WIFO: Tourismusanalyse Sommersaison 2019

Sommersaison 2019 bringt Nachfragezuwächse für die österreichische Tourismuswirtschaft

Wien (OTS) - Im Oktober 2019 stiegen sowohl die Gästeankünfte (3,13 Mio.) als auch die Nächtigungen (8,46 Mio.) mit je +5,3% kräftig an. Für die gesamte Sommersaison 2019 bedeutet dies Zuwächse von +3,5% auf 25,6 Mio. Ankünfte bzw. +2,8% auf 78,9 Mio. Übernachtungen.

Die seit 2010 zu beobachtenden, kontinuierlichen Zuwächse der mengenbezogenen Nachfrage setzten sich im vergangenen Sommer nahtlos fort. Der mittelfristige Trend bestätigt die hohe Dynamik, die den österreichischen Sommertourismus in diesem Zeitraum kennzeichnet: Im Durchschnitt der Sommersaisonen 2010/2019 stiegen die Gästeankünfte um +2,6%, die Zahl der Übernachtungen um +4,0%. Mit 78,9 Mio. Übernachtungen wurde 2019 auch der historische Höchstwert der Sommersaison 1980 (78,2 Mio.) übertroffen. Die Zahl der Ankünfte erreichte mit 25,6 Mio. ebenso einen neuen historischen Höchstwert.

Die langfristige Entwicklung im österreichischen Sommertourismus ist von starken und länger andauernden Schwankungen geprägt: Nach einem deutlichen Rückgang der Nächtigungszahlen zwischen dem Rekordjahr 1980 und 1987 (‑14,6%) folgte ein Aufschwung, der seinen Höhepunkt im Jahr 1991 fand, in dem mit 78,1 Mio. Nächtigungen wieder annähernd das Niveau des Jahres 1980 erreicht wurde. Die folgenden fünfzehn Jahre brachten einen neuerlichen Abschwung, die Zahl der Nächtigungen verringerte sich bis 2006 um fast ein Viertel oder durchschnittlich 1,9% pro Jahr. Erst seit 2010 nimmt die Nachfrage wieder deutlich und kontinuierlich zu. Das Nächtigungswachstum betrug im Durchschnitt 2,3% pro Jahr. Damit liegen die Übernachtungen im heurigen Sommer um mehr als ein Viertel über dem Wert des Jahres 2006.

Während also die Nächtigungszahl seit Jahren fast kontinuierlich zunimmt, geht die Aufenthaltsdauer von Jahr zu Jahr zurück: Zwischen Mai und Oktober 2019 blieben die Übernachtungsgäste durchschnittlich 3,1 Nächte in derselben Unterkunft (‑0,7%) und damit nur noch halb so lang wie im Sommer 1980. Dies dokumentiert nicht nur einen langfristigen Trend zu kürzeren, aber häufigeren Reisen, sondern vor allem auch die Tatsache, dass Urlauberinnen und Urlauber während einer Urlaubsreise weniger lang in einer Destination verweilen, sondern vermehrt Orte und damit Unterkünfte wechseln.

Die klimatischen Bedingungen gestalteten sich im abgelaufenen Sommer recht günstig, vor allem wenn man bedenkt, dass Österreichs alpine Regionen ideale Verhältnisse bieten, um der Hitze in Städten und dem flachen Land zu entkommen: Auf einen feucht-kühlen Saisonstart im Mai folgten fünf überdurchschnittlich warme Sommermonate, wobei die Temperatur im Oktober um 1,5°C über dem klimatologischen Mittel der Jahre 1981 bis 2010 lag. Zudem wurde eine Häufung von Sommertagen mit mindestens 25°C noch im letzten Monatsdrittel verzeichnet. Die Wachstumsdynamik im letzten Monat des touristischen Sommerhalbjahres 2019 (Ankünfte und Nächtigungen je +5,3%), die maßgeblich von den internationalen Gästen bestimmt wurde (Ankünfte +8,2%, Übernachtungen +7,2%), könnte auch darauf zurückzuführen sein. Mit einem Gewicht von gut einem Zehntel der Sommernächtigungen ist der Einfluss des Oktobers ‑ trotz steigender Bedeutung der Nebensaisonen ‑ auf das Saisonergebnis jedoch relativ gering, sodass das bisherige Ergebnis von Mai bis September 2019 (Ankünfte +3,3%, Nächtigungen +2,6%) für den gesamten Sommer 2019 nur jeweils 0,2 Prozentpunkte mehr Wachstum brachte.

Die Umsatzschnellschätzung des WIFO[1] ergänzt die Mengenänderungen (Zahl der Ankünfte und Übernachtungen) um einen monetären Indikator: Für die Sommersaison 2019 ergab sich demnach ein Anstieg der nominellen Umsätze von +3,1% auf ein Niveau von 13,98 Mrd. €. Preisbereinigt wurde ein Zuwachs von 1,7% erwirtschaftet. Damit übertrafen die Tourismuseinnahmen sowohl zu laufenden als auch zu konstanten Preisen die bisherigen Höchstwerte des Sommers 2018.

Nach Bundesländern differenziert entwickelten sich die Tourismusumsätze von Mai bis Oktober 2019 recht unterschiedlich: Am kräftigsten expandierten die Einnahmen im Sog des anhaltenden Städte-Booms in Europa mit +6,4% in Wien. Ebenfalls weit überdurchschnittlich fiel das Umsatzwachstum in Ober- und Niederösterreich aus (+5,7% bzw. +4,5%), während die Steigerungsraten des Burgenlandes (+3,3%) und Salzburgs (+3,2%) den Österreich-Wert nur knapp überstiegen. Hingegen konnten die Bundesländer Vorarlberg, Steiermark und Tirol mit nominell unterdurchschnittlichen Ergebnissen zwischen +1,9% und +2,5% auf preisbereinigter Basis nur schwache Umsatzzuwächse verzeichnen. Kärnten gelang es, mit kräftigen Nächtigungszuwächsen von +11,8% im Oktober, die Einbußen in den Hauptsaisonmonaten Juli und August (‑1,5% und ‑1,0%) und die bis dahin stagnierenden Einnahmen (Mai bis September 2019 +0,1%) in ein leichtes nominelles Umsatzplus von +0,6% zu verwandeln (Übersicht 1). In realer Rechnung konnte dieses Bundesland das Einnahmenniveau des Sommers 2018 jedoch nicht halten.

Der Nächtigungsanteil des internationalen Gästesegments lag im Zeitraum Mai bis Oktober 2019 bei 70,5%; der Besuch ausländischer Gäste in Österreich leistet damit, wie auch im Winter (2018/19: 77,3%), einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtentwicklung des österreichischen Tourismus. Wie schon in den Jahren seit 2017 gestaltete sich die ausländische Nächtigungsentwicklung dynamischer als jene der inländischen Gäste (+3,2% zu +1,9%). Bei den Ankünften (+3,9% zu +2,8%) waren ähnliche Unterschiede in den Wachstumsraten zwischen Auslands- und Inlandsnachfrage zu beobachten. Unter 15 ausgewählten Quellmärkten ‑ die von Mai bis Oktober 2019 85,3% der Nächtigungen aus dem Ausland stellten und zusammen mit +2,9% leicht unterdurchschnittlich wuchsen ‑ zeigte die Nachfrage aus den osteuropäischen Ländern Rumänien (+13,6%), Polen (+10,8%), Russland (+9,5%), Tschechien (+8,1%) sowie aus Schweden (+6,1%) die kräftigsten relativen Zugewinne (mit einem gemeinsam eher geringen Marktanteil von 6,1%). Überdurchschnittliches Wachstum gab es auch bei Gästen aus den USA (+4,6%, Marktanteil 2,3%), Ungarn (+4,4%, Marktanteil 1,6%) und Dänemark (+4,2%, Marktanteil 0,9%). Reisende aus dem bedeutendsten Herkunftsmarkt, Deutschland (mit einem Marktanteil von 53,0% an den internationalen Nächtigungen und einem Wachstumsbeitrag von 52,2%), nächtigten um 3,2% öfter in österreichischen Beherbergungsbetrieben als im Vergleichszeitraum 2018. Aus den Niederlanden (+3,1%, Marktanteil 7,1%) und Belgien (+1,8%, Marktanteil 2,1) wurde ebenso ein Zuwachs verzeichnet, während die Nächtigungsnachfrage aus Frankreich (+0,2%, Marktanteil 1,9%) und der Schweiz (einschließlich Liechtenstein; ‑0,0%, Marktanteil 4,8%) stagnierte. Jene aus Italien ging leicht zurück (‑0,6%, Marktanteil 3,2%). Der noch immer nicht vollzogene Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union dürfte eine zunehmende Verunsicherung bei den Konsumentinnen und Konsumenten hervorrufen, mit negativen Auswirkungen auch auf die Nachfrage nach Auslandsreisen: Der Nächtigungsrückgang bei Gästen aus dem Vereinigten Königreich belief sich im Oktober 2019 auf 18,1% (Mai bis Oktober 2019 ‑6,9%).

Übersicht 1: Tourismusentwicklung in der laufenden Sommersaison – auf der WIFO-Website

Von den einzelnen Unterkunftsarten erzielten im Sommerhalbjahr 2019 die gewerblichen Ferienwohnungen die höchsten Übernachtungszuwächse (+8,2%). Auch private Ferienquartiere (+4,1%) sowie die Top-Hotellerie (5/4-Stern +3,6%) zeigten eine deutlich überdurchschnittliche Nachfragedynamik. In der 3-Stern-Kategorie entwickelten sich die Nächtigungszahlen schwach positiv (+0,6%), in den 2/1-Stern-Betrieben stagnierten sie hingegen. In Privatquartieren gingen sie um 0,4% zurück. In den übrigen Unterkunftstypen (Campingplätze, Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, Kurheime, bewirtschaftete Schutzhütten und sonstige Unterkünfte) wurden von Mai bis Oktober 2019 um 2,9% höhere Übernachtungszahlen registriert.

Pressemitteilung von Statistik Austria (Hochrechnung zu Ankünften und Übernachtungen): http://www.statistik.at/web_de/presse/122164.html


[1] Einen wesentlichen Parameter dieser Schnellschätzung stellt unter anderem die Entwicklung der Nächtigungen, nicht aber jene der Tagestouristinnen und ‑touristen dar; für zweitere liegen keine konsistenten Informationen vor. Weicht das Wachstum der Tagesbesucherinnen und ‑besucher von jenem der Nächtigungen zu stark ab, kann es damit zu Verzerrungen in den Umsatzschätzungen kommen.

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Rückfragen bitte am Mittwoch, dem 4. Dezember 2019, von 10 bis 12 Uhr an Dr. Oliver Fritz, Tel. (1) 798 26 01 - 261, oliver.fritz@wifo.ac.at

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