- 29.05.2020, 11:11:25
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Lehren aus Corona: Ärztekammerpräsident warnt vor gewinnorientiertem Gesundheitssystem
Gesundheitsversorgung ist staatliche Aufgabe – Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, damit Jungmediziner auch in Österreich bleiben
Utl.: Gesundheitsversorgung ist staatliche Aufgabe –
Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, damit
Jungmediziner auch in Österreich bleiben =
Wien (OTS) - „Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten sehr
klar die Stärken und Schwächen unseres Gesundheitssystems aufgezeigt.
Resümierend möchte ich betonen, dass die positiven Aspekte überwiegen
und die Ärztinnen und Ärzte wie auch das gesamte Gesundheitspersonal
hervorragende Arbeit geleistet und dafür gesorgt haben, dass
Österreich gut aus der Krise herausgekommen ist“, betont
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Dennoch gebe es etliche Punkte,
an denen für die Zukunft nachgeschärft werden müsse, wie auch eine
aktuelle Studie der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften
Leopoldina aus Halle bestätigt. ****
Die Studienergebnisse des unabhängigen Think-Tanks und
Beratergremiums der deutschen Politik lassen sich auf die
österreichischen Verhältnisse 1:1 umlegen. „Die Forderung der
Akademie nach einem ‚patientenorientierten, qualitätsgesicherten und
nicht gewinnorientierten Gesundheitssystem‘ bestätigt etwa unsere
Warnung vor einer Konzernisierung der Gesundheitsversorgung, die
schleichend stattfindet“, warnt Szekeres. Etwa in den Bereichen
Labormedizin, Zahnmedizin, Pflege oder auch im Apothekensegment haben
sich in den letzten Jahren verstärkt Großkonzerne eingekauft, die
ausschließlich gewinnorientiert arbeiten.
Szekeres: „Dadurch ist die weniger lukrative gesundheitliche
Basisversorgung der Bevölkerung gefährdet. Es ist eine staatliche
Aufgabe, die Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems klar zu
definieren und dem Eindringen von gewinnorientierten
Investmentgruppen in den Gesundheitsbereich einen gesetzlichen Riegel
vorzuschieben.“ Die Corona-Krise habe gezeigt, so eine Conclusio der
Akademie, dass im Gesundheitsbereich nicht die gleichen
wirtschaftlichen Maßstäbe angelegt werden können wie in der freien,
wettbewerbsorientierten Wirtschaft, denn die qualitätsgesicherte
sowie wissenschaftsorientierte medizinische Versorgung der
Bevölkerung liege in der Verantwortung des Staates.
In diesem Zusammenhang sei auch die Forderung der deutschen
Wissenschafter nach einer bedarfsgerechten Ausstattung des
Gesundheitssystems und einer angemessenen Entlohnung sowie guten
Arbeitsbedingungen für das medizinische und pflegerische Fachpersonal
ein Aspekt, der ganz besonders auch für Österreich gelte, so
Szekeres: „Wir bilden auf unseren Universitäten Jungmediziner auf
höchstem Niveau aus, aber nur 60 Prozent bleiben auch bei uns im
Land, weil die Bedingungen in etlichen anderen europäischen Staaten
für Ärztinnen und Ärzte einfach besser sind. Da gibt es dringenden
Nachbesserungsbedarf, wo vor allem die Politik gefordert ist, die
entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen.“
Dazu gehöre auch der Ausbau der Digitalisierung sowie eine
Entbürokratisierung im medizinischen Bereich, so die Akademie
Leopoldina. Szekeres: „Auf Österreich bezogen heißt das in einem
ersten Schritt, die derzeit schon laufenden digitalen Programme im
Gesundheitssystem, wie etwa ELGA, auf den technischen Stand des 21.
Jahrhunderts zu bringen, denn der digitale Fortschritt hat
hierzulande zum Teil zu einer noch stärkeren Bürokratisierung
geführt.“
Abschließend folgt der Ärztekammerpräsident auch vollinhaltlich dem
Appell der Leopoldina-Experten an die Patientenschaft, wegen der
Corona-Einschränkungen verschobenen Routineuntersuchungen oder nicht
dringend notwendig gewesenen Eingriffe jetzt rasch nachzuholen.
Szekeres: „Alle Ordinationen und Spitäler laufen wieder im
Normalbetrieb. Gehen Sie zu Ihren Hausärzten, holen Sie Impfungen und
Vorsorgeuntersuchungen nach, aber halten Sie sich auch weiterhin an
die nach wie vor gebotenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Melden Sie
sich vor dem Arztbesuch telefonisch an, achten Sie auf die wichtige
Handhygiene und vor allem: Halten Sie weiterhin Abstand!“ (bs)
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