- 10.06.2020, 22:00:31
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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Unzulässiger Ablasshandel", von Manfred Mitterwachauer, Ausgabe vom Donnerstag, 11. Juni 2020
Die ÖVP ist in der Defensive und soll einen Preis für Geislers Fehlverhalten zahlen. Dabei geht es längst nicht mehr um Rücktritt.
Utl.: Die ÖVP ist in der Defensive und soll einen Preis für Geislers
Fehlverhalten zahlen. Dabei geht es längst nicht mehr um
Rücktritt. =
Innsbruck (OTS) - WWF und Grüne versuchen aus einem sexistischen
Sager Kapital in eigener Sache zu schlagen. Und instrumentalisieren
ihn damit.
Um es klar zu sagen: Wenn einer wie Landeshauptmannstellvertreter
Josef Geisler (VP) eine Naturschutzaktivistin als „widerwärtiges
Luder“ bezeichnet, ist auch über seinen Rücktritt zu diskutieren.
Daran wird auch die x-te Entschuldigung nichts ändern. Weil eben
Sexismus und Frauenfeindlichkeit weder in der Politik noch sonstwo
etwas zu suchen haben. Ebenso ist es notwendig, den Umgang der
schwarz-grünen Landesregierung mit Umwelt-, Naturschutz- und
Bürgerinitiativen im Land zu hinterfragen. Weil der schwarze
Koalitionspartner eine Diskussion auf Augenhöhe oft vermissen lässt.
Doch WWF und Grüne betreiben jetzt ein ganz anderes, gefährliches
Spiel. Mit dem Rückenwind der öffentlichen Empörung über Geislers
verbale Entgleisung will man Zugeständnisse für die eigene politische
Agenda erzwingen. Diese Verknüpfung ist nichts anderes als
unzulässiger Ablasshandel im modernen Kleid.
Der WWF fordert nun einen glaubwürdigen Neustart im politischen
Natur- und Gewässerschutz. Im Windschatten segelt der Landesvorstand
der Grünen. Beide haben ihre Chance gewittert – die ÖVP ist in der
Defensive und soll einen Preis für Geislers Fehlverhalten zahlen.
Dabei geht es längst nicht mehr um einen Rücktritt. Denn das fordern
weder WWF noch Grüne. Damit wird aber ein Sexismus-Fall volley
umgemünzt in eine Debatte über – begründbare, aber bislang vom Tisch
gewischte – Forderungen in Sachen Naturschutz. Der Vorfall wird
instrumentalisiert – das ist der neue Dreh.
Wollen die Grünen auf diesem Wege alle ihre (inhaltlichen) Wunden
verarzten, die sie sich durch die Regierungsbeteiligung – sehenden
Auges – selbst zugefügt haben, werden sie in Zukunft noch auf einige
ÖVP-Entgleisungen hoffen müssen.
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