• 23.10.2019, 11:40:13
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Mehr Patientensicherheit durch offenere Fehlerkultur (2)

10 Jahre Critical Incident Reporting System CIRSmedical.at

Utl.: 10 Jahre Critical Incident Reporting System CIRSmedical.at =

Wien (OTS) - Bevor Berichte über kritische Ereignisse im
Gesundheitsbereich im österreichischen Fehlerberichts- und Lernsystem
CIRSmedical veröffentlicht werden, durchlaufen sie ein streng
geregeltes Prüfverfahren. „Nur so können sie als sinnvolle Basis für
Verbesserungen und für die Vorbeugung von Fehlern dienen“, sagte der
Leiter der Referate für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement
sowie für für Leitlinien, Patientensicherheit, HTA und Guidelines
International Network der Österreichischen Ärztekammer, Artur
Wechselberger.

Ein Bericht müsse relevant für die Sicherheit im Gesundheitswesen
sein, der Berichtende müsse den Vorfall selbst beobachtet haben oder
daran beteiligt gewesen sein und seine Schilderung müsse vollständig
und sachbezogen sein. Nicht veröffentlicht würden daher
Diffamierungen oder reine Beschwerden. „Für Beschwerden sind
Spitalsombudsleute, Patientenanwaltschaften oder die
Schlichtungsstellen der Landesärztekammern zuständig“, betonte auch
die Präsidentin der Plattform Patientensicherheit und Ärztliche
Leiterin des Krankenhauses Hietzing, Brigitte Ettl. „Auch kein Fall
für CIRS sind Arzneimittel-Nebenwirkungen. Solche Beobachtungen sind
direkt der österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit zu
übermitteln“, ergänzte Wechselberger.

Absolut anonym

Berichte, die auch außerhalb der eigenen Einrichtung
sicherheitsrelevant sein könnten, können von der jeweiligen
Organisation in das nationale CIRSmedical überspielt werden. Vor der
Veröffentlichung durchläuft jeder Bericht ein
Anonymisierungsverfahren, sodass Rückschlüsse auf den Absender
absolut unmöglich sind. Schließlich prüft auch noch das
Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) die korrekte
Prozessabwicklung.

Teure Fehler

„Bereits 2005 wurde mit der ,Luxemburger Deklaration‘ der
Europäischen Union Patientensicherheit zu einem hochrangigen Thema
innerhalb der Union erhoben. Das wichtigste Anliegen dieser
Deklaration ist die Schaffung einer Kultur, in der es möglich ist,
aus Fehlern zu lernen, anstatt nach Schuldigen zu suchen und
Bestrafung zu fordern“, erklärte Brigitte Ettl.

Die Tatsache, dass vielen Patienten unnötig Schaden zugefügt und
damit gleichzeitig eine nicht unbeträchtliche Summe an Geld
verschwendet worden sei, habe man früher einfach verdrängt. Ettl: „Im
Durchschnitt erfahren vier bis 17 Prozent aller Patientinnen und
Patienten ein unerwünschtes Ereignis. Davon sind 44 bis 50 Prozent
vermeidbar. Die finanzielle Last der direkten Kosten dieser
Ereignisse liegt für die öffentlichen Gesundheitssysteme aller
EU-Mitgliedsstaaten bei etwa 21 Mrd. Euro oder 1,5 Prozent der
Gesundheitsausgaben im Jahr 2014.“

Ausblick

Das Gesundheitswesen werde komplexer, der Anspruch an die moderne
Medizin größer, das Tempo neuer Entwicklungen steigere sich
zusehends. Besonders fehleranfällig seien Schnittstellen, etwa wenn
ein Patient aus dem Spital in hausärztliche Betreuung entlassen wird,
sagte die Ärztliche Leiterin des Krankenhauses Hietzing, Brigitte
Ettl. Daher arbeite man seit 2012 mit CIRSmedical, das Ettl
inzwischen für unverzichtbar halte. Allerdings sei CIRS auch mit
Arbeit verbunden: Mitarbeiterschulungen, konsequente Analyse und
Beantwortung der gemeldeten Fälle und „immer wieder
Marketing-Maßnahmen, um das System und dessen Nutzen für alle im
Gesundheitswesen in Erinnerung zu rufen“. Die Österreichische
Plattform Patientensicherheit habe daher eine praxisnahe
Handlungsempfehlung für Einrichtung und Betrieb von Berichts- und
Lernsystemen präsentiert – als Ergebnis der erstmaligen
Zusammenarbeit von Experten aus Österreich (Österreichische Plattform
Patientensicherheit), Deutschland (Aktionsbündnis
Patientensicherheit) und der Schweiz (Patientensicherheit Schweiz).

Dennoch seien nicht Berichtsrekorde das Ziel von CIRSmedical, sondern
ein gutes Verhältnis von Qualität und Quantität bei der Umsetzung der
Empfehlungen und die Mitwirkung möglichst aller Bereiche des
Gesundheitswesens.(ar)
(Schluss)

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