- 28.03.2020, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG "Leitartikel" Sonntag, 29. März 2020, von Mario Zenhäusern: "Tickende Zeitbombe"
Ohne adäquate Schutzausrüstung für den niedergelassenen Ärzte-Bereich droht der Kollaps des Gesundheitssystems. Die Folge wären Verhältnisse wie in Italien.
Utl.: Ohne adäquate Schutzausrüstung für den niedergelassenen
Ärzte-Bereich droht der Kollaps des Gesundheitssystems. Die
Folge wären Verhältnisse wie in Italien. =
Innsbruck (OTS) - Niedergelassene Ärzte sind eine der tragenden
Säulen des heimischen Gesundheitssystems. Sie sind in den meisten
Fällen die ersten Ansprechpartner für Personen, die medizinische
Hilfe benötigen.
Zuletzt ist die Zahl jener Ärztinnen und Ärzte, die sich außerhalb
der Krankenanstalten um Patienten kümmern, ständig gesunken. Mit
Stand Dezember 2018 waren es noch etwas mehr als 18.000 in ganz
Österreich – und die Zahlen schrumpfen weiter. Lücken durch
Pensionierungen können nur schwer gefüllt werden. Vor allem im
ländlichen Raum war die medizinische Versorgung schon vor der
Corona-Krise ernsthaft gefährdet.
Die weitere Ausbreitung des gefährlichen Virus vervielfacht das
Problem. Es sind die niedergelassenen Allgemeinmediziner,
Internisten, Lungenfachärzte etc., die häufigen Kontakt mit
Hochrisikopatienten einerseits und am Coronavirus Erkrankten
andererseits haben. Gerade diese Medizinerinnen und Mediziner, deren
Arbeit für die weitere Bewältigung der Krise unabdingbar ist, sind
jetzt gezwungen, geradezu händeringend um taugliche Schutzausrüstung
zu betteln.
Noch in der Vorwoche ließ sich das politische Krisenmanagement
dafür feiern, tonnenweise Schutzmasken und -kleidung besorgt zu
haben. In den Praxen vieler Ärzte ist das Material aber nicht
angekommen. Das ist ein Debakel für alle Verantwortlichen – und eine
„tickende Zeitbombe“ für unser Gesundheitssystem, wie einer der
betroffenen Allgemeinmediziner sagt. Ohne adäquate Schutzausrüstung
müssen Ordinationen im niedergelassenen Bereich nämlich früher oder
später zusperren. Die Folge wären völlig überfüllte
Spitalsambulanzen und Intensivstationen. Zustände also, wie sie
derzeit in Italien herrschen.
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