• 29.11.2019, 22:00:16
  • /
  • OTS0206

TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. November 2019 von Michael Sprenger "So schafft sich eine Partei ab"

Innsbruck (OTS) - SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner ist längst
handlungsunfähig. Interne Machtkämpfe und Intrigen
stehen auf der Tagesordnung. Was heißt hier noch Freundschaft? Ein
sozialdemokratisches Drama.

Die sozialdemokratische Sehnsucht nach dem Untergang. So oder so
ähnlich könnte das Drama betitelt sein, welches sich im Augenblick in
der SPÖ abspielt. All jene, denen die Partei am Herzen liegt, die
aber nicht gehört werden, sind wütend. All jene, die wissen, dass es
eben ein großes Verdienst der Sozialdemokratie ist, dass Österreich
so ein lebenswertes Land ist, sind fassungslos. Bei den SPÖ-Gegnern
macht sich hingegen Schadenfreude breit.
Alle müssen (oder dürfen) seit Tagen einer Inszenierung
shakespearischen Ausmaßes beiwohnen. Sind doch die Granden der Partei
auf offener Bühne zusammengetroffen, um mit Intrigen und Machtspielen
eine Partei anhaltend zu beschädigen. Vernichten ist vielleicht noch
ein zu schweres Wort.
Die tragische Rolle, weil zur Heldin taugt sie nicht, übernimmt dabei
Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Sie wirkt wie paralysiert, ist
nicht mehr in der Lage, das Treiben um sie herum zu beenden.
Rendi-Wagner hat ihre Chance verspielt, die Partei neu aufzustellen.
Sie hat sich von Anfang an der so genannten Liesinger-Partie
ausgeliefert, die bis heute von Rachegelüsten ob des Sturzes von
Werner Faymann beseelt ist. Es klingt wie ein Treppenwitz der
jüngeren Parteiengeschichte. Rendi-Wagner wurde vom glücklosen
Christian Kern zu seiner Nachfolgerin auserkoren. Und sie, weil
politisch unerfahren, nahm das Danaergeschenk der Faymann-Getreuen
an. Sie gaben vor, ihr zu helfen, geworden ist sie so zur Marionette.
Weiß Rendi-Wagner um ihre Rolle in dieser Ranküne? Auch das ist eine
offene Frage. Deshalb muss man es wohl sagen: Selbst wenn
Rendi-Wagner zum Opfer geworden ist, sie kann nicht länger
Parteivorsitzende bleiben. Doch dies ist angesichts der vielen
offenen Fragen die leichteste Antwort. Wohin will die Partei, wer
soll sie führen? Geht es um Neuausrichtung oder Besitzstandswahrung?
Alles offen. Es bietet sich keine logische Nachfolgerin, kein
Nachfolger an. Die einzige Integrationsfigur wäre Peter Kaiser. Doch
er winkt glaubwürdig ab. Hans Peter Doskozil ist vieles, aber keiner,
der die verfeindeten Lager vereinen kann.
Wahrscheinlich wissen alle an der SPÖ-Spitze, dass ihr jetziges
Handeln dazu angetan ist, die Partei zu ruinieren. Doch niemand ist
gewillt, den Machtkampf zu beenden. So dauert das Shakespeare-Drama
an. Bis am Ende alle auf dem Boden liegen. Freundschaft!

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel