-Wohnimmobilienmärkte vor Beginn der
COVID-19-Pandemie
Die COVID-19-Pandemie traf die Wohnimmobilienmärkte in den
CESEE-Ländern in einer mehr oder weniger stark ausgeprägten
Aufschwungphase. Die Preise für Wohnimmobilien stiegen im ersten
Quartal 2020 laut Eurostat-Daten weiterhin dynamisch mit
Zuwachsraten weit über dem EU-Durchschnitt in fast allen Ländern (mit
Ausnahme von Ungarn), die Wohnbaukreditvergabe war grundsätzlich
stark, ebenso die Bautätigkeit. Erste Daten zeigen, dass sich die
Krise dämpfend auf die Nachfrage nach Wohnimmobilien ausgewirkt hat.
Ausschlaggebend hierfür sind insbesondere niedrigere Einkommen, eine
verschlechterte Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie die erhöhte
Unsicherheit der Haushalte. Die Notenbanken und Regierungen der
Region haben umfangreiche Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen
Auswirkungen der Krise getroffen, die auch die Wohnimmobilienmärkte
stützen sollten. Weiterhin wird Haushalten und Banken grundsätzlich
eine größere Widerstandsfähigkeit im Vergleich zur Finanzmarktkrise
2008/09 attestiert. Dennoch stellt die COVID-19-Pandemie die
CESEE-Wohnimmobilienmärkte vor große Herausforderungen.
Vor COVID-19 stiegen Wohnimmobilienpreise größtenteils auch in den
anderen EU-Mitgliedstaaten
In den meisten EU-Mitgliedstaaten (exkl. CESEE-Länder und Österreich)
setzte sich der dynamische Anstieg der Immobilienpreise im ersten
Quartal 2020 – bis kurz vor dem Einsetzen der COVID-19-Pandemie –
fort. Besonders stark stiegen die Immobilienpreisindizes (weit über
dem EU-Durchschnitt) in Deutschland, Luxemburg, Schweden, Portugal
und Malta. Unterhalb des EU-Durchschnitts liegen Finnland, Spanien,
Frankreich und Zypern sowie besonders deutlich weiterhin Italien. Das
allgemeine Konsumentenvertrauen ist im Zuge der COVID-19-Pandemie
gesunken und angesichts der gestiegenen Verunsicherung sank auch die
Nachfrage nach neuen Wohnimmobilienkrediten deutlich. Angebotsseitig
musste auch die Bauwirtschaft – wie die meisten anderen Branchen –
ihre Aktivitäten ab Mitte März herunterfahren; am Ende des Lockdowns
nahm sie ihre Aktivitäten aber rasch wieder auf.
Weitere Details finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Immobilien
aktuell – International“
https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/immobilien-aktuell.
html.
Zeitreihen für CESEE und den Euroraum im Vergleich zu Österreich
sowie detaillierte Daten zum österreichischen Immobilienmarkt werden
im PDF-Format und als MS Excel-Datei zur Verfügung gestellt:
https://www.oenb.at/Geldpolitik/schwerpunkt_immobilienmarktanalyse.ht
ml
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