• 17.03.2020, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Mittwoch, 18. März 2020, von Mario Zenhäusern: "Fehler-Analyse"

Innsbruck (OTS) - Ischgl und Tirol haben auf die Corona-Krise zu spät
reagiert, andere Entscheidungsträger auch. Das aufzuarbeiten, ist
Aufgabe einer schonungslosen Manöverkritik. Vorrangig geht es jetzt
aber darum, die Krise zu meistern.

Die Corona-Krise ist für uns alle eine große Herausforderung. Nicht
nur für die Menschen im Land, die in Angst vor einer Infektion leben
müssen und gezwungen sind, ihr Leben auf unbestimmte Zeit grundlegend
zu ändern. Das viel gepriesene heimische Gesundheitssys­tem droht
durch die weitere Verbreitung des Virus an seine Kapazitätsgrenzen
und im Ernstfall auch darüber hinaus zu gelangen. Die Wirtschaft muss
mit Milliardenverlusten rechnen. Tausende Arbeitnehmer zittern um
ihren Job. Die Bundesregierung hat zwar ein vier Milliarden Euro
schweres Hilfspaket geschnürt, um allen Betroffenen rasch und
unbürokratisch helfen können. Greift das Virus allerdings weiter so
rasant um sich, wird diese Summe nicht ausreichen.
Politikern kommt in dieser heiklen Situation eine besondere Rolle
zu. Von ihnen verlangt die Bevölkerung zu Recht, dass sie erstens
rasch und zweitens richtig entscheiden, keine Panik auslösen und die
Öffentlichkeit gleichzeitig auch noch transparent und möglichst
umfassend informieren. In diesem Licht betrachtet, war der Auftritt
von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg am Montagabend in der Zeit im
Bild 2 alles andere als glücklich. Der Stehsatz „Die Behörden haben
alles richtig gemacht“ als Antwort auf sämtliche Fragen rund um die
Häufung von Corona-Infektionen in Tirol ist definitiv zu wenig. Vor
allem für jene, die sich hier infiziert haben oder die unter den
weitreichenden Einschränkungen zu leiden haben.
Ganz offensichtlich sind bei der Einschätzung der Corona-Krise
Fehler passiert, und zwar auf allen Ebenen und in nahezu jedem Staat.
Die Betroffenen vor Ort schlugen die Warnungen in den Wind, die
Wissenschafter zogen aus den Erfahrungen in anderen Staaten nicht die
richtigen Schlüsse, Behördenvertreter und eben auch Politiker
verließen sich zu sehr auf die Wissenschaft. Warum kann man das nicht
zugeben? Warum kann ein Politiker nicht eingestehen, die
Gefährlichkeit der Situation aufgrund vorliegender Expertenmeinungen
unterschätzt zu haben? Glaubwürdiger als ein simples „Die Behörden
haben alles richtig gemacht“ klänge das allemal.
Ischgl, Tirol, Österreich, Europa, ja die ganze Welt hat erst mit
Verspätung auf die Corona-Krise reagiert. Dieser Fehler wird in einer
schonungslosen Manöverkritik aufzuarbeiten sein. Später. Denn jetzt
geht es vorrangig darum, die aktuelle Krise zu meistern. Da gibt es
noch sehr lange sehr viel zu tun.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

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