Alle 39 Sekunden stirbt ein Kind an Lungenentzündung, warnen Behörden

Lungenentzündung – eine vermeidbare Krankheit – fordert mehr Kinderleben als jede andere Infektion.

Dies ist eine vergessene globale Epidemie, die eine dringende internationale Reaktion erfordert. Millionen von Kindern sterben aufgrund des Mangels an Impfstoffen, erschwinglichen Antibiotika und routinemäßiger Sauerstoffbehandlung. Die Lungenentzündungskrise ist ein Symptom für Vernachlässigung und unvertretbare Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung.
Kevin Watkins, Chief Executive von Save the Children
Täglich sterben fast 2.200 Kinder unter fünf Jahren an einer Lungenentzündung, einer heilbaren und meist vermeidbaren Krankheit. Ein starkes globales Engagement und erhöhte Investitionen sind entscheidend für den Kampf gegen diese Krankheit. Nur durch kosteneffiziente Schutz-, Präventions- und Behandlungsmaßnahmen, dort, wo sich Kinder tatsächlich aufhalten, können wir wirklich Millionen von Leben retten.
Henrietta Fore, Exekutivdirektorin von UNICEF
Die Tatsache, dass diese vermeidbare, behandelbare und leicht zu diagnostizierende Krankheit nach wie vor der weltweit häufigste Todesursache von Kleinkindern ist, ist ehrlich gesagt schockierend. Wir haben in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht, wobei Millionen von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt jetzt den lebensrettenden Pneumokokken-Impfstoff erhalten. Dank der Unterstützung von Gavi liegt die Abdeckung mit Pneumokokken-Impfstoffen in Ländern mit niedrigem Einkommen heute über dem weltweiten Durchschnitt, aber wir müssen noch viel tun, um sicherzustellen, dass jedes Kind Zugang zu dieser lebensrettenden Medizin hat
Dr. Seth Berkley, CEO von Gavi, der Vaccine Alliance
Seit Jahrzehnten ist die häufigste Todesursache für Kinder eine vernachlässigte Krankheit. Die am stärksten gefährdeten Kinder der Welt haben dafür den Preis bezahlt. Es ist an der Zeit, dass Regierungen, UNO und multilaterale Organisationen, Unternehmen und NGOs ihre Kräfte bündeln, um Lungenentzündung zu bekämpfen und diese Kinder zu schützen.
Leith Greenslade, Koordinatorin von Every Breath Counts

London/New York/Barcelona/Wien (OTS) - Laut einer neuen Analyse starben im vergangenen Jahr mehr als 800.000 Kinder unter fünf Jahren an Lungenentzündung.

Die meisten Todesfälle ereigneten sich bei Kindern unter zwei Jahren, und fast 153.000 innerhalb des ersten Lebensmonats. [1]

Sechs führende Gesundheits- und Kinderorganisationen, darunter UNICEF, rufen heute zu globalem Handeln auf, und schlagen Alarm bezüglich dieser vergessenen Epidemie. [2]

Im Jänner werden die Organisationen führende Persönlichkeiten der Welt auf dem Global Forum on Childhood Pneumonia in Spanien begrüßen.

Henrietta Fore, Exekutivdirektorin von UNICEF, sagt: „Täglich sterben fast 2.200 Kinder unter fünf Jahren an einer Lungenentzündung, einer heilbaren und meist vermeidbaren Krankheit. Ein starkes globales Engagement und erhöhte Investitionen sind entscheidend für den Kampf gegen diese Krankheit. Nur durch kosteneffiziente Schutz-, Präventions- und Behandlungsmaßnahmen, dort, wo sich Kinder tatsächlich aufhalten, können wir wirklich Millionen von Leben retten."

Lungenentzündung wird durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht. Kinder ringen dann um Luft, da sich ihre Lungen mit Eiter und Flüssigkeit füllen.

Im Jahr 2018 starben mehr Kinder unter fünf Jahren an dieser Krankheit als an jeder anderen. 437.000 Kinder unter fünf Jahren starben an Durchfall und 272.000 an Malaria.

Kevin Watkins, Chief Executive von Save the Children, sagt: „Dies ist eine vergessene globale Epidemie, die eine dringende internationale Reaktion erfordert. Millionen von Kindern sterben aufgrund des Mangels an Impfstoffen, erschwinglichen Antibiotika und routinemäßiger Sauerstoffbehandlung. Die Lungenentzündungskrise ist ein Symptom für Vernachlässigung und unvertretbare Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung."

Nur fünf Länder waren für mehr als die Hälfte der Todesfälle bei Kinderpneumonien verantwortlich: Nigeria (162.000), Indien (127.000), Pakistan (58.000), die Demokratische Republik Kongo (40.000) und Äthiopien (32.000). [3]

Kinder mit einem durch andere Infektionen wie HIV oder Unterernährung geschwächten Immunsystem sowie Menschen in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung und verunreinigtem Wasser sind einem weitaus größeren Risiko ausgesetzt.

Die Krankheit kann durch Impfstoffe verhindert und bei entsprechender Diagnose leicht mit kostengünstigen Antibiotika behandelt werden. Jedoch werden immer noch Dutzende Millionen Kinder nicht geimpft - jedes dritte Kind mit Symptomen erhält keine notwendige medizinische Versorgung. [4]

Kinder mit schweren Lungenentzündungen können auch eine Sauerstoffbehandlung benötigen, die in den ärmsten Ländern den Kindern, die sie benötigen, nur selten zur Verfügung steht.

Dr. Seth Berkley, CEO von Gavi, der Vaccine Alliance, sagt: „Die Tatsache, dass diese vermeidbare, behandelbare und leicht zu diagnostizierende Krankheit nach wie vor der weltweit häufigste Todesursache von Kleinkindern ist, ist ehrlich gesagt schockierend. Wir haben in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht, wobei Millionen von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt jetzt den lebensrettenden Pneumokokken-Impfstoff erhalten. Dank der Unterstützung von Gavi liegt die Abdeckung mit Pneumokokken-Impfstoffen in Ländern mit niedrigem Einkommen heute über dem weltweiten Durchschnitt, aber wir müssen noch viel tun, um sicherzustellen, dass jedes Kind Zugang zu dieser lebensrettenden Medizin hat".

Die verfügbaren Mittel zur Bekämpfung der Lungenentzündung liegen weit hinter anderen Krankheiten zurück. Nur 3% der derzeitigen weltweiten Forschungsausgaben für Infektionskrankheiten werden für Lungenentzündung aufgewendet, obwohl die Krankheit bei Kindern unter fünf Jahren 15% der Todesfälle verursacht.

Leith Greenslade, Koordinatorin von Every Breath Counts, sagt: „Seit Jahrzehnten ist die häufigste Todesursache für Kinder eine vernachlässigte Krankheit. Die am stärksten gefährdeten Kinder der Welt haben dafür den Preis bezahlt. Es ist an der Zeit, dass Regierungen, UNO und multilaterale Organisationen, Unternehmen und NGOs ihre Kräfte bündeln, um Lungenentzündung zu bekämpfen und diese Kinder zu schützen."

In einem gemeinsamen Aufruf zum Handeln fordern die Organisationen dringend:

  • Regierungen in den am stärksten betroffenen Ländern sollen Strategien zur Kontrolle der Lungenentzündung entwickeln und umsetzen, um die Zahl der Todesfälle bei Kinderpneumonie zu verringern und den Zugang zur medizinischen Grundversorgung als Teil einer umfassenderen Strategie für eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu verbessern.
  • Reichere Länder, internationale GeldgeberInnen und Unternehmen des privaten Sektors, sollen die Impfrate erhöhen, indem sie die Kosten für wichtige Impfstoffe senken und die erfolgreiche Wiederauffüllung von Gavi, der Impfstoffallianz, sicherstellen, sowie die Mittel für Forschung und Innovation zur Bekämpfung von Lungenentzündung aufstocken.

[1] UNICEF-Analyse, die im September 2019 erstellt wurde, basierend auf Zwischenschätzungen der WHO und der Mütter- und Kinderepidemiologie-Schätzungsgruppe (MCEE) und den Schätzungen der Inter-Agenturgruppe der Vereinten Nationen für die Schätzung der Kindersterblichkeit für das Jahr 2018.

[2] ISGlobal, Save the Children, UNICEF, Every Breath Counts, Unitaid und Gavi, die Impfstoffallianz fordern konkrete Zusagen von Hochlohnländern und internationalen SpenderInnen zur Bekämpfung von Lungenentzündungen. Zusammen mit der Stiftung "la Caixa", der Bill and Melinda Gates Foundation und USAID veranstaltet die Gruppe vom 29. bis 31. Jänner das Global Forum on Childhood Pneumonia in Spanien.

[3] Die 15 Länder mit den meisten Lungenentzündungstoten für Kinder unter fünf Jahren im Jahr 2018 waren:

Country Name Estimated number of
pneumonia-related deaths
in children under five, 2018

Nigeria 162,000
India 127,000
Pakistan 58,000
Democratic Republic of the Congo 40,000
Ethiopia 32,000
Indonesia 19,000
China 18,000
Chad 18,000
Angola 16,000
United Republic of Tanzania 15,000
Somalia 15,000
Niger 13,000
Mali 13,000
Bangladesh 12,000
Sudan 11,000
Global 802,000


Quelle: UNICEF-Analyse, basierend auf den Schätzungen der Inter-Agenturgruppe der Vereinten Nationen für die Schätzung der Kindersterblichkeit für das Jahr 2018 und den Zwischenschätzungen der WHO und der Maternal and Child Epidemiology Estimation Group (MCEE).

[4] Im Jahr 2018 erhielten 71 Millionen Kinder nicht die empfohlenen drei Dosen des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs (PCV), wodurch sie einem höheren Lungenentzündungsrisiko ausgesetzt waren. Weltweit werden 32% der Kinder mit Verdacht auf Lungenentzündung nicht in eine Gesundheitseinrichtung gebracht. Bei den ärmsten Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen steigt diese Zahl auf 40%.

UNICEF ruft zu Spenden auf, denn nur dank großzügiger Unterstützung kann die Arbeit für Kinder fortgesetzt werden:

Spendenkonto: UNICEF Österreich
AT46 6000 0000 0151 65000

Weitere Informationen und Möglichkeit zur Online-Spende: https://unicef.at/spenden/

Eine Auswahl an Videos und Fotos steht Redaktionen im Rahmen der Berichterstattung zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Report: Fighting for Breath: A call to action to stop children dying from pneumonia, geschrieben von UNICEF und Partnern, steht ab 12. November hier zur Verfügung.

Rückfragen & Kontakt:

UNICEF Österreich, Mag. Lisa Haber, MA., +43 1 879 21 91-45, presse@unicef.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | UCE0001