- 02.03.2020, 22:00:31
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 3. März 2020. Von FLORIAN MADL. "Die Fans wollen am Ruder bleiben".
Innsbruck (OTS) - Ungewollt wurde Investor Dietmar Hopp zum Synonym
für Einschränkungen in der Autonomie des deutschen Fußballs. Vereine
waren lange Allgemeingut der Anhänger, mittlerweile beanspruchen
Geldgeber aber Mitspracherecht.
Früher war es so, dass im Fußball alle das Sagen hatten. Die am
Stammtisch – da ging es um Abseits oder nicht, um Rote Karten,
Transfers und vor allem den eigenen Verein. Die im Stadion – sie
machten ihrem Unmut mit Chorälen Luft. Doch mittlerweile scheint Fans
all das zu entgleiten, Fußball entzieht sich der Allgemeinheit und
wandert schrittweise an übergeordnete Instanzen. Denn Fußball ist
Teil des Geldadels geworden, in England weiß man das mittlerweile.
Dort löste die Liga mit einem Schlag das Hooligan- und das latente
Geldproblem, indem man sich Investorengruppen auslieferte und die
Autorität der Vereinskonstrukte beschnitt. Tickets wurden teurer,
Spieler auch. Allein die Fernsehgelder jenseits der
Vier-Milliarden-Marke dokumentieren die Entwicklung, in Deutschland
ist man gerade bei einem Viertel angekommen. Chinesische
Konzerngruppen, Scheichs, alle, die Spielzeuge brauchten oder
Investmentmodelle, durften Geld lockermachen. Auch der FC Wacker
Innsbruck präsentiert heute einen Geldgeber, der Prozess der
Statutenänderung war kein einfacher.
Doch so ganz machte die Welle am Ärmelkanal nicht Halt, Leute wie
Investor Dietmar Hopp stehen Pate dafür. Der knapp 80-Jährige gilt
mit dem Retortenverein Hoffenheim als Synonym für diese Entwicklung,
die deutsche Fan-Szene macht mobil. Mit Unmutsbekundungen weit unter
der Gürtellinie, die Solidarität der Anhänger reicht sogar über die
eigenen Vereinsfarben hinaus. Plötzlich ist es egal, ob Blau-Weiß,
Gelb-Schwarz oder Weiß-Rot: Das Establishment gerät in den Fokus, der
Verband, die Liga. Und die Obrigkeit wehrt sich, sanktioniert, greift
durch. Zu Recht, denn organisierte Fan-Szenen bekennen sich zu
Grundwerten, die manche in ihrem Aufschrei vermissen lassen. Viele
bangen um ihr Ureigenstes: das Mitspracherecht in den Vereinen, die
allerdings längst nicht mehr jenen von früher gleichen.
Dietmar Hopp gerät als Person ungewollt zwischen die Fronten,
wenngleich ihm nicht jedes Versäumnis in der Kommunikation der
Verbände angelastet werden kann. Denn wenn es in der Vergangenheit
um Rassismus im Stadion ging, war zwar von scharfen Sanktionen die
Rede, aber kaum von einem Spielabbruch. Seit sich die Schmähungen
gegen die Einzelperson Hopp häufen, wird selbst das diskutiert.
Solange die Wogen hochgehen, scheint keine Lösung in Sicht. Es geht
also längst nicht mehr nur um Dietmar Hopp.
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