Kärnten: EUROPAEUS 2019 an drei „Brückenbauer“ verliehen

LH Kaiser und LR Gruber bei Auszeichnung von Franz Vranitzky, Hansjörg Springer und Hugo Portisch

Klagenfurt (OTS/LPD) - Der Europapreis EUROPAEUS wurde gestern, Dienstag, am Abend wieder von Land Kärnten, Wirtschaftskammer Kärnten und Forum Velden an drei faszinierende Persönlichkeiten verliehen: Altbundeskanzler Franz Vranitzky, Unternehmer Hansjörg Springer, Journalistenlegende und Geschichtsexperte Hugo Portisch. Landeshauptmann Peter Kaiser, Landesrat Martin Gruber und der Kärntner Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl gratulierten. Der EUROPAEUS geht seit 2009 an Brückenbauer im europäischen Einigungsprozess.

„Europa ist kein Traum, keine Utopie, keine Selbstverständlichkeit. Es ist tagtägliches Bemühen, eine tägliche Herausforderung“, betonte Kaiser in seiner Rede. Es gelte, sich täglich für Demokratie, Freiheit und dieses Europa einzusetzen, viele kleine, mühsame Wege zu gehen. Das Gemeinsame sei stärker vor das Trennende zu stellen, meinte der Landeshauptmann mit Verweis auf das wichtige Instrument Kohäsionspolitik. „Europa muss auch global Position beziehen für Humanität, Nachhaltigkeit und gerechtes Wirtschaften“, sagte Kaiser. Das seien Ziele, die auch in Kärnten im Kleinen gelebt werden könnten. In diesem Sinne verwies der Landeshauptmann auf den grenzüberschreitenden Geopark Karawanken mit Kärntner und slowenischen Gemeinden. „Solch ein Projekt ist der Weg Europas, von dem ich träume, es zeigt aber auch, dass wir schon mit beiden Beinen in dieser Wirklichkeit stehen.“

Landesrat Gruber sagte in seinem Statement, dass die EU immer noch für viele Menschen etwas Anonymes sei, fern von ihrem Alltag: „Dabei ist das Gegenteil der Fall, gerade in einem Bundesland wie Kärnten, das von der EU-Regionalförderung enorm profitiert.“ Es liege an jedem von uns, das ins Bewusstsein zu rücken, die europäische Idee weiterzuentwickeln und an einem gemeinsamen Europa zu arbeiten. Eine Preisverleihung wie der EUROPAEUS sei deshalb wichtig, „weil hier Persönlichkeiten geehrt werden, die genau das eindrucksvoll vorleben und Europa gestaltet haben“, so Gruber.

Wirtschaftskammerpräsident Mandl betonte, dass ein offenes, starkes Europa für den Wirtschafts- und Lebensstandort Kärnten wichtig sei. Er hob hervor, dass auch durch Wirtschaftskontakte Brücken im europäischen Einigungsprozess gebaut worden seien. Weiters verwies der Präsident u.a. auf den starken Export und auf die Chancen Kärntens als Logistikstandort an der Baltisch-Adriatischen Achse bzw. Koralmbahn. Kärnten müsse sich aber als Wirtschaftsstandort im Alpen-Adria-Raum noch sichtbarer machen und sich europaweit entsprechend darstellen.

Altkanzler Franz Vranitzky wurde in der Kategorie Europapolitik ausgezeichnet. Der Historiker Oliver Rathkolb skizzierte Vranitzkys Wirken für den Beitritt Österreichs zur damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) und meinte in seiner Laudatio: „Du hast wirklich Geschichte gestaltet.“ Der Ausgezeichnete selbst fand sehr mahnende Worte: „Der Durchbruch in den europäischen Bevölkerungen ist noch nicht so gelungen, dass sie sagen: Ich bin Österreicher UND Europäer, oder Franzose UND Europäer, Belgier UND Europäer.“ Europa seien rund 500 Millionen Menschen, das seien mehr als in den USA und in Russland leben. „Wir sind nicht klein, wir sind ein großer Player in der Welt, aber nur, wenn wir es wollen. Wenn wir einig sind in den Zielsetzungen“, sagte Vranitzky. Viele Regierungen würden zu wenig unternehmen, um die Bevölkerung mitzunehmen, würden so jenen Raum geben, die gegen das europäische Projekt seien – Stichwort Nationalismen. Der Altkanzler wünscht sich, dass das Wort „Union“ mehr inhaltlichen Charakter bekommt. Kaiser dankte Vranitzky und sagte: „Du hast Österreich in die heutige EU geführt, das Land hat so eine völlig neue Perspektive bekommen. Europa ist Gegenwart und Zukunft, viel davon verdanken wir dir.“

Der Journalist, Politik- und Geschichtsexperte Hugo Portisch wurde Preisträger in der Kategorie Bewusstseinsbildung. Laudatorin war seine langjährige Wegbegleiterin Christine Graf. Sie bezeichnete Portisch als Geschichtslehrer der Nation und Weltbildner, der sich immer stark und uneingeschränkt für Europa eingesetzt habe. Als unabhängiger Journalist habe er stets auf Check, Recheck, Doublecheck bestanden. Portisch zeigte sich über die Auszeichnung sehr erfreut, denn: „Es ist der erste Preis, den ich für mein Wirken für Europa bekomme.“ Europa habe sich weiterzuentwickeln, müsse selbstbewusster in der Welt auftreten und werde auch auf Russland zugehen müssen. „Europa kann mit den USA und China durchaus gleichziehen“, meinte Portisch. Der Landeshauptmann sprach gegenüber Portisch vom „Auftrag, Europa in unser Herz mit aufzunehmen“.

In der Kategorie Wirtschaft wurde Hansjörg Springer, Beiratsvorsitzender der Springer Maschinenfabrik, ausgezeichnet. Laudator war Steuerberater Günther Pöschl, der hervorhob, dass Springer geehrt wird, weil er ein innovatives, europäisches Familienunternehmen aufgebaut hat. Springer hat schon in den 70er-Jahren begonnen, Geschäftskontakte im ehemaligen Ostblock aufzubauen. So war er u.a. bei Sägewerkprojekten in Russland dabei. Wie Springer selbst erzählte, orientierte er sich dabei an den damaligen Fünfjahresplänen. Der Landeshauptmann meinte beim Gratulieren: „Sie haben gezeigt, dass Europa nicht auf die EU-Grenzen reduziert ist.“

Erstmals verliehen wurde der EUROPAEUS im Rahmen des CEE-Wirtschaftsforums Velden 2009 zum Anlass der Jubiläen „20 Jahre Ostöffnung“ und „5 Jahre EU-Osterweiterung“. Einer der ersten Preisträger war der ehemalige Außenminister und Vizekanzler Alois Mock. Die Jury des EUROPAEUS besteht aus der Leiterin des Verbindungsbüros Kärnten in Brüssel, Martina Rattinger, Meinrad Höfferer von der Wirtschaftskammer sowie EUROPAEUS-Initiator Walter Prutej vom Forum Velden. Die drei sprachen einleitende Worte zu jeder Kategorie.

Moderiert wurde die Verleihung von Ute Hofstätter-Pichler, musikalisch umrahmt von den „Young Roses“ aus dem Rosental. Jugendliche der zweisprachigen BHAK Klagenfurt zeigten einen Film zu Europa und formulierten dann auf der Bühne ihre Gedanken zur EU in verschiedenen Sprachen.


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