Grüne/Neßler: Steigende Gewalt gegen Kinder in Coronakrise verhindern

Zivilcourage in der Nachbarschaft jetzt besonders wichtig – Kooperation mit „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ in Planung

Wien (OTS) - Die Corona-Krise stellt die Gesellschaft vor großen Herausforderungen. „Vor allem für Kinder kann diese Situation sehr belastend sein. Ihre Bewegungsfreiheit ist massiv eingeschränkt, sie sind beim Lernen teils auf sich alleine gestellt und ihr soziales Netzwerk ist weggefallen“, erklärt die Kinder-, Jugend- und Familiensprecherin der Grünen, Barbara Neßler. Die Schließung von Kindergärten, Schulen und anderen Betreuungseinrichtungen, lässt eine Zunahme von häuslicher Gewalt gegen Kinder befürchten. Die Zahl der Kinder-Gefährdungsmeldungen ist in der Coronakrise zwar in mehreren Bundesländern zurückgegangen, dieser Umstand bereitet jedoch Anlass zur Sorge.

Expert*innen, wie etwa die Salzburger Kinderanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt im Ö1-Morgenjournal, befürchten, dass der Rückgang nicht darauf zurückzuführen ist, dass die Gewalt gegen Kinder sinkt, sondern wichtige Systeme in Krisenzeiten weggebrochen sind. „Wir dürfen nicht vergessen, dass durch die Schul- und Kindergartenschließungen für viele Kinder ihre Schutzräume wegfallen. Pädagog*innen sind oft die ersten, die Anzeichen von Gewalt wahrnehmen und melden, ebenso wie Ärzt*innen oder Sozialarbeiter*innen in Jugendzentren. Da diese Angebote nicht, oder nicht mehr im selben Ausmaß von Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen werden können, kann Gewalt gegen sie vielfach unbemerkt passieren. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, meint Neßler.

Zwar wurde von der Regierung eine wichtige Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen in Corona-Zeiten ins Leben gerufen, Kinder und Jugendlichen kommen in der Krisenkommunikation jedoch zu wenig vor. „Wir müssen besonders in der derzeitigen Krise darauf achten, dass die Quarantäne-Zeit nicht die Überforderung in Familien steigen lässt und zu vermehrter Gewaltbereitschaft führt“, appelliert Neßler.

Gerade jetzt kann deshalb Zivilcourage in der Nachbarschaft Gewalt verhindern und Leben retten. „Das Holen von Hilfe ist derzeit für Kinder sehr schwer, da sie keine Schutz- oder Ausweichmöglichkeiten haben. Darum ist es umso wichtiger, dass eine Sensibilisierung in der Nachbarschaft stattfindet. Anzeichen zu ignorieren kann tödlich enden“, stellt Neßler klar.

Die Kinder-, Jugend- und Familiensprecherin der Grünen arbeitet im Moment an einer Kooperation mit der Initiative „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, die in den nächsten Wochen anlaufen soll. Die Initiative, die in Hamburg ihren Anfang genommen hat und nun erstmals auch in Wien Margareten etabliert wurde, möchte die unmittelbare Nachbarschaft durch Informationsmaterialien, Aufklärungsarbeit und praktischen Tipps im Umgang mit Gewaltsituationen sensibilisieren und Interventionsbereitschaft und Zivilcourage in der unmittelbaren Umgebung fördern (z.B. Aushang für Stiegenhäuser unter https://stop-partnergewalt.org/wordpress/2020/04/aushang-bitte-aufhaengen-und-verbreiten/).

Zusätzlich leisten viele NGOs und Kinderschutzeinrichtungen in diesen schwierigen Zeiten unverzichtbare Arbeit.

Folgende Helplines bieten Kindern/Jugendlichen und Familien Unterstützung:

Rat auf Draht (147): Unter der Nummer 147 steht Rat auf Draht Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen rund um die Uhr für anonyme psychologische Beratung zur Verfügung.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren (in allen Bundesländern)

Die Möwe-Kinderschutzzentren und Gut begleitet – Frühe Hilfen Wien: Telefon- und Onlineberatung bei Gewalt und Krisen in der Familie für ganz Österreich (Mo—Do 9—17 Uhr, Fr 9—16 Uhr)

Kinderschutzzentrum Wien mit Krisentelefon (Mo-Do 11 bis 18 Uhr, Fr 11-16 Uhr; tel. 01/5261820)

Telefonische Beratung/Krisentelefon bei Gewalt und Krisen in der Familie beim Servicetelefon der Wiener Kinder- und Jugendhilfe täglich zwischen 8 und 18 Uhr unter: 01/4000 8011

Frauenhelpline (0800-222-555): kostenlose telefonische Erst- und Krisenberatung für Frauen*, Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind.

Kinderwebsite: www.gewalt-ist-nie-ok.at

Rückfragen & Kontakt:

Grüner Klub im Parlament
+43-1 40110-6697
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