- 25.11.2019, 22:00:02
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TIROLER TAGESZEITUNG, Meinung vom 26.November 2019 von Karin Leitner - „Ein Hochmütiger, der den Fall nicht akzeptieren will“
Innsbruck (OTS) - Anfang Oktober tat Heinz-Christian Strache in
einem Wiener Weinlokal vor Journalisten mit großer Geste kund, dass
es für ihn vorbei sei mit der Politik. Er werde kein Amt, keine
Funktion mehr anstreben: „Ich ziehe mich aus dem öffentlichen Leben
zurück.“ Der „freiheitlichen Familie“ zuliebe tue er das – um „eine
Zerreißprobe der FPÖ zu verhindern“. Und so stelle er die
Parteimitgliedschaft „ruhend“. Dem Rauswurf zuvorkommen wollte er
damit; der drohte ihm. Strache hatte die Partei nach oben gebracht –
und wieder hinunter. Mit den Ibizereien und der Spesen-Affäre hatte
er nicht nur den Freiheitlichen geschadet, er schadete der Politik
und dem Land. Die Blauen suspendierten Strache lediglich – hoffend,
das unrühmliche Kapitel sei damit erledigt.
Das war es nicht. Es ist wie weiland bei Jörg Haider: Kaum war er
weg, will er auch schon wieder da sein. Zum Ärger seines Nachfolgers
Norbert Hofer postete Strache als Privatmann auf Facebook weiter. Nun
setzte er sich als solcher bei der Raucher-Demo auf der Bühne in
Szene – und bot sich hernach auch noch als Obmann und Spitzenkandidat
der Wiener Freiheitlichen an.
Ob es Öffentlichkeitsentzugserscheinungen eines Geltungssüchtigen
sind, ob ihn Rache an der „freiheitlichen Familie“ leitet, weil sie
ihn verstoßen hat – eines zeigt sich jedenfalls: Dieser Mann hat
weder Unrechtsbewusstsein noch Einsichtsvermögen. Selbstreflexion ist
ihm fremd. Jemand, der Derartiges geliefert hat wie Strache – da ist
ja auch noch die Postenbesetzungs-Causa –, sollte nur noch eines tun:
es gut sein lassen und schweigen. Aber hätte Strache jenen Anstand,
den er so oft gepredigt hat, dann wäre er nicht dort, wo er jetzt
ist. Dann hätte er in der Balearen-Finca in keine Falle gelockt
werden können, dann hätte ihn die Regierungsmacht nicht berauscht,
dann hätte er als deklarierter Vertreter der „kleinen Leute“ nicht
dem Luxus gefrönt. Vom Opferlamento sollte er endlich lassen. Strache
hat sich selbst zu Fall gebracht.
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