• 12.06.2020, 22:00:02
  • /
  • OTS0148

Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 13. Juni 2020. Von ALOIS VAHRNER. "Laute Alarmsignale bis nach Wien".

Innsbruck (OTS) - Offen ist, ob die nach der „Luder“-Entgleisung von
Landes-Vize Josef Geisler ausgebrochene schwarz-grüne Koalitionskrise
in Tirol beigelegt werden kann oder im Bruch endet. Auch die Spitzen
der Bundeskoalition sind alarmiert.

Als ÖVP und Grüne 2013 in Tirol ihre Koalition fixierten, hätten der
Polit-Zweckehe der sehr ungleichen Partner wohl nur ganz wenige eine
längere Lebensdauer vorausgesagt. Und erst recht nicht geglaubt, dass
die Zusammenarbeit der Grünen mit den vorher scharf bekämpften
Schwarzen angesichts der großen inhaltlichen Differenzen meistens
doch sehr friedlich und ruhig laufen kann. Das lag an den
Parteispitzen, die stets gut miteinander konnten, aber auch dem
nötigen Willen und der Disziplin auf beiden Seiten, auch einmal bei
der eigenen Klientel unbequeme Dinge durchzutragen.
Die Koalition überstand auch die grüne Existenz-Krise, als man im
Bund aus dem Parlament flog und die Grünen bei der letzten
Landtagswahl mit einem blauen Auge davonkamen. Als im Bund im Vorjahr
Türkis-Blau, das vorher die Harmonie nach außen regelrecht zelebriert
hatte, nach dem Ibiza-Skandal auseinanderflog, sahen sich in Tirol
beide Seiten bestätigt. Vor allem auch Tirols Landeshauptmann Günther
Platter, der gegen alle Wünsche aus Wien lieber weiter mit den Grünen
als mit der FPÖ koalieren wollte. Dass dann nach dem krachenden Aus
von Türkis-Blau im Bund die türkisen und grünen Bundesstrategen nach
Tirol als mögliches Polit-Vorbildmodell blickten, nahm man so gerne
zur Kenntnis. Und sprach das kokettierend auch immer wieder an. Man
vermeide Streit und mache unaufgeregt konstruktive Politik,
versicherten Platter und Grünen-Frontfrau Ingrid Felipe wiederholt.
Ausgerechnet im verflixten siebenten Koalitions-Jahr kracht es jetzt
gewaltig. Zuerst das unter Beschuss geratene Corona-Krisenmanagement
von Landesrat Bernhard Tilg um Ischgl & Co. und zuletzt auch noch die
sexistische „Luder“-Entgleisung von Josef Geisler lassen bei den
Grünen intern die Wogen hochgehen. Ob so sehr, dass die Koalition
gesprengt wird, das wird sich sehr rasch zeigen. Es steht Spitz auf
Knopf, wenn binnen weniger Wochen zunächst ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf
(beim Misstrauensantrag gegen Tilg) und jetzt LH Platter in der Causa
Geisler die Koalitionsfrage stellen.
Aus Bundes-Sicht war Tirol so etwas wie eine Kuschel-Koalition. Gibt
es hier den bis vor Kurzem unerwarteten Crash, ist das auch alles
andere als Kitt und Auftrieb für Türkis-Grün. Dort ist die vor
wenigen Monaten gebildete Koalition zwar gut durch die Corona-Krise
gekommen, alte Konfliktlinien können aber sehr rasch aufbrechen.
Zumal die Bewältigung der gewaltigen wirtschaftlichen, finanziellen
und sozialen Folgen der Pandemie enorm herausfordernd wird.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel