• 22.01.2020, 10:32:49
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  • OTS0047

Günstige Refinanzierungslage für Banken und intensiver Wettbewerb auf dem Kreditmarkt

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Jänner 2020

Utl.: Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das
Kreditgeschäft vom Jänner 2020 =

Wien (OTS) - Einerseits finden die österreichischen Banken aufgrund
der Geldpolitik des Eurosystems und der Situation auf dem Geld- und
Kapitalmarkt sowie bei den Kundeneinlagen günstige Bedingungen für
ihre Refinanzierung vor. Andererseits senkten sie in den letzten
Jahren – bedingt durch den starken Wettbewerb auf dem Kreditmarkt –
wiederholt die Margen für Neukredite, was die Kreditkunden
profitieren lässt, jedoch die Zinserträge der Banken drückt. Das
zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage über das
Kreditgeschäft im Euroraum, in der führende Banken nach ihren
Einschätzungen gefragt werden.

Seit Mitte 2016 berichten die an der Umfrage teilnehmenden Banken
weitgehend von Verbesserungen ihrer Refinanzierungslage über Einlagen
sowie auf dem Geldmarkt und auf dem Kapitalmarkt. Die Angaben für das
vierte Quartal 2019 und die Erwartungen für das erste Quartal 2020
zeigen unverändert günstige Bedingungen.
Auch eine der jüngsten Maßnahmen der Geldpolitik wirkt sich
unmittelbar vorteilhaft auf die Banken aus. Seit September 2019 führt
das Eurosystem wieder gezielte längerfristige
Refinanzierungsgeschäfte durch, die großen Zuspruch finden. Schon
vergangene Auflagen dieser Geschäfte wurden von den Banken in
Österreich (und generell im Euroraum) gut angenommen. Neben einer
verbesserten Refinanzierung schreiben die Banken diesen
geldpolitischen Geschäften positive Auswirkungen auf ihre Liquidität
und ihre Profitabilität zu. Die dadurch zusätzlich zur Verfügung
stehenden finanziellen Mittel verwenden die Banken auch für die
Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte.

Im Unternehmenskundengeschäft gab es in den Jahren 2016 bis 2018
einen außergewöhnlichen Kreditboom. Seither stagniert die Nachfrage
nach Unternehmenskrediten auf hohem Niveau, was auf die schwächere
Konjunktur zurückzuführen ist. Im Privatkundengeschäft
(Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) hat sich die
Kreditnachfrage von Ende 2017 bis Mitte 2019 kaum geändert. Die
Umfrageergebnisse für das dritte und vierte Quartal 2019 zeigen
allerdings eine moderate Belebung der Nachfrage nach Wohnbaukrediten
an – unterstützt vom anhaltend niedrigen Zinsniveau.

Die Banken haben seit Mitte 2016 – in einem Umfeld hoher Liquidität
und bedingt durch den starken Wettbewerb auf dem Kreditmarkt – die
Margen bei neu vergebenen Unternehmenskrediten und neu vergebenen
Wohnbaukrediten an private Haushalte wiederholt gesenkt. Margen sind
Aufschläge auf Referenzzinssätze (wie z. B. den Euribor) und
bestimmen gemeinsam mit diesen die Höhe der Kreditzinsen. Niedrigere
Margen senken die Kreditzinsen und begünstigen die Kreditkunden,
drücken aber die Zinserträge der Banken.

Die hierdurch günstigeren Kreditkonditionen kommen allerdings nur
Kunden mit entsprechender Bonität zugute. Bei risikoreicheren
Unternehmens- und Wohnbaukrediten wurden die Margen nicht gesenkt. Im
Kreditgeschäft ist es im Laufe der letzten Jahre damit zu einer immer
stärkeren Differenzierung aufgrund der Kreditwürdigkeit der
Kreditkunden gekommen. Auch bei Konsum- und sonstigen Krediten an
private Haushalte kam es zu keinen Margensenkungen.

Die derzeit im langfristigen Vergleich außergewöhnlich niedrigen
Kreditzinsen sind allerdings der Geldpolitik des Eurosystems
geschuldet, durch die sich das Zinsniveau seit 2008 deutlich nach
unten verschoben hat. Die Zinsen für Neukredite an Unternehmen sowie
an private Haushalte für Wohnbau sind seit Oktober 2008 um etwa 4
Prozentpunkte gefallen. Der Referenzzinssatz Euribor, an den viele
variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in
allen Fristigkeiten negativ.

Restriktiver wurden die Banken hingegen bei den Kreditrichtlinien
(interne Kriterien der Banken für die Kreditvergabe) für private
Haushalte (Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite). Diese
wurden 2019 hauptsächlich aufgrund der Risikosituation verschärft. Im
Unternehmenskundengeschäft blieben die Kreditrichtlinien schon seit
2017 weitgehend unverändert.

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Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische
Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen
Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über
das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über
das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von
Unternehmen und privaten Haushalten, sowie sonstige die Geldpolitik
betreffende Themen zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 144 führende
Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht
Institute aus Österreich.

Eine ausführliche Darstellung der österreichischen Ergebnisse wird in
Statistiken – Daten & Analysen Q1/2020 und vorab auf der OeNB-Website
veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten
zu den Österreich-Ergebnissen der Umfrage:
www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website
publiziert:
www.ecb.europa.eu/stats/money/surveys/lend/html/index.en.html

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