- 15.11.2019, 10:04:54
- /
- OTS0048
Wachstumsschwäche setzt sich über Jahreswechsel fort
Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom November 2019
Utl.: Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom November 2019 =
Wien (OTS) - Österreichs Wirtschaft hat in den ersten drei Quartalen
2019 deutlich an Schwung verloren. Während sich die Industrie derzeit
in einer Rezession befindet, stabilisiert der Dienstleistungssektor
das Wachstum auf niedrigem Niveau. Die Konjunkturindikatoren deuten
auf eine Fortsetzung der schwachen – aber positiven –
Wachstumsdynamik hin. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB)
erwartet im Rahmen ihrer vierteljährlichen Kurzfristprognose für das
vierte Quartal 2019 und das erste Quartal 2020 ein Wachstum des
realen BIP von jeweils 0,2 Prozent (gegenüber dem Vorquartal).
Gegenüber der letzten Prognose vom August wurden die
Wachstumserwartungen für das vierte Quartal um 0,1 Prozentpunkte
zurückgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 ergibt sich ein Wachstum von
1,6 Prozent.
Die internationale Konjunktur stellt derzeit den größten Risikofaktor
für die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich dar. Der schwelende
Handelskonflikt zwischen den USA und China dämpft die
Welthandelsentwicklung, die detaillierten Brexit-Modalitäten sind
weiterhin unklar. Österreichs wichtigster Handelspartner Deutschland
ist als Hersteller von Ausrüstungsgütern von der zyklischen Abkühlung
des Welthandels stark betroffen und leidet zusätzlich unter den
Schwierigkeiten der Automobilindustrie.
Die österreichische Wirtschaft kann sich der internationalen
Konjunkturabkühlung nicht gänzlich entziehen. Die Exportwirtschaft
verliert seit Jahresanfang 2018 kontinuierlich an Schwung. In den
ersten drei Quartalen 2019 hat sich die Wachstumsdynamik der Exporte
bei durchschnittlich 0,7 Prozent eingependelt, liegt damit aber immer
noch deutlich über den Werten von Deutschland. Sinkende
Auslandsaufträge lassen für die nächsten Monate jedoch eine weitere
Abschwächung der Exportdynamik erwarten.
Die heimische Industrie steckt bereits seit dem Frühjahr in einer
Rezession. Nach einem starken Start in das Jahr 2019 sinkt die
Industrieproduktion seit einem halben Jahr. Die Auftragslage hat sich
in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Das zeigen sowohl der
Auftragseingangsindex von Statistik Austria wie auch die von der Bank
Austria und der Industriellenvereinigung durchgeführten
Unternehmensbefragungen. Vor diesem Hintergrund sind die Unternehmen
auch zunehmend zurückhaltender bei ihren Investitionen. Das Wachstum
der sehr konjunkturreagiblen Ausrüstungsinvestitionen stagnierte im
dritten Quartal. Die Kapazitätsauslastung bildet sich von ihren
Höchstständen Anfang des Jahres 2018 stetig zurück und liegt im
vierten Quartal 2019 bei ihrem langfristigen Durchschnittswert. Dies
signalisiert eine abnehmende Notwendigkeit für
Erweiterungsinvestitionen.
Der Wohnbau stützt die österreichische Wirtschaft. Die anhaltend hohe
Nachfrage nach Wohnraum, günstige Finanzierungsmöglichkeiten und
steigende Immobilienpreise spiegeln sich in einem nach wie vor
kräftigen Wachstum der Wohnbauinvestitionen wider. Die
Baubewilligungen sinken zwar seit ihrem historischen Höchstwert im
Jahr 2017, der Rückgang flacht sich aber zunehmend ab. Daher ist auch
nicht mit einem abrupten Rückgang der Wohnbautätigkeit zu rechnen.
Der private Konsum wirkt angesichts steigender Haushaltseinkommen
stabilisierend auf die weitere Konjunkturentwicklung.
Das reale BIP-Wachstum hat sich in den ersten drei Quartalen des
Jahres 2019 weiter abgekühlt und lag im dritten Quartal bei nur mehr
0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für die beiden folgenden
Quartale erwartet die OeNB ebenfalls eine Wachstumsdynamik von
jeweils 0,2 Prozent. Diese Seitwärtsbewegung signalisiert eine
Bodenbildung, mit einem Abgleiten in eine Rezession ist daher nicht
zu rechnen. Gegenüber der letzten Prognose vom August wurden die
Wachstumserwartungen für das vierte Quartal um 0,1 Prozentpunkte
zurückgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 ergibt sich ein Wachstum von
1,6 Prozent.
Die Risiken der Prognose sind nach unten gerichtet. Vor allem
außenwirtschaftliche Faktoren wie der Brexit, globale
Handelskonflikte und ein weiterer Abschwung Deutschlands könnten zu
einer stärkeren Konjunktureintrübung in Österreich führen.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ONB






