ARCHE NOAH: „Farm to Fork“- und Biodiversitätsstrategie tragen ohne Saatgut-Vielfalt keine Früchte

Österreich muss ernsthaften Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten

Brüssel/Wien/Schiltern (OTS) - Die EU-Politik zur biologischen Vielfalt und für gesunde Lebensmittel braucht eine neue Richtung. Dazu wurden heute in Brüssel die Biodiversitäts- und die „Farm to Fork“-Strategien veröffentlicht. „Die Botschaft ist klar: Umwelt- und Landwirtschaftspolitik müssen Hand in Hand gehen, um die Versorgungssicherheit angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise sicherzustellen. Die heute veröffentlichten Strategien sind allerdings nur der Beginn“, stellt Dagmar Urban, politische Referentin bei ARCHE NOAH, klar. „Damit die in der ‚Farm to Fork‘- und Biodiversitäts-Strategie genannten Ziele Früchte tragen, braucht es konkrete, verpflichtende Maßnahmen und Geld für Vielfalt – vom Saatgut bis zum Teller“, fordert ARCHE NOAH, Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt. Saatgut-Vielfalt leistet einen wesentlichen Beitrag zum Stopp der Biodiversitätskrise, von weniger Pestiziden auf dem Feld bis zu gesundem Essen auf dem Teller. Dieses Potential muss jetzt in Österreich und auf EU-Ebene genutzt werden.

Die COVID-Krise zeigt: Die große Frage für die Zukunft von Landwirtschaft und Ernährung wird die Widerständigkeit gegen Krisen sein. Vielfalt ist die wichtigste Grundlage für mehr Resilienz in der Landwirtschaft und eine Transformation hin zu einem System, das im Einklang mit der Natur arbeitet. Regional angepasstes Bio-Saatgut kann zum Beispiel eine große Rolle bei der Ökologisierung des Landwirtschaftssystems spielen: Es kommt ohne chemisch-synthetische Pestizide aus und kann sich besser an Klimaveränderungen anpassen. Ohne regionales Bio-Saatgut können die Ziele für eine gesunde Umwelt und für gesunde Menschen nicht erreicht werden, wie beispielsweise das in beiden Strategien erwähnte Ziel der Pestizid-Reduktion um 50 Prozent. Dafür müssen aber die politischen Rahmenbedingungen – von der Förderpolitik bis zum Saatgutrecht – passen.

Vielfältiges Saatgut spielt eine große Rolle für die Zukunft: Vielfalt auf den Äckern und in den Gärten („farm“) als Grundlage für vielfältige Lebensmittel auf unseren Tellern („fork“). „Wir freuen uns, dass die EU-Kommission die zentrale Rolle von Saatgut in beiden Strategien anerkennt – leider folgen aus dieser Erkenntnis noch keine konkreten Maßnahmen“, bedauert Dagmar Urban von ARCHE NOAH. „Die Situation bleibt angespannt: Das Recht auf Saatgut wird aufgrund der Patentierung von Pflanzen gefährdet und regionale, nicht standardisierte Sorten werden weiterhin in bürokratische Nischen verdrängt. Den schönen Worten müssen jetzt Taten folgen, um die Vielfalt von traditionellen und lokalen Sorten zu garantieren.“

ARCHE NOAH fordert für die österreichische Umsetzung der Biodiversitätsstrategie ein klares Ziel: alle notwendigen Maßnahmen zu setzen, um die Biodiversitätskrise zu stoppen. Dafür braucht es einen Schwerpunkt auf den Erhalt der vielfältigen genetischen Ressourcen und der Vielfalt an Kultursorten. „Das Ziel der ‚Farm to Fork‘-Strategie muss den Ausgangspunkt für einen fundamentalen Wandel in der europäischen und österreichischen Landwirtschaftspolitik hin zu mehr Ökologie bedeuten“, so Urban. „Vielfalt ist unsere Versicherung für die Herausforderungen von morgen, etwa für die Entwicklung von neuen Medikamenten oder die Anpassungen an ein verändertes Klima. Diese Vielfalt muss zurück auf die Felder, dann kann die Landwirtschaft ihren Beitrag für eine vielfältige Zukunft leisten!“

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Dagmar Urban
Politische Referentin ARCHE NOAH
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Axel Grunt
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