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Tiroler Tageszeitung, Litartikel, Ausgabe vom 30. Mai 2020. Von ALOIS VAHRNER., "„Neue Normalität“ wird normaler"
Innsbruck (OTS) - Knapp zweieinhalb Monate nach dem totalen
Corona-Stillstand jagt eine Umsetzung bzw. Ankündigung immer neuer
Öffnungen und Lockerungen die nächste. Die versprochene
„Wiederauferstehung“ Österreichs kommt in vielen Raten.
Die gesundheitspolitische Katastrophe durch die Corona-Pandemie, vor
der die Regierung mit Hinweis auf Italien häufig gewarnt hat, ist
dank großer Disziplin der Bevölkerung abgewendet. Vorerst zumindest.
Österreich war bei der Eindämmung des Virus erfolgreicher als viele
andere Länder der Welt – vor allem als jene, deren Führung zu lange
gezaudert oder die Bedrohung verharmlost hat. Oder auch als jene
Länder, die das Gesundheitssystem zu sehr ausgehungert haben.
Der Preis für das bisher beispiellose Niederfahren von Gesellschaft
und Wirtschaft ist zweifellos extrem hoch. Die Zeche werden wir alle
und die gesamte Welt noch sehr lange zu bezahlen haben. Ganz
entscheidend für die Zukunft wird sein, wie rasch die Wirtschaft aus
ihrem politisch verordneten Koma wieder ins volle Leben geholt werden
kann und wie sehr die in den letzten Monaten vielfach bewiesene
soziale Solidarität auch nach der aktuellen Corona-Krise, bei der uns
hoffentlich eine weitere Welle erspart bleibt, anhalten wird.
Die türkis-grüne Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz
versprach nach den harten Einschnitten Mitte März eine Art
„Wiederauferstehung nach Ostern“ – die allerdings in eine „neue
Normalität“ führen werde. Verschiedene Wirtschaftsbranchen, die
Schulen und langsam auch die Kultur und der Sport wurden und werden
schrittweise wieder hochgefahren. Es war und ist ein wahres Stakkato
an politischen Ankündigungen und sich ständig ändernden Regelungen,
bei dem wohl viele auch ihre liebe Mühe haben, den Überblick zu
bewahren – man denke nur an die verschiedenen, zuweilen in
Quadratmeter gefassten Abstandsregeln etwa in Kirchen, Schwimmbädern
oder bei Kulturveranstaltungen.
Auch die Schutzmasken-Regeln und die Sperrstunde sollen jetzt bald
deutlich gelockert werden – ein Schelm, wer dazu jetzt behaupten
würde, dass hier Bundeskanzler Kurz bei seinem Auftritt im
Kleinwalsertal und Bundespräsident Van der Bellen mit seinem
Lokalbesuch bis nach Mitternacht selbst bereits Vorarbeit geleistet
haben.
Auch die heimische Spitzenpolitik wird ihre Lehren aus der
Corona-Krise zu ziehen haben – was in der Hitze des Gefechts alles
richtig war und wo es für die Zukunft Verbesserungsbedarf gibt.
Negatives Schulbeispiel im wahrsten Sinne war die Matura, wo man
nahezu ein Freilos fürs Durchkommen geschaffen hat und dafür von
Dutzenden Schülern mit leer abgegebenen „Arbeiten“ bedankt wurde.
„Enttäuscht“ ist Bildungsminister Faßmann, Konsequenzen gibt es
keine. So kann man sich auch lächerlich machen.
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