- 20.05.2020, 09:50:58
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- OTS0056
Leistungsbilanz 2019 historisch gesehen mit drittbestem Ergebnis
Österreichs Außenwirtschaft verzeichnet bis zum Ausbruch der Coronakrise beachtliche Exporterfolge
Utl.: Österreichs Außenwirtschaft verzeichnet bis zum Ausbruch der
Coronakrise beachtliche Exporterfolge =
Wien (OTS) - Österreichs Leistungsbilanz erreichte nach vorläufigen
Daten im Jahr 2019 mit 10,5 Mrd EUR den dritthöchsten jemals
verzeichneten Überschuss. Vor Ausbruch der Coronakrise Anfang 2020 –
zu deren Auswirkung derzeit noch keine gesicherten Daten vorliegen –
durchlief die österreichische Außenwirtschaft eine ausgesprochene
Erfolgsphase. Neben dem auf historisch hohem Niveau liegenden
Güterhandel wurde diese vor allem durch die strukturell wichtigste
Einnahmequelle, den Reiseverkehr getragen. Nach Schätzungen der
Welttourismusorganisation (UNWTO) ist im Jahr 2020 jedoch mit einem
Einbruch des internationalen Tourismus im Ausmaß von 60 Prozent bis
80 Prozent zu rechnen. Auch im Güterhandel signalisiert der auf
LKW-Fahrleistungen basierende Exportindikator der Oesterreichischen
Nationalbank (OeNB) seit Mitte März 2020 einen Rückgang der
Ausfuhren, der sich im April deutlich (auf –27 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat) beschleunigte. Im Mai zeichnet sich ein etwas
geringerer Rückgang ab.
Österreichs Leistungsbilanz schloss im Jahr 2019 mit einem Plus von
10,5 Mrd EUR und übertraf damit das ohnehin schon ausgezeichnete
Ergebnis des Jahres 2018 (+9,0 Mrd EUR). Nur in den Boomjahren
2007/2008 (+10,8/+13,2 Mrd EUR) konnten noch höhere Überschüsse
erzielt werden. „Damit stellt Österreich erneut seine prinzipiell
hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis“, erläutert
OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber.
Wie in den vergangenen Jahren war der Reiseverkehr (+10,2 Mrd EUR)
die tragende Säule dieses Erfolgs. Österreich verzeichnete die
höchsten Nettoerlöse aus den drei Hauptzielländern des heimischen
Tourismus, Deutschland (+6,9 Mrd EUR), den Niederlanden (+1,3 Mrd
EUR) und der Schweiz (+1,2 Mrd EUR). Die höchsten Nettoaufwendungen
stammen aus den Hauptreisedestinationen der Österreicherinnen und
Österreicher, nämlich Kroatien (– 0,9 Mrd EUR), Italien (–0,6 Mrd
EUR) und Griechenland (–0,4 Mrd EUR). Schätzungen der
Welttourismusorganisation (UNWTO) lassen für das Jahr 2020 – je nach
Dauer und Umfang der durch COVID-19 bedingten Reiseeinschränkungen,
beispielweise zeitlich beschränkte Grenzkontrollen und
Einreisestopps, – einen weltweiten Rückgang der Ankünfte
ausländischer Touristen im Ausmaß von 60 Prozent bis 80 Prozent
erwarten. Daten der Statistik Austria weisen auf einen massiven
Einbruch internationaler Ankünfte in Österreich im März 2020 (–70
Prozent) hin.
Unternehmensbezogene Dienstleistungen haben seit 2008 (+5,3 Mrd EUR)
stetig an Bedeutung verloren und bilanzierten 2019 nahezu
ausgeglichen (+0,2 Mrd EUR).
Im Güterhandel hat die Dynamik 2019 deutlich nachgelassen. Sowohl die
Güterexporte (153,2 Mrd EUR) als auch die Importe (149,5 Mrd EUR)
zeigten mit jeweils +1 Prozent ein verlangsamtes Wachstum. Im Jahr
2018 lagen die Zuwächse noch bei 7,8 Prozent bzw. 6,3 Prozent. Per
saldo lagen die Einnahmen aus dem Güterverkehr mit +3,8 Mrd EUR aber
immer noch auf einem historisch hohen Niveau.
Österreichs wichtigster Absatzmarkt für Güter blieb weiterhin die
Europäische Union (EU), in die 68 Prozent aller Güterexporte gingen.
Der Euroraum steht für 51 Prozent der Ausfuhren, wobei der wichtigste
Handelspartner Deutschland Waren im Wert von 42,7 Mrd EUR (28 Prozent
aller Güterexporte) absorbierte. Ein ähnliches Bild zeigten die
Güterimporte, die zu 74% aus der EU bzw. zu 58% aus dem Euroraum
kamen. In der regionalen Saldo-Betrachtung ist weiterhin der Beitrag
der USA, der im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert geblieben ist,
mit +7,7 Mrd EUR der höchste.
Die Auswirkungen der 2020 einsetzenden COVID-19-Pandemie auf
Österreichs Außenwirtschaft zeichnen sich in den Ergebnissen des
aktuellen Exportindikators der OeNB ab, der die Entwicklung der
Güterexporte auf Basis von LKW-Fahrleistungen schätzt. Im März 2020
ergab sich ein Rückgang der nominellen Güterexporte um 10,4 Prozent,
der sich im April auf 27,3 Prozent beschleunigte. Daten zur
wöchentlichen LKW-Fahrleistung zeigen jedoch, dass sich der Rückgang
zuletzt abgeschwächt hat und die Güterexporte im Mai weniger stark
zurückgehen werden als noch im April.
Der Kapitalverkehr mit dem Ausland war im Jahr 2019 durch eine
deutliche Verbesserung der Nettovermögensposition Österreichs
geprägt, die auf einen historischen Höchststand von 38,4 Mrd EUR
kletterte (2018: 14,2 Mrd EUR).
Die Bestände österreichischer Direktinvestoren im Ausland erreichten
mit 209 Mrd EUR ebenso eine neue Rekordmarke wie jene der
ausländischen Investoren in Österreich (183 Mrd EUR). Etwa drei
Viertel aller Direktinvestitionen in Österreich haben ihren Ursprung
in Europa, dieser Anteil ist seit vielen Jahren sehr stabil. Asien
wurde aber mit 11,7 Prozent aller passiven Direktinvestitionen im
Jahr 2019 erstmals zur wichtigsten außereuropäischen Quellregion.
Das grenzüberschreitende Wertpapiergeschäft Österreichs war 2019
aktiv- wie passivseitig durch Nettozukäufe gekennzeichnet, nachdem
2018 per saldo Papiere abgestoßen worden waren. Österreichische
Anleger zeigten vor allem Interesse an Investmentzertifikaten (+5,0
Mrd EUR), ausländische Investoren kauften insbesondere Bankanleihen
zu (+10 Mrd EUR).
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