Wachstumsschwäche setzt sich über Jahreswechsel fort

Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom November 2019

Wien (OTS) - Österreichs Wirtschaft hat in den ersten drei Quartalen 2019 deutlich an Schwung verloren. Während sich die Industrie derzeit in einer Rezession befindet, stabilisiert der Dienstleistungssektor das Wachstum auf niedrigem Niveau. Die Konjunkturindikatoren deuten auf eine Fortsetzung der schwachen – aber positiven – Wachstumsdynamik hin. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet im Rahmen ihrer vierteljährlichen Kurzfristprognose für das vierte Quartal 2019 und das erste Quartal 2020 ein Wachstum des realen BIP von jeweils 0,2 Prozent (gegenüber dem Vorquartal). Gegenüber der letzten Prognose vom August wurden die Wachstumserwartungen für das vierte Quartal um 0,1 Prozentpunkte zurückgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 ergibt sich ein Wachstum von 1,6 Prozent.

Die internationale Konjunktur stellt derzeit den größten Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich dar. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China dämpft die Welthandelsentwicklung, die detaillierten Brexit-Modalitäten sind weiterhin unklar. Österreichs wichtigster Handelspartner Deutschland ist als Hersteller von Ausrüstungsgütern von der zyklischen Abkühlung des Welthandels stark betroffen und leidet zusätzlich unter den Schwierigkeiten der Automobilindustrie.

Die österreichische Wirtschaft kann sich der internationalen Konjunkturabkühlung nicht gänzlich entziehen. Die Exportwirtschaft verliert seit Jahresanfang 2018 kontinuierlich an Schwung. In den ersten drei Quartalen 2019 hat sich die Wachstumsdynamik der Exporte bei durchschnittlich 0,7 Prozent eingependelt, liegt damit aber immer noch deutlich über den Werten von Deutschland. Sinkende Auslandsaufträge lassen für die nächsten Monate jedoch eine weitere Abschwächung der Exportdynamik erwarten.

Die heimische Industrie steckt bereits seit dem Frühjahr in einer Rezession. Nach einem starken Start in das Jahr 2019 sinkt die Industrieproduktion seit einem halben Jahr. Die Auftragslage hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert. Das zeigen sowohl der Auftragseingangsindex von Statistik Austria wie auch die von der Bank Austria und der Industriellenvereinigung durchgeführten Unternehmensbefragungen. Vor diesem Hintergrund sind die Unternehmen auch zunehmend zurückhaltender bei ihren Investitionen. Das Wachstum der sehr konjunkturreagiblen Ausrüstungsinvestitionen stagnierte im dritten Quartal. Die Kapazitätsauslastung bildet sich von ihren Höchstständen Anfang des Jahres 2018 stetig zurück und liegt im vierten Quartal 2019 bei ihrem langfristigen Durchschnittswert. Dies signalisiert eine abnehmende Notwendigkeit für Erweiterungsinvestitionen.

Der Wohnbau stützt die österreichische Wirtschaft. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum, günstige Finanzierungsmöglichkeiten und steigende Immobilienpreise spiegeln sich in einem nach wie vor kräftigen Wachstum der Wohnbauinvestitionen wider. Die Baubewilligungen sinken zwar seit ihrem historischen Höchstwert im Jahr 2017, der Rückgang flacht sich aber zunehmend ab. Daher ist auch nicht mit einem abrupten Rückgang der Wohnbautätigkeit zu rechnen. Der private Konsum wirkt angesichts steigender Haushaltseinkommen stabilisierend auf die weitere Konjunkturentwicklung.

Das reale BIP-Wachstum hat sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 weiter abgekühlt und lag im dritten Quartal bei nur mehr 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für die beiden folgenden Quartale erwartet die OeNB ebenfalls eine Wachstumsdynamik von jeweils 0,2 Prozent. Diese Seitwärtsbewegung signalisiert eine Bodenbildung, mit einem Abgleiten in eine Rezession ist daher nicht zu rechnen. Gegenüber der letzten Prognose vom August wurden die Wachstumserwartungen für das vierte Quartal um 0,1 Prozentpunkte zurückgenommen. Für das Gesamtjahr 2019 ergibt sich ein Wachstum von 1,6 Prozent.

Die Risiken der Prognose sind nach unten gerichtet. Vor allem außenwirtschaftliche Faktoren wie der Brexit, globale Handelskonflikte und ein weiterer Abschwung Deutschlands könnten zu einer stärkeren Konjunktureintrübung in Österreich führen.

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