AK-Wissenschaftspreis 2019: "Gemeinsam statt einsam: Warum wir den Sozialstaat brauchen!"

Linz (OTS) - Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall oder Pflegebedürftigkeit: Diese Lebensumstände können jeden von uns treffen. Als Schutz wurde in jahrzehntelangen Bemühungen der Sozialstaat aufgebaut. Das soziale Netz ist unverzichtbar – dennoch werden sozialstaatliche Leistungen immer öfter angegriffen und vor allem als Kostenfaktor abgetan. Der 36. Wissenschaftspreis, den die AK in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz vergab, beschäftigte sich deshalb mit dem Thema „Sozialstaat“. Aus den 20 eingereichten Arbeiten wurden die der Soziologin Janine Heinz, der Wirtschafts- und Sozialwissenschafterin Gloria Kutscher und des Politik- und Sozialwissenschaftlers Philip Rathgeb ausgezeichnet. Die drei Wissenschaftler/-innen erhielten jeweils 3.000 Euro.

Der Sozialstaat sei unverzichtbar, denn in einer zunehmend ungleicheren Gesellschaft sorge er für einen Ausgleich, für Solidarität, für Frieden, für Stabilität und für mehr Chancengerechtigkeit. „Bei der Diskussion um die Kosten sozialer Leistungen wird leider oft vergessen, dass die Schere zwischen Arm und Reich ohne Sozialstaat deutlicher auseinanderklaffen würde und Menschen in Krisenzeiten vermehrt auf sich alleine gestellt wären – siehe Finanzkrise 2008. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Nutzen und dem Wert des Sozialstaates sowie eine Schärfung des Bewusstseins über die Bedeutung des sozialen Netzes ist daher wichtiger denn je“, sagte AK-Direktor Dr. Josef Moser, MBA, bei der Preisverleihung. „Schließlich sind gerade Zusammenhalt und Solidarität die Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung künftiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen.“

Ein Foto von der Preisverleihung finden Sie auf unserer Homepage https://ooe.arbeiterkammer.at zum kostenlosen Download.

Die Preisträger/-innen und ihre Arbeiten:

Janine Heinz, MSSc. geht in ihrer Masterarbeit an der Universität Salzburg („Komplexe Unsicherheit und die Flucht ins Autoritäre. Eine qualitative Studie zu milieuspezifischen Reaktionen in Salzburg unter besonderer Berücksichtigung allfälliger Geschlechtsunterschiede“) der Frage nach, inwiefern das Erleben komplexer Unsicherheit, wie etwa Flexibilisierung am Arbeitsmarkt oder Prekarisierungstendenzen, zu autoritären und antiegalitären Einstellungen führt. Dabei beleuchtet sie Unterschiede zwischen verschiedenen Milieus. Die Ergebnisse geben einen tiefen Einblick in die Lebenswelten der Milieus und die Dynamiken, die auf autoritäre und antiegalitäre Einstellungen wirken. Das Gefühl, nicht den gerechten Anteil am Wohlstand zu erhalten, ist laut der Autorin ein relevanter Einflussfaktor auf Autoritarismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Gloria Kutscher, PhD behandelt in ihrer in Englisch verfassten Dissertation an der Wirtschaftsuniversität Wien („Are we all middle class? A supra-categorical approach to class analysis in Austria“) die Frage nach der aktuellen Struktur sozialer Klassen. Dazu wurde eine gekoppelte Darstellung von Klassenstruktur (ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital) und Diversitätsstruktur (Gender, Alter, Haushaltsstruktur, Migrationsstatus) herangezogen. Für Österreich konnte nach einer eingehenden Analyse eine Klassenstruktur mit fünf Gruppen nachgewiesen werden: prekäre Klasse (13 Prozent), Arbeiterklasse (40 Prozent), Mittelklasse (35 Prozent), wohlhabende Klasse (acht Prozent) und Elite (vier Prozent). Damit wird das öffentliche Bild einer großen Mittelschicht und einer kleinen „Unterschicht“ widerlegt. Vielmehr machen die Arbeiterklasse und die prekäre Klasse den größten Anteil an der Bevölkerung aus. Vermögen und Einkommen erweisen sich als sehr ungleich verteilt.

Dr. Philip Rathgeb beschäftigt sich in seiner englischsprachigen Monographie („Strong Governments, Precarious Workers: Labor Market Policy in the Era of Liberalization“) mit der Frage, warum manche europäische Wohlfahrtsstaaten sogenannte Outsider (Erwerbslose, atypisch bzw. prekär Beschäftigte) besser absichern als andere. Dabei untersuchte er in einem Ländervergleich Österreich, Dänemark und Schweden. Als Kernergebnis zeigt sich, dass für politische Veränderungen die Interaktion zwischen dem Einfluss der Gewerkschaften und der Stärke von Regierungen oder parlamentarischen Mehrheiten entscheidend ist. Je schwächer die Regierung hinsichtlich der Formulierung und Umsetzung von Reformen ist, desto stärker ist die Fähigkeit der Gewerkschaften, auf arbeitsmarktpolitische Reformen zugunsten einer steigenden Anzahl an Outsidern Einfluss zu nehmen.

Jetzt einreichen für 2020!

Der AK-Wissenschaftspreis 2020 zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die 2019 und 2020 fertiggestellt wurden/werden sowie der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitnehmern/-innen dienen. Das Thema des Wissenschaftspreises 2020 lautet „Öffentliches Gesundheitswesen und Langzeitpflege vor großen Herausforderungen“. Die Bereitstellung von Gesundheits- und Pflegedienstleistungen, die für alle gleichermaßen zugänglich und von hoher Qualität sind, steht derzeit vor großen Herausforderungen. Gesellschaftliche Entwicklungen, wie demografischer Wandel oder Digitalisierung, führen zu Veränderungen in der Ausgestaltung des Gesundheitswesens und der Langzeitpflege. Dazu kommen Privatisierungs- und Ökonomisierungsbestrebungen, die große Gefahren (Qualitätsverluste, ungleicher Versorgungszugang) bergen.

Das Preisgeld beträgt insgesamt 9.000 Euro. Details zur Ausschreibung und zum Thema unter https://ooe.arbeiterkammer.at!


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+43 (0)50/6906-2186
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