• 07.11.2019, 13:34:44
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  • OTS0153

Szekeres zu Ärztedichte: OECD operiert mit unterschiedlichen Zahlen

Tatsächlich liegt Österreich bei der Medizinerdichte im europäischen Mittelfeld – 40 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums gehen ins Ausland

Utl.: Tatsächlich liegt Österreich bei der Medizinerdichte im
europäischen Mittelfeld – 40 Prozent der Absolventen eines
Medizinstudiums gehen ins Ausland =

Wien (OTS) - „Die heute von der OECD veröffentlichte Studie
‚Gesundheit auf einen Blick 2019‘ trägt wieder einmal zu dem Mythos
bei, dass Österreich hinter Griechenland die höchste Ärztedichte pro
Kopf in Europa habe“, kritisiert Ärztekammerpräsident Thomas
Szekeres. Seit Jahren operiere die OECD mit „nicht direkt
vergleichbarem Datenmaterial“. ****

Die Daten, welche die Länder bei der OECD einmelden, seien nicht
miteinander vergleichbar. So zähle die OECD bei Österreich etwa die
Turnusärzte, also Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, mit ein, die
allerdings noch nicht voll versorgungswirksam seien, während andere
Länder auszubildende Jungmediziner nicht an die OECD meldeten. Auch
würden Teilzeit-Beschäftigungsverhältnisse, die in Österreich immer
mehr zunehmen, nicht berücksichtigt.

Erst vor einem Monat wurden in einer unabhängigen Studie des
deutschen IGES-Instituts in einem Ländervergleich zwischen
Deutschland, der Schweiz und Österreich die Zahlen zur Ärztedichte
richtiggestellt. „Den Erhebungen zufolge liegt Österreich dabei
gleichauf mit Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld und
weit weg von einem Podestplatz“, so Szekeres. Das IGES-Institut
erfasste in der Vergleichsstudie nur jene Ärztinnen und Ärzte, die
zur selbstständigen Berufsausbildung berechtigt sind – also ohne
Ausbildungs-/Turnusärzte - sowie auf Basis eines Vollzeitäquivalents.
Daraus ergibt sich eine tatsächliche Ärztedichte für Österreich von
nur 3,56 pro 1.000 Einwohner und nicht, wie von der OECD kolportiert
von 5,2 auf 1.000 Einwohner.

Auch die von der OECD publizierte hohe Absolventenzahl bei
Medizinstudenten in Österreich im europäischen Vergleich könne nicht
unkommentiert bleiben, so Szekeres, „denn 40 Prozent der
Medizinstudenten an österreichischen Universitäten gehen nach dem
Studiumabschluss ins Ausland. Sie kehren Österreich den Rücken, weil
die Arbeitsbedingungen in Deutschland, der Schweiz oder in
Skandinavien besser sind und dort ebenfalls ein Ärztemangel
herrscht“. Den Jungärzten würden dort oft neben sehr flexible
Arbeitszeitmodellen auch gleich eine Wohnung, ein Kindergarten- und
Schulplatz für die eigenen Kinder oder ein Job für die Lebenspartner
mit angeboten.

Für Szekeres ist das eine Entwicklung, die den schon bestehenden
Ärztemangel in Österreich im Verhältnis zur wachsenden Bevölkerung in
Zukunft noch weiter verschärfen wird. Eine Erhöhung der
Medizin-Studienplätze würde in diesem Zusammenhang am Problem des
Ärztemangels in Österreich auch nichts ändern, sofern nicht
entsprechenden Begleitmaßnahmen umgesetzt würden: „Andernfalls
produzieren wir mit mehr Studienplätzen nur noch mehr Mediziner für
das Ausland, die nach dem erfolgreichen Abschluss in Österreich in
Länder abwandern, in denen sie bessere Berufsbedingungen vorfinden
als hierzulande.“

„Um die nach wie vor gute Gesundheitsversorgung im Verhältnis zur
zunehmenden sowie auch immer älter werdenden Bevölkerung auch in
Zukunft allen Österreicherinnen und Österreichern anbieten zu können,
sind in Wien zusätzlich 600 Ärztinnen und Ärzte nötig, österreichweit
fehlen in Summe in etwa 1.450 Medizinerinnen und Mediziner“, betont
Szekeres. Allein in Wien hat die Bevölkerung in den letzten zehn
Jahren um 200.000 Mitbürger zugenommen, die Zahl der Spitalsärzte ist
im selben Zeitraum stagniert, jene der niedergelassenen Kassenärzte
sogar um mehr als 100 zurückgegangen. (bs)

(S E R V I C E - Die Ergebnisse der IGES-Studie sind auf der
Website der Ärztekammer für Wien nachzulesen:
www.aekwien.at/dach-studie.)

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