McDonald's-Foto von Werner Kogler darf veröffentlicht werden

Wien (OTS) - Der Senat 2 des Presserats beschäftigte sich mit dem Artikel „Hier gönnt sich Werner Kogler ein McMenü“, erschienen am 13.01.2020 auf „oe24.at“. Nach Meinung des Senats ist die Veröffentlichung eines Fotos, das Werner Kogler beim Essen eines Burgers zeigt, medienethisch zulässig.

Im Artikel wird von einem Foto berichtet, das Werner Kogler in einer McDonald’s Filiale beim Essen zeigt und im Internet kursiere. Wann genau dieser Schnappschuss entstand, sei nicht bekannt, allerdings habe der Kommentator Gerald Grosz diesen auf Instagram geteilt. Anschließend wird aus dem Begleittext des Instagram-Postings von Grosz zitiert: So sei Koglers Lebensmotto „Bio macht schön“, wenn keiner zusehe, gehe er aber zu McDonald’s („Wasser predigen, Wein saufen!“). Dem Artikel ist das genannte Foto beigefügt, auf dem Werner Kogler in einer McDonald’s Filiale zu sehen ist, wie er in einen Burger hineinbeißt. Ein Leser wandte sich an den Presserat und sah dadurch die Privatsphäre Koglers gefährdet.

Der Senat hält fest, dass Politiker grundsätzlich weniger Persönlichkeitsschutz genießen als Privatpersonen, da diese bewusst die Öffentlichkeit suchen. Allerdings ist auch politisch engagierten Menschen ein Privatbereich zuzugestehen, den die Medien respektieren müssen. Für den Senat stellt sich somit zunächst die Frage, ob die Bildveröffentlichung einen politischen Konnex aufweist.

Der Senat betont, dass das Instagram-Posting des ehemaligen BZÖ-Politikers Gerald Grosz in den sozialen Netzwerken für kontroverse Diskussionen sorgte, inwieweit Koglers Verhalten im Widerspruch zur Parteilinie der Grünen stehe. Dabei spielte es eine Rolle, dass sich zahlreiche Funktionäre, Mitglieder und Sympathisanten der Grünen für gesunde, regionale oder vegetarische/vegane Ernährung aussprechen. Nach Ansicht des Senats muss sich Kogler als Spitzenrepräsentant die positive Einstellung der Grünen zu gesunder und bewusster Ernährung in einem gewissen Maß zurechnen lassen, selbst wenn er diese Einstellung nicht teilt.

Ferner wird im Artikel darüber aufgeklärt, dass Kogler von sich nie behauptet habe, Vegetarier oder Veganer zu sein. Es wird angemerkt, dass Kogler selbst hin und wieder eben gerne zum Burger greife. Schließlich weist der Senat auch noch darauf hin, dass die Bildveröffentlichung verhältnismäßig harmlos ist und die Privatsphäre lediglich berührt. Insgesamt betrachtet überwiegen im vorliegenden Fall die Veröffentlichungsinteressen gegenüber den Schutzinteressen des Abgebildeten, so der Senat.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall wurde der Senat 2 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers tätig und teilt seinen medienethischen Standpunkt. Die Medieninhaberin von „oe24.at“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OPR0001