- 09.04.2020, 06:00:02
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Greenpeace-Studie: Klimaschutz und Arbeitsplätze durch Corona-Konjunkturprogramm
Analyse zeigt: Allein Photovoltaik-Anlagen schaffen 200.000 Öko-Jobs - Umweltorganisation und Ökonomin Stagl fordern grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise
Utl.: Analyse zeigt: Allein Photovoltaik-Anlagen schaffen 200.000
Öko-Jobs - Umweltorganisation und Ökonomin Stagl fordern
grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise =
Wien (OTS) - Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Analyse des
deutschen Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) zeigt auf,
wie kurzfristig notwendige Hilfsmaßnahmen in Verbindung mit
langfristigen Konjunkturpaketen in Österreich neue Jobs schaffen, die
soziale Ungleichheit bekämpfen und den Strukturwandel zu einer
klimafreundlichen, krisenresistenten Wirtschaft einleiten können. Die
Kurz-Studie zeigt Chancen und Gefahren in sieben konkreten Feldern
auf - vom Luftverkehr und städtischem Verkehr, über die
Energiebranche mit Erneuerbaren und Fossilen, die Gebäudesanierung
bis hin zur Ausgestaltung unserer Arbeitswelt. Dabei zeigt sich das
bemerkenswerte volkswirtschaftliche Potential klug konzipierter
Konjunkturpakete: Allein durch die Erreichung der Ausbauziele der
Bundesregierung bei der Photovoltaik, können 200.000 zukunftsfähige
Jobs geschaffen werden. Gleichzeitig können durch den längst
überfälligen Abbau klimaschädlicher Subventionen enorme Summen für
einen zukunftsweisenden Wiederaufbau der Wirtschaft freigesetzt
werden. Alleine in Österreich fließen bis zu 4,7 Mrd. Euro jährlich
in klimaschädliche Subventionen wie das Dieselprivileg oder die
Kerosinsteuerbefreiung. Durch den niedrigen Ölpreis können diese
derzeit zudem besonders sozialverträglich abgeschafft werden.
“Wir brauchen einen grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise. Das
zeigt auch die Studie klar: Die Regierung muss jetzt nicht nur
kurzfristig notwendige Rettungspakete klug schnüren, sondern mit den
kommenden Konjunkturpaketen in eine zukunftsfähige Wirtschaft und
nachhaltige Arbeitsplätze investieren: modern, klimafreundlich und
sozial gerecht”, sagt Adam Pawloff, Klimaexperte von Greenpeace in
Österreich. “Die Fehler, die im Nachspiel der Wirtschafts- und
Finanzkrise 2008 gemacht wurden, können wir uns diesmal nicht
leisten. Auch die kurzfristigen Hilfsmittel für Fluglinien und
fossile Großkonzerne müssen an soziale und ökologische Bedingungen
geknüpft werden und nicht wie damals mit der Gießkanne ausgeschüttet
werden: So etwa Kurzarbeit statt Kündigungen bei Fluglinien oder
klare Fahrpläne in eine CO2-neutrale Zukunft für fossile Konzerne”,
fordert Pawloff.
Auch Klimaönonomin Sigrid Stagl von der WU Wien unterstreicht, wie
wichtig es ist Fördergelder jetzt klug zu verteilen: “Die
Corona-Krise erfordert neben medizinischen Maßnahmen, das Auskommen
aller Menschen zu sichern und österreichische Unternehmen zu stützen.
Dabei darf aber der Wandel zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft nicht
verzögert werden. Förderungen für emissionsintensive
Wirtschaftszweige müssen jetzt an ökologische und soziale Bedingungen
geknüpft werden, wie etwa Beschäftigungssicherung und
Emissionsminderung”, so Stagl. Zudem hebt die Ökonomin das
volkswirtschaftliche Potential ökosozial ausgestalteter
Investitionsprogramme hervor: “Investitionen in zukunftsfähige,
kohlenstoffarme Technologien und Dienste sind aus
volkswirtschaftlicher Perspektive schon länger rentabel und
wünschenswert, durch falsche Preissignale und veraltete Regelungen
wurden sie aber trotzdem behindert. Die anstehenden langfristig
wirkenden staatlichen Maßnahmen und öffentlichen Investitionen müssen
mit dem Pariser Klimaabkommen und den Zielen der nachhaltigen
Entwicklung kompatibel sein. Die nun ungeplant beschleunigte
Veränderung, muss kurzfristig sozial abgefedert und langfristig in
die richtige Richtung gesteuert werden.”
Die zentralen Erkenntnisse der Studie
Im Verkehrsbereich zeigt die Analyse, dass schon kurzfristige
Unterstützung der Luftfahrtunternehmen an klare soziale und
ökologische Bedingungen geknüpft sein müssen, um notwendige
Veränderungen einzuleiten und zu verhindern, dass Steuergelder in
Form von Dividenden an Krisengewinner umverteilt oder langfristig in
klimaschädlicher Infrastruktur festgefahren werden. Gleichzeitig muss
im urbanen Verkehr verstärkt auf Öffis und das Fahrrad gesetzt
werden. Im Energiesektor liegt nicht nur großes klimapolitisches
Potential durch den Ausbau von Erneuerbaren und den schrittweisen
Ausstieg aus fossilen, auch fiskalpolitisch können kluge Hilfspakete
hier enorme Summen bewegen. Global stecken unvorstellbare 160 Mrd.
US-Dollar in umwelt- und klimaschädlichen Subventionen, in Österreich
alleine bis zu 4,7 Mrd. Euro. Zudem bietet dieser Bereich hohes
Potenzial für den geschwächten Arbeitsmarkt: Alleine mit der
Umsetzung des Photovoltaik-Ausbauziels von 11 Terawattstunden der
Regierung könnten in Österreich rund 200.000 regionale Arbeitsplätze
geschaffen werden. Um dieses Potenzial zu entfesseln dürfen Fehler
wie der massive Ankauf von Anleihen von Energiekonzernen oder die
kontraproduktive Verschrottungsprämie nach der Finanzkrise 2008 nicht
wiederholt werden.
Auch in der Ausgestaltung unserer Arbeitswelt und mit Blick auf
sozialen Zusammenhalt zeigt die Studie die notwendige Schlagrichtung
auf: Bei sämtlichen Wirtschaftshilfen, ist der Erhalt und Ausbau von
Arbeitsplätzen als zentrale Bedingung neben den Klimaschutz zu
stellen. Die soziale Ungleichheit, die seit der Finanzkrise 2008
wieder anwächst, muss dringend adressiert werden. Mit einem klugen
Konjunkturpaket kann die Politik auch für mehr soziale Gerechtigkeit
sorgen: “Eine Verschiebung der Steuerlast weg von niedrigen Einkommen
und hinzu einer höheren Besteuerung von umweltschädlichen Emissionen
und Ressourcenverbrauch, würde gleichzeitig dazu führen, dass die
unteren Einkommensschichten am Monatsende mehr Geld zur Verfügung
haben, und dass klimaschädliches Verhalten seinen Preis bekommt”,
erklären die Studienautoren Holger Bär und Matthias Runkel vom Forum
Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.
Die Studie finden Sie hier: bit.ly/FOES_GP_StudieFull
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