WIFO: Internationaler Konjunktureinbruch als Folge der COVID-19-Pandemie

Wien (OTS) - Die Weltwirtschaft wurde von den Auswirkungen der zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie international gesetzten gesundheitspolitischen Restriktionen hart getroffen. Erste Daten zeigen bereits einen BIP-Rückgang im I. Quartal in allen wichtigen Wirtschaftsregionen. Die Vertrauensindikatoren brachen auf ein Niveau wie während der Finanzmarktkrise 2008/09 ein. Auch in Österreich sank die Wirtschaftsleistung bereits im I. Quartal. Besonders betroffen waren der Konsum sowie der Bereich Beherbergung und Gastronomie, Verkehr, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz sowie die sonstigen Dienstleistungen. Nachdem die Arbeitslosigkeit Ende März innerhalb von zwei Wochen massiv zugenommen hatte, stieg sie im April weiter, allerdings schwächer. Die Inflation ging im März zurück.

"Die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie traten breit gestreut über Länder und Sektoren auf. Erste Ergebnisse für das I. Quartal zeigen national und international bereits einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung", so die Autorin des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Sandra Bilek-Steindl.

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der zu ihrer Eindämmung gesetzten Maßnahmen zeigten weltweit dramatische Folgen. Breit gestreut über Länder und Branchen brachen die Konjunkturindikatoren binnen weniger Wochen ein.

Mit dem Mangel an Nachfrage infolge des Lockdowns gaben auch die Rohstoffpreise nach. Der HWWI-Index der Weltmarktrohstoffpreise, der Nahrungs- und Genussmittel sowie Energie- und Industrierohstoffe umfasst, lag im April sowohl auf Euro- als auch auf Dollar-Basis um rund 50% unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Die Effekte der einschränkenden Maßnahmen, die in den USA und Europa ab Mitte März gesetzt wurden, waren so stark, dass die Wirtschaftsleistung vielerorts bereits im I. Quartal deutlich schrumpfte. Erste Daten zeigen einen BIP-Rückgang in den USA (‑1,2%), im Euro-Raum insgesamt (‑3,8%), in Frankreich (‑5,8%), Italien (‑4,7%) und Spanien (‑5,2%, jeweils gegenüber der Vorperiode).

Im April sanken die Vertrauensindikatoren rasant, teilweise auf ein Niveau wie zuletzt im Tiefpunkt der Krise 2008/2009. In den USA verzeichnete der Index des Verbrauchervertrauens des Conference Board den stärksten Rückgang seit 2009. Im Euro-Raum sank der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung (ESI) auf ein Niveau wie während der Finanzmarktkrise 2008/09.

Auch in Österreich ließen die COVID-19-Pandemie und die zur Eindämmung gesetzten Maßnahmen das BIP bereits im I. Quartal 2020 kräftig sinken. Nach ersten Berechnungen blieb die Wirtschaftsleistung um 2,5% unter dem Ergebnis des Vorquartals (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe). Der Bereich Beherbergung und Gastronomie, Verkehr, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz sowie die sonstigen Dienstleistungen waren besonders betroffen. Auch die Sachgüterzeugung, welche bereits im Laufe des Jahres 2019 in eine Rezession geraten war, erlitt im I. Quartal 2020 Wertschöpfungseinbußen. In der Bauwirtschaft wurde die bislang gute Konjunktur mit den Baustellenschließungen ab Mitte März unterbrochen.

Die aktuellen Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtests vom April zeigen einen Absturz der Konjunktureinschätzung durch die österreichischen Unternehmen, der breit über die Branchen (Sachgütererzeugung, Bauwirtschaft und Dienstleistungen) streut. Der Index der aktuellen Lagebeurteilung für die Gesamtwirtschaft drehte im April um 37,1 Punkte in den negativen Bereich (auf ‑28,2 Punkte).

Abbildung: Vertrauensindikatoren im Euro-Raum – auf der WIFO-Website

Auf dem Arbeitsmarkt lösten die COVID-19-Pandemie und der Lockdown ab Mitte März einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. Dieser verlangsamte sich im April, jedoch lag die Zahl der beim AMS gemeldeten Arbeitslosen weit über dem Niveau des Vorjahres. Damit stieg die Arbeitslosenquote (gemäß nationaler Definition) unbereinigt auf voraussichtlich 12,8%. Die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten sank nach vorläufiger Schätzung gegenüber dem Vorjahr um 197.000 (‑5,3%).

Beeinflusst vom Rückgang der Treibstoffpreise verflachte die Inflation in Österreich im März. Sowohl laut Verbraucherpreisindex (VPI) als auch laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex (HVPI) betrug die Teuerungsrate 1,6% (Februar 2,2%). Damit war der Preisauftrieb in Österreich erneut höher als im Durchschnitt des Euro-Raumes (+0,7%).

Zu den Definitionen siehe "Methodische Hinweise und Kurzglossar".

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