• 21.07.2020, 10:01:42
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  • OTS0052

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Juli 2020

Kreditvergabe der Banken unterstützt Unternehmen in der COVID-19-Pandemie

Utl.: Kreditvergabe der Banken unterstützt Unternehmen in der
COVID-19-Pandemie =

Wien (OTS) - Die Banken verzeichneten aufgrund der wirtschaftlichen
Folgen der COVID-19-Pandemie einen deutlichen Anstieg der Nachfrage
nach Krediten durch Unternehmen. Dabei ging es vor allem um
Überbrückungskredite und Refinanzierungen. Die Nachfrage nach
Investitionsfinanzierungen ist hingegen eingebrochen. Die
Kreditvergabe an Unternehmen war stark durch staatliche Garantien
geprägt. Nach anfänglichen Problemen konnten viele der Kreditansuchen
bewilligt und somit die Unternehmen in der Krise unterstützt werden.
Für das dritte Quartal 2020 wird eine weiter – aber nur mehr leicht –
steigende Gesamtnachfrage nach Unternehmenskrediten erwartet. Das
Kreditgeschäft mit privaten Haushalten war schwächer von der
COVID-19-Pandemie betroffen als das Unternehmenskundengeschäft. Das
zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das
Kreditgeschäft, in der führende Banken im Euroraum und damit auch in
Österreich nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Die Umfrage
wurde im Juni 2020 durchgeführt.

Die Banken konnten dem hohen Kreditbedarf nachkommen und die
Wirtschaftsakteure mit benötigter Liquidität versorgen. Eine
wesentliche Rolle spielten dabei Kredite mit staatlichen Garantien,
die einen wichtigen Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen
Bundesregierung bilden. Die Garantien haben es den Banken ermöglicht,
bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne
staatliche Garantien aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen
hätten sein müssen.

Probleme im Zusammenhang mit der Gewährung von Krediten mit
staatlichen Garantien

Zu Problemen im Zusammenhang mit der Gewährung und Abwicklung von
Krediten mit staatlicher Garantie befragt, nannten die Banken die
organisatorische Aufteilung der Garantieabwicklung auf mehrere
Förderstellen und -programme. Des Weiteren wurden unklare Regelungen,
die oft und kurzfristig geändert wurden, komplexe und aufwändige
Antragsprozesse sowie lange Bearbeitungszeiten bei den Förderstellen
aufgezählt. Mit der Zeit habe sich das Prozedere aber verbessert.

Kreditbedingungen für Unternehmenskredite im ersten Halbjahr 2020
verschärft

Vor allem die geänderte Risikosituation hat die Banken zu einer
Verschärfung der Kreditbedingungen für Unternehmenskredite im ersten
Halbjahr 2020 veranlasst. Kreditbedingungen sind die speziellen
Konditionen des Kreditvertrags (Margen, Nebenkosten, Erfordernisse
für Sicherheiten usw.). Insbesondere wurden die Margen erhöht – vor
allem bei risikoreicheren Krediten. Aber auch bei anderen
Kreditbedingungen, wie z. B. den Erfordernissen für Sicherheiten,
wurden die Banken strenger.

Kredite an private Haushalte: Kreditnachfrage verhaltener,
Angebotspolitik der Banken restriktiver

Im Privatkundengeschäft manifestierten sich die wirtschaftlichen
Auswirkungen der COVID-19-Pandemie weniger intensiv als im
Unternehmenskundengeschäft. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten
stagnierte im zweiten Quartal 2020, nachdem sie seit Beginn 2019 ein
Wachstum verzeichnet hatte. Die Nachfrage nach Konsumkrediten und
sonstigen Krediten ist laut den Umfrageergebnissen deutlich
zurückgegangen. Ausschlaggebend für diese Nachfrageänderungen waren
das gesunkene Konsumentenvertrauen und gesunkene Ausgaben für
langlebige Konsumgüter. Angebotsseitig haben die befragten Banken im
zweiten Quartal 2020 Kreditrichtlinien und Margen für Kredite an
private Haushalte verschärft, was vor allem mit einer veränderten
Risikoeinschätzung begründet wurde.

Notleidende Kredite: leicht steigender Einfluss auf
Kreditvergabepolitik der Banken

Das gestiegene Risiko im Kreditgeschäft zeigt sich auch in den
Antworten der Banken auf Fragen zu den Auswirkungen notleidender
Kredite auf ihre Kreditvergabepolitik. Nach Jahren ohne nennenswerte
Einflüsse haben notleidende Kredite im ersten Halbjahr eine gewisse
Relevanz für das Angebotsverhalten der österreichischen Banken
bekommen und leicht zu einer Verschärfung der Kreditrichtlinien und
Kreditbedingungen für Unternehmenskredite sowie für Konsumkredite und
sonstige Kredite an private Haushalte beigetragen. Wohnbaukredite an
private Haushalte waren davon nicht betroffen. Im Ausblick auf das
zweite Halbjahr 2020 wird eine Fortsetzung dieser Entwicklung in
etwas stärkerem Ausmaß erwartet.

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in
Statistiken – Daten & Analysen Q3/2020 und vorab auf der OeNB-Website
veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten
zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:
https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditge
schaeft.html

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert:
http://www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en.html

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