- 21.06.2020, 22:00:02
- /
- OTS0035
Leitartikel "Spitalsreform jetzt" vom 22.6.2020 von Peter Nindler
Innsbruck (OTS) - Die Situation um das Ordensspital in Zams ist
unbefriedigend, sie zeigt auch den Handlungsbedarf in der Tiroler
Spitals-landschaft auf. Es braucht eine faire, leistbare und eine
nachvollziehbare Finanzierung sowie ein abgestimmtes Angebot.
Von Peter Nindler
Es sind schon besondere Verhältnisse zwischen dem Land Tirol und dem
im Eigentum der Barmherzigen Schwestern stehenden Krankenhaus Zams.
Auf Dauer entsteht allerdings eine schiefe Optik, wenn im Gegensatz
zu allen anderen Bezirksspitälern die Hauptlast der Betriebsabgänge
aus dem Landesbudget finanziert wird, während die 54 Gemeinden in den
Bezirken Landeck und Imst lediglich bis zu 400.000 Euro zahlen. Und
jetzt muss das Land noch einen finanziellen Rettungsschirm über das
Oberländer Ordensspital spannen. Mit den bereits beschlossenen
Zuschüssen fließen akut 20 Millionen Euro in das Krankenhaus Zams.
Eine weitere, seit 2017 existierende Vereinbarung haben viele gar
nicht mehr auf dem Radar: nämlich jährliche Betriebszuschüsse von
300.000 Euro an die Ordenskongregation für die Nutzung des
öffentlichen Spitals.
Natürlich ist es nur Zufall, dass sich gerade rund um das Zammer
Krankenhaus im Oberland die politische Macht konzentriert: mit
Landeshauptmann Günther Platter (Zams), dem ebenfalls aus Zams
stammenden Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und dem Sölder
Bürgermeister und Gemeindeverbandspräsidenten Ernst Schöpf. Aber
genau deshalb benötigt es besonders viel Fingerspitzengefühl und
politisches Gespür. Eine faire und leistbare Spitalsfinanzierung
bleibt die zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen. Die
Corona-Krise hat die Situation weiter verschärft, die Politik sollte
jetzt die Grundlagen dafür schaffen. Eine landesweite Holding wird
wegen steigender Spitalsbeiträge der Gemeinden schon seit Jahren
diskutiert; auch vor dem Hintergrund, dass eine zielgerichtete
Abstimmung des Leistungsangebots mit regionalen Schwerpunkten schon
längst überfällig ist.
Mit den landeseigenen Tirol Kliniken wurden im Tiroler Zentralraum
bereits Fakten geschaffen: Am Krankenhaus Schwaz sind sie zu 50
Prozent an der Betriebsgesellschaft beteiligt, 2011 erfolgte die
Eingliederung des Haller Krankenhauses in die Tirol Kliniken. Die im
Vorjahr beschlossene Spitalsreform mit einer geplanten Reduktion von
220 Betten in den zehn Tiroler Krankenanstalten dürfte nach Corona
wohl noch einmal einer eingehenden Analyse unterzogen werden. Das
wäre zugleich die Chance, die Struktur der Spitalslandschaft mit den
Tirol Kliniken und den Bezirkskrankenhäusern ebenfalls erneut
kritisch zu hinterfragen. Nach dem finanziellen Desaster rund um das
Krankenhaus Zams ist das geradezu ein selbstredender politischer
Auftrag.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






