Leitartikel "Spitalsreform jetzt" vom 22.6.2020 von Peter Nindler

Innsbruck (OTS) - Die Situation um das Ordensspital in Zams ist unbefriedigend, sie zeigt auch den Handlungsbedarf in der Tiroler Spitals-landschaft auf. Es braucht eine faire, leistbare und eine nachvollziehbare Finanzierung sowie ein abgestimmtes Angebot.

Von Peter Nindler
Es sind schon besondere Verhältnisse zwischen dem Land Tirol und dem im Eigentum der Barmherzigen Schwestern stehenden Krankenhaus Zams. Auf Dauer entsteht allerdings eine schiefe Optik, wenn im Gegensatz zu allen anderen Bezirksspitälern die Hauptlast der Betriebsabgänge aus dem Landesbudget finanziert wird, während die 54 Gemeinden in den Bezirken Landeck und Imst lediglich bis zu 400.000 Euro zahlen. Und jetzt muss das Land noch einen finanziellen Rettungsschirm über das Oberländer Ordensspital spannen. Mit den bereits beschlossenen Zuschüssen fließen akut 20 Millionen Euro in das Krankenhaus Zams. Eine weitere, seit 2017 existierende Vereinbarung haben viele gar nicht mehr auf dem Radar: nämlich jährliche Betriebszuschüsse von 300.000 Euro an die Ordenskongregation für die Nutzung des öffentlichen Spitals.
Natürlich ist es nur Zufall, dass sich gerade rund um das Zammer Krankenhaus im Oberland die politische Macht konzentriert: mit Landeshauptmann Günther Platter (Zams), dem ebenfalls aus Zams stammenden Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und dem Sölder Bürgermeister und Gemeindeverbandspräsidenten Ernst Schöpf. Aber genau deshalb benötigt es besonders viel Fingerspitzengefühl und politisches Gespür. Eine faire und leistbare Spitalsfinanzierung bleibt die zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen. Die Corona-Krise hat die Situation weiter verschärft, die Politik sollte jetzt die Grundlagen dafür schaffen. Eine landesweite Holding wird wegen steigender Spitalsbeiträge der Gemeinden schon seit Jahren diskutiert; auch vor dem Hintergrund, dass eine zielgerichtete Abstimmung des Leistungsangebots mit regionalen Schwerpunkten schon längst überfällig ist.
Mit den landeseigenen Tirol Kliniken wurden im Tiroler Zentralraum bereits Fakten geschaffen: Am Krankenhaus Schwaz sind sie zu 50 Prozent an der Betriebsgesellschaft beteiligt, 2011 erfolgte die Eingliederung des Haller Krankenhauses in die Tirol Kliniken. Die im Vorjahr beschlossene Spitalsreform mit einer geplanten Reduktion von 220 Betten in den zehn Tiroler Krankenanstalten dürfte nach Corona wohl noch einmal einer eingehenden Analyse unterzogen werden. Das wäre zugleich die Chance, die Struktur der Spitalslandschaft mit den Tirol Kliniken und den Bezirkskrankenhäusern ebenfalls erneut kritisch zu hinterfragen. Nach dem finanziellen Desaster rund um das Krankenhaus Zams ist das geradezu ein selbstredender politischer Auftrag.

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