Grüne Woche: Familienbetriebe stehen im Zentrum der österreichischen Agrarpolitik

GAP-Verhandlungen gehen in finale Phase - Österreich als Zukunftsmodell für Europa

Berlin (OTS) - Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zählt zu den ältesten und bedeutsamsten Politikfeldern der Europäischen Union. Insbesondere in den Berg- und benachteiligten Gebieten lässt sich mit einer multifunktionalen und flächendeckenden Landwirtschaft der Mehrwert der Gemeinsamen Agrarpolitik ableiten. 2020 gehen die Verhandlungen über die GAP und den mehrjährigen Finanzrahmen in die finale Phase. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, Bauernbund-Präsident Georg Strasser und Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger skizzieren die Herausforderungen der neuen GAP-Periode und die Forderungen der Bäuerinnen und Bauern anlässlich der Grünen Woche 2020 in Berlin, die gestern Abend offiziell eröffnet wurde.

Köstinger: Unser Weg - Qualität statt Quantität

"Unser Weg lautet 'Qualität statt Quantität'. Die angekündigten Kürzungen der EU-Kommission in der Ländlichen Entwicklung sind für uns untragbar. Sie gehen zulasten des Tierwohls, der Klima- und Umweltschutzstandards und vor allem auf Kosten unserer bäuerlichen Familienbetriebe. Beim Klimaschutz sind unsere Bäuerinnen und Bauern Musterschüler. Sie dürfen nicht durch Kürzungen bestraft, sondern müssen gefördert werden. Nur so können wir unsere Klimaziele erreichen", erklärt Köstinger und ergänzt: "Man kann überall billiger, schneller und mit geringeren Umweltstandards produzieren als in Österreich. Aber das ist nicht der richtige Weg. Darum werden wir der Industrialisierung in der Landwirtschaft und den Agrarfabriken den Kampf ansagen. Wir geben unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft nicht auf, sondern werden uns mit aller Kraft für sie einsetzen. Dafür werde ich in Europa die Speerspitze sein. Für uns ist klar: Unser österreichisches Modell soll Vorbild für ganz Europa sein."

Strasser: Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik auf EU-Ebene sichergestellt

"Die ökosoziale Vorreiterrolle, die Österreichs Landwirtschaft einnimmt, muss ohne Zweifel belohnt werden. Wir werden dafür sorgen, dass die Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik auf EU-Ebene sichergestellt oder notfalls auf nationaler Ebene ausgeglichen werden. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen Planungssicherheit, daher ist die vollständige Ausfinanzierung der derzeitigen GAP in den Übergangsjahren für uns ein Muss. Alles andere hätte für unsere Familienbetriebe fatale Folgen. Für die künftige GAP werden wir uns für eine starke 2. Säule einsetzen. Wir müssen alles daransetzen, unsere Importabhängigkeit zu vermindern und regionale Betriebsmittel-und Stoffkreisläufe zu schließen. Klares Ziel ist unsere eigene GVO-freie Versorgung mit dem vermehrten Einsatz von Eiweiß und Soja aus Österreich und Europa zu gewährleisten. Nicht zuletzt braucht es auch für die Junglandwirte finanzielle Anreize. Sie sind die Innovationsmotoren am Land. Deshalb fordere ich hier vollste Unterstützung seitens der EU", betont Strasser.

Moosbrugger: Neue GAP muss unbürokratisch, flexibel und praktikabel sein

"Oberste Priorität für uns ist und bleibt, dass die EU-Finanzmittel für die heimische Landwirtschaft nicht, wie derzeit von der EU geplant, gekürzt, die Anforderungen an die Landwirtschaft hingegen erhöht werden. Denn zusätzliche Leistungen für weniger Geld ist unmöglich. Es kann nur eine marktorientierte Weiterentwicklung der Landwirtschaft in wichtigen Bereichen wie Tierwohl, umweltfreundliche Produktion oder Biolandbau geben. Hier muss Brüssel praxistaugliche Lösungen sowohl für konventionell als auch biologisch produzierende Bäuerinnen und Bauern vorlegen. Darüber hinaus brauchen wir auch eine transparente Herkunftskennzeichnung als Voraussetzung dafür, dass Konsumentinnen und Konsumenten bewusst nach regionalen Lebensmitteln greifen können. Nur das gibt den qualitätsvollen und nach höchsten Standards produzierten Produkten der europäischen Bäuerinnen und Bauern in Zeiten international offener Märkte als Ergebnis von Handelsabkommen echte Marktchancen", erklärt Josef Moosbrugger vor Medienvertretern in Berlin. (Schluss)

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E-Mail: j.siffert@lk-oe.at
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Brucknerstraße 6/3, 1040 Wien
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E-Mail: m.rieberer@bauernbund.at
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